Blogreihe: Mamas Storys, Judith in der Kinderwunschbehandlung

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Heute bei den Mamas Storys, erzählt Judith über ihre Kinderwunschbehandlung und ihre komplizierte Schwangerschaft. Woher sie die Kraft für alles nahm, lest selbst!


 

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Ich bin Judith, 30 Jahre alt und mehr als ein Drittel meines Lebens mit meinem Mann zusammen. Nach unserer kirchlichen Trauung im Mai 2012 wollten wir, wie so viele Paare, endlich eine Familie gründen.

Das Interview mit Judith

Zunächst war dein Kinderwunsch unerfüllt? Was gab es für Probleme?

Nachdem ein Jahr verging, wandte ich mich an meinen Gynäkologen, der mich umgehend an ein Kinderwunsch-Zentrum überwies. Für ihn war „ein Jahr erfolgloses Üben“ ein Grund, eine Ursache zu ermitteln. Neben der fast „gängigen“ Diagnose PCO-Syndrom, worunter viele Frauen (unbemerkt) leiden, einer Insulin-Resistenz und unserem Arbeiten im Schichtdienst, reihte sich dann im Juli 2014 die Tatsache ein, dass durch zwei vorausgegangene Bauchspiegelungen mein rechter Eileiter nicht mehr durchlässig war. Wahrscheinlich durch die Eingriffe vernarbt.

 

Wielange habt ihr versucht, schwanger zu werden?

Insgesamt haben wir zwei Jahre einen unerfüllten Kinderwunsch gehabt, wovon ich ein Jahr in Behandlung war.

Positiv war, dass man schnell die Ursache(n) fand. Negativ war, dass man uns genauso schnell den Weg der künstlichen Befruchtung (IVF) empfahl- rückblickend und kritisch, sehe ich es vor allem als finanzielles Gewinnspiel der Ärzte .

Ich wollte nicht aufgeben, versuchte zwei, drei, vier Zyklen „nur“ mit Hormon-Spritzen und anderen Medikamenten und Liebelei nach Plan, schwanger zu werden….als auch das kein Wunder bewirkte, entschieden wir uns, direkt zu Beginn des Jahres 2015 mithilfe der IVF-Methode („Befruchtung im Glas“) schwanger werden zu wollen.

Ich fühlte mich nicht wohl bei dem Gedanken, spürte jetzt schon einen enormen Druck und eine unerträgliche psychische, als auch physische Belastung.

Mit den Ärztinnen sprach ich ab, dass ich aber für die Monate November und Dezember ´14 die Behandlung (weitere Hormon-Spritzen-Zyklen) unterbrechen möchte, da ich meinen 29. Geburtstag und Weihnachten „hemmungslos“ feiern wollte. Auf Drängen meines Mannes, machte ich eine Woche vor Weihnachten einen Schwangerschaftstest – und er war positiv!

Es ist und bleibt ein Wunderkind für uns…

 

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Dann wurdest du schwanger, aber ein Schicksalsschlag ereilte euch im Freundeskreis welchen?

Gute Freunde, die den unerfüllten Kinderwunsch mit uns teilten, erfuhren noch vor unsere Familie von dem Wunder! Die beiden waren zu dem Zeitpunkt selbst gerade schwanger mit Zwillingen – auch sie waren in Behandlung und wurden mithilfe von Hormonen schwanger.

Ich litt unter starker Übelkeit, sie unter starken Rückenschmerzen. Was wir zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Ihr Körper hatte eine Infektion. Noch am selben Abend fuhren sie ins Krankenhaus. Ihre Rückenschmerzen waren Wehen und eine Geburt nicht mehr aufzuhalten. Wenige Tage später brachte meine Freundin zu Beginn des 7. Monats ihre Tochter und ihren Sohn still zur Welt.

 

Wie hast du dich selbst gefühlt? Hattest du Angst, um deine Schwangerschaft?

Es war ein Albtraum. Neben all der tiefen Trauer, Mitgefühl und Wut über die Unfairness des Lebens, hatte ich höllische Angst um mein Baby. Bis dato dachte ich, wenn man die obligatorischen ersten 13. SSW überstanden hat, sei man auf der sicheren Seite.

 

Bei einer Routine Untersuchung, wurde bei dir etwas festgestellt, was deine komplette Schwangerschaft veränderte, was war das?

Sonntags spürte ich eine komische, innere Unruhe und einen leichten Druck nach unten. Ein unbeschreibliches Bauchgefühl ließ mich dann ins Krankenhaus gehen, nur kurz gucken, abklären lassen.

Da war mein Gebärmutterhals nur noch 1,2 cm lang und es hatte sich ein großer Trichter gebildet, d.h. der Kopf und die Fruchtblase übten zusätzlich Druck auf den Muttermund und Gebärmutterhals aus – die Lage war dramatisch.

Ich durfte nur noch vom Stuhl herunter gehen und ab dem Zeitpunkt nur noch liegend bewegt werden. Zudem zeigte ein Frühgeburtstest an, dass sich mein Körper auf eine Geburt vorbereitet und ohne Behandlung mein Kind in den nächsten Tagen zur Welt kommen würde.

 

Wie kam es zu dieser Schwäche? Hat man diese von Anfang an, ist das erblich?

Das ist unterschiedlich und lässt sich nicht allgemein beantworten. Normal sind zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft 4-9cm Gebärmutterhals-Länge. Zum Teil ist es eine Form der Bindegewebsschwäche, zum anderen auch genetische Veranlagung.

Meine Mutter lag ebenfalls in der Schwangerschaft mit meiner älteren Schwester mit der selben Diagnose über Monate im Bett.

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Was haben dir die Ärzte empfohlen?

Ich wurde nur wenige Tage nach der Diagnose operiert. Zuvor bekam ich prophylaktisch Antibiotika und Wehenhemmer. Man setzte mir bei 22+3 eine Cerclage ein. Ich war bei dieser Operation bei vollem Bewusstsein und habe gebetet.
Danach begann eine lange, harte Zeit. Ich hatte absolute Bettruhe und lag mehrere Wochen noch im Krankenhaus. Es war ein immenser Druck…von nun an war es keine normale Schwangerschaft mehr. Jeder Tag zählte….Man entließ mich mit der Prognose – immerhin nach der dramatischen Situation – es zu 80% bis zur 34. SSW zu schaffen. Für uns ein Lichtblick und Ziel!

 

Musstest du diese Bettruhe komplett, oder in Abwechslung im Krankenhaus verbringen, oder war dies für Zuhause empfohlen?

Ich durfte nach strenger Bettruhe im Krankenhaus und einer Stabilisierung des Befundes nach Hause. Dort räumte man mir nicht mehr als eine Stunde Bewegung ein ( Toilettengänge inklusive…ein Hoch auf den Harndrang einer Schwangeren!). Ich hatte wöchentliche Kontroll-Untersuchungen bei meinem Gynäkologen. Jede kleinste negative Abweichungen von letzter Woche, verängstigte mich.

 

Wie sah dein Tagesablauf danach aus? 

Ich blieb morgens möglichst lange im Bett, machte mich dann frisch für den Tag und nahm meine Mahlzeiten im Liegen auf der Couch zu mir. Draußen war herrliches Wetter und der brüllend heiße Sommer 2015. Vitamin D gab es für mich und den Babybauch auf dem Balkon – natürlich im Liegen. Es war insgesamt eine sehr anstrengende und auch einsame Zeit.

 

Wie ging es dir selbst mit dieser Diagnose dabei? Wie hast du dich gefühlt?

Ich war wie gelähmt. Ich hatte Angst, dass es jetzt vorbei sei, dass ich es nicht schaffe, mein Baby zu halten. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war wütend auf meinen Körper, gerade mal 480g wollte mein Körper nicht halten.

Mein Mann war meine größte Stütze, aber in ihm tobte auch große Angst.

 

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Wie ging es für euch weiter? Und hast du Tipps, für Mamas in der gleichen Situation?

Die Cerclage gab mir vor allem eine psychischen Stütze. Eine Cerclage ist eine Umschlingung des Gebärmutterhalses mittels eines Fadens. Ihr Einsatz ist umstritten, aber in unserem Fall war sie richtig.
Im Übrigen hatte auch meine Mutter in der Schwangerschaft mit meiner Schwester eine Cerclage. Sie wurde mir in der 38. SSW in einem kurzen, ambulanten Eingriff entfernt.

Ja! Tatsächlich haben wir es bis zur 38. SSW geschafft...und darüber hinaus 😁 Scheinbar hatte es unser Sohn dann doch nicht mehr so eilig und bei 41+5 gebar ich ihn nach Einleitung. Ich nannte es Räumungsklage 😉 Aber selbst als ich 4 Tage (und mehr) über dem errechneten Entbindungstermin kam, hatte ich immer noch die Geduld. Ich gab ihm jede Zeit, die er brauchte.

Müttern in einer ähnlichen Situation würde ich raten, sich auf ihre Intuition zu verlassen! Wenn ein außergewöhnliches Gefühl anhält, sollte man es abklären. Bis es zu meiner Verkürzung kam, war es ja auch ein Prozess. Keine Ahnung, wie lange mein Körper dafür brauchte.

 

Wie ist die Prognose für weitere Kinder? Definitiv so? Wie sieht eurer weiterer Kinderwunsch aus, oder ist dieser beendet?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die Prognose einer Folgeschwangerschaft wäre in jedem Fall eine prophylaktische Cerclage ab der 14. SSW, so die Ärzte. Das hieße auch wieder strenge Bettruhe (mit Kleinkind). Ich habe viele offene Fragen diesbezüglich und keine klaren Antworten. Viel, „Was wäre wenn…“ oder auch die Tatsache, dass wir mit unserem gesunden Sohn so unendlich viel Glück hatten….
Ich habe mir immer Kinder gewünscht, aber ich bin so unendlich dankbar für das, was wir haben und trotzdem noch tief erschüttert von Ängsten.

 

Vielen Dank, liebe Judith, für einen Einblick in deine Kinderwunschbehandlung und die schwierige Zeit, deiner Schwangerschaft! Alles Gute euch!

Judith findet ihr hieeer 😉  😉

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