Blogreihe: Mamas Storys, Steffi über Adoption und Kinderwunsch

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Heute bei den Mamas Storys erzählt Steffi ihren Weg von der Kinderwunschbehandlung, bis hin zur Adoption, ein langer Weg, der sich aber auszahlte!


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Ich bin 33, verheiratet und wohne mit meinem Mann, mit dem ich inzwischen 16 Jahre zusammen bin, im schönen oberbayerischen Voralpenland. Seit Februar haben wir unseren kleinen Sonnenschein bei uns und hoffen, ihn bald adoptieren zu dürfen.

Das Interview mit Steffi 

 

Wie lange hattet ihr einen unerfüllten Kinderwunsch? Gab es einen Grund dafür?

Ende 2009 hatte ich die Pille abgesetzt. Nur leider wurden meine Schmerzen während der Menstruation immer extremer, teilweise auch mit Fieber.

Erst ein dritter Arzt hat Zysten und einen leichten Schatten an beiden Eierstöcken fest gestellt. Dies sollte beobachtet werden. Im Frühjahr waren die Zysten dann beide knapp 8 cm groß und mir wurde sofort zu einer OP geraten.

Dann erst ging der wahre Albtraum los. Während der OP wurde massive Endometriose (im Bauchraum verteilte Gebärmutterschleimhaut) entdeckt und mit den Zysten entfernt. Leider bekam ich danach innere Blutungen, sodass mir gleich in einer zweiten OP hinterher ein Eierstock samt Eileiter entfernt werden musste.

 

Wie kam es zum Schritt eine KiWu Klinik in Anspruch zu nehmen?

Die Endometriose ist leider ein sehr häufiger Grund für unerfüllten Kinderwunsch. Nach einem weiteren halben Jahr „probieren“ (aber dieses Mal nach Plan mit Temperatur messen) haben wir uns für die KiWu Klinik entschieden, da meine Schmerzen wieder schlimmer wurden.

 

Wie lange habt ihr diese in Anspruch genommen und wie sah das mit den Kosten aus?

Von 2011 bis 2015. Die ersten drei IVF wurden zur Hälfte von der Kasse übernommen, da wir verheiratet waren. Leider waren die Versuche so schlecht, weil mein verbliebener Eierstock von der Endometriose so kaputt war…Meine Eizellen waren einfach zu kaputt.

Anschließend haben wir uns für ein Spenderverfahren im Ausland entschieden. Vier weitere Versuche mit top Embryonen ohne jegliche Einnistung!

Die Kosten insgesamt mit Medikamenten und Behandlungen beliefen sich auf ca. 25.000 Euro.
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Wie ging es dir dabei psychisch in dieser Zeit?

Sehr schlecht. Man fühlt sich nicht mehr als ganze Frau. Denn irgendetwas läuft ja falsch mit einem. Die Versuche wurden nach und nach wie eine Sucht. Irgendwann musste es doch klappen. Die zwei Wochen Wartezeit zwischen dem Transfer und dem Tag, ab dem man einen Schwangerschaftstest machen konnte waren so aufregend. Es gab keine Zeit, zu der ich mich mehr „schwanger“ wie da fühlen konnte. Nie war ich einer Schwangerschaft näher. Diese 14 Tage waren wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

 

Wie lief das Spenderverfahren genau ab, sind das selbstragende Kosten? Wo wart ihr?

Es handelte sich um „übrig gebliebene“ Eizellen aus anderen künstlichen Befruchtungen. Diese wurden dann mit dem Sperma meines Mannes zusammengeführt und mir eingesetzt. Wir waren in Tschechien in einer sehr guten Klinik mit sehr nettem deutschsprachigem Personal. Die Kosten waren natürlich von uns zu tragen.

 

Wie lange habt ihr das mit diesem Verfahren probiert?

Insgesamt zwei Jahre.

 

Die KiWu Klinik brachte kein Erfolg, wie ging es dann weiter?

Im Anschluss hatten wir uns beim Jugendamt für eine Adoption beworben.

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Hattet ihr auch den Gedanken, euch einfach mit dem Schicksal abzufinden?

Mit dem Schicksal, keine leiblichen Kinder zu bekommen schon.
Da wir uns aber unser Haus ohne Kinderlachen nicht vorstellen können, stand für uns von Anfang an fest, auch einem nicht leiblichen Kind ein liebevolles Zuhause geben zu wollen.

 

Was gab euch die Kraft, weiter zu machen?

Zum einen mein Blog und das Kinderwunschforum. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben. Zum anderen der Spruch: „Am Ende wird alles gut – und wenn noch nicht alles gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende„.

 

Hattet ihr Unterstützung in der Familie, Verwandtschaft?

Familie, Verwandtschaft und Freunde sind komplett hinter uns gestanden. Auch wenn ich in dieser Zeit sehr zurück gezogen war und nicht wirklich das Gespräch gesucht hatte.

 

Ihr habt euch für eine Adoption entschieden! Ist das so einfach? Welche Kriterien muss man erfüllen?

Es war für uns doch einfacher, als gedacht. Unser Bonus war wirklich das Alter (Bei der Bewerbung 31). Ein Adoptiv-Elternteil muss mindestens 25 Jahre alt sein, das Andere mindestens 21. Je älter, desto schlechter werden die Chancen, da der Abstand zum Kind im richtigen Verhältnis stehen sollte. Pro Kind sind etwa zehn „Bewerber“. Auch sollte man verheiratet sein.

 

Wie lange muss man warten?

Als erstes ist ja das Bewerbungsverfahren, welches etwa ein halbes Jahr dauert. Da gibt es Hausbesuche vom Jugendamt, man muss einen langen Lebenslauf schreiben usw.

Nachdem wir dann anerkannte Adoptivbewerber waren, betrug unsere Wartezeit nur knapp ein Jahr. Was aber relativ kurz ist. Je älter man ist, desto länger kann man auch warten. Entweder sucht sich das Jugendamt mit der leiblichen Mutter die passenden Eltern aus, oder es gibt eine Liste. Wer ganz oben steht, hat die besten Chancen.

 

Kann man auch angeben, ob man einen Jungen oder ein Mädchen haben möchte?

Mit Sicherheit könnte man dies angeben, aber ich denke, dann verliert man sehr an Glaubwürdigkeit. Es geht hier primär darum, einem Kind, dessen Eltern es nicht haben können/wollen ein neues zu Hause zu geben. Da ist es völlig egal, welches Geschlecht es hat.

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Seid ihr mit eurem Kind in Probezeit? Hast du Angst, es wieder abgeben zu müssen?

Wir sind jetzt ab dem Tag, an dem wir ihn bekommen haben in Adoptionspflege. Diese dauert ein Jahr. Es ist eine Probezeit für uns und das Kind. Erst nach einem Jahr dürfen wir ihn adoptieren.

Oh ja, die Angst, ihn wieder gehen lassen zu müssen ist ganz groß. Normalerweise kann die Mutter ab acht Wochen nach der Geburt unterschreiben und ihr Sorgerecht abgeben. Bis dahin kann sie ihn jederzeit zurück holen. Allerdings hat die Mutter bei uns bis heute (9 Monate!) noch nicht unterschrieben… sie verdrängt alles. Es könnte also täglich ein Anruf kommen. Das ist wirklich eine Qual für uns.

 

Wie ist das mit den Mutter Gefühlen? Kann man ein Adoptionskind gleich bedingungslos lieben?

Da ich ja nicht weiß, wie man sein leibliches Kind liebt, kann ich diese Frage nur indirekt beantworten. Aber ich denke ja, sicher. Als wir das kleine Würmchen das erste Mal gesehen hatten, war für uns sofort klar, das ist unserer! Die Liebe wächst. Tag täglich. So enorm und bedingungslos. Ich würde sagen, wie mein eigenes Kind und noch viel mehr!

 

Wird der Kleine seine richtige Mama später kennenlernen können/dürfen?

Auf jeden Fall. Wenn die Mutter das möchte und bereit dazu ist. Da sind wir ganz offen. Er wird von Anfang an wissen, was sein Schicksal ist. Dass es noch eine „Bauchmama“ gibt, der wir sehr, sehr dankbar sind, dass sie ihm das Leben geschenkt hat.

 

Hast du Angst, dass er dich dann anders sieht?

Nein. Wir sind seine Familie. Bei uns wächst er 24 Stunden 365 Tage im Jahr auf. Seine „Bauchmama“ ist ein Teil in seinem Leben, der einfach dazu gehört.

 

Möchtet ihr weitere Kinder adoptieren?

Sehr, sehr gerne noch ein weiteres Kind. Wir sind jetzt zwei Jahre auf Warteschleife, dann sind wir wieder ganz normal bei den Adoptivbewerbern dabei.

 

Liebe Steffi, vielen Dank, für dieses spannende Thema! Ich wünsche euch Dreien alles Liebe für eure Zukunft! Steffi und mehr zu ihrer Geschichte findet ihr übrigens -hier

 

4 Kommentare

  1. Hallo, ich selbst habe sehr lange gebraucht Schwanger zu werden. Es dauerte 2 Jahre bis mir ein Arzt die richtige Diagnose stellte (PCO) und ich den Grund einer unerfüllten Schwangerschaft wusste. Mir half dann Clavella und Velnatal um das „Problem“ in den Griff zu bekommen. In der Zeit habe ich auch sehr oft über eine Adoption nachgedacht.

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