Blogreihe: meine Mamas Storys | Marlen und das Wechselmodell

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Heute stelle ich euch Marlen vor, zusammen mit ihrer Familie führen sie das sogenannte Wechselmodell. Was das genau ist, erklärt sie euch im Interview, bei den Mamas Storys!


 

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Ich bin unter 30, eigensinnig und liebe es keine Bilderbuchfamilie zu sein. Wir gestalten unser Lebensbuch selber und neu. Zwei Kinder und mein Freund füllen die ersten Kapitel in meinem neuen Lebensabschnitt.

Das Interview mit Marlen

 

Eure Ehe hat leider nicht mehr funktioniert, wie alt war euer Kind, bei der Trennung?

Sie ist gerade 2 Jahre alt geworden, als wir uns getrennt haben. Räumlich getrennt.
Die Beziehung war schon im Sommer 2014 nicht mehr das, was man eine Beziehung nennen kann. Man wollte es sich bloß nicht eingestehen. Schließlich hat man eine Verantwortung, nicht nur für sich als Paar gehabt.

 

Wie habt ihr, ihr das vermittelt? Und wie kam sie damit klar?

Es war ein schleichender Prozess. Wir sind uns immer mehr aus dem Weg gegangen und haben uns (vielleicht auch deswegen) absichtlich in die Arbeit gestürzt.

Ich habe mir immer mehr Freiräume eingeräumt. War vermehrt an den Wochenenden nicht mehr rund um die Uhr da.
Wir haben dann offen mit ihr gesprochen. Haben ihr gesagt, dass Mama und Papa sich nicht mehr lieb haben (gaaaaanz kurz zusammen gefasst).

Anhand ihrer Augen ist eine Welt zusammen gebrochen und somit auch mein Herz. Wenn ich mit ihr alleine war, haben wir uns oft in den Arm genommen. Ich wusste, dass sie mir mit dieser Geste auch etwas vermitteln wollte. Es begann ein neues Kapitel, für uns alle. Einfach war es für uns alle nicht.

 

Ihr habt euch für das sogenannte Wechselmodell entschieden, was genau ist das? Wie funktioniert es?

Als Wechselmodell, Paritätsmodell, Pendelmodell oder Doppelresidenzmodell werden Regelungen zur Betreuung gemeinsamer Kinder bezeichnet, wenn diese nach einer Trennung ihrer Eltern in beiden Haushalten zeitlich annähernd gleichwertig betreut werden.

Beide Elternteile bieten dem Kind ein Zuhause, in dem es sich abwechselnd aufhält.
Kurz zusammengefasst: Unsere Tochter bekommt beide Eltern zu gleichen Teilen.

Kein 14 Tage Daddy Besuch. Diese Form des Familienalltages gibt es in 100 Ausführungsmöglichkeiten.

Bei uns gestaltet es sich so, dass der Wechsel immer montags in der Kita erfolgt. So hat sie eine neutrale Zwischenstation zum Umdenken.

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Der Tausch erfolgt meistens wöchentlich. In den Sommerferien ist sie zwei Wochen bei jedem Elternteil. Feiertage werden meist aufgeteilt. Weihnachten und Silvester sind immer im Tausch von Jahr zu Jahr. Wir haben einen gemeinsamen Kalender (moderne Technik sei Dank) in denen wir die Wechsel und alles eintragen. So kann man auch seine privaten und beruflichen Termine besser timen.
Wir sind in der Lage miteinander reden zu können, so kann man auch mal Wochenenden oder Wochen tauschen.

 

Wie nahm das eure Tochter auf?

So ungewohnt es für uns war, so war es das sicherlich auch für sie. Ich musste lernen eine Woche ohne meine Tochter zu sein.

Eine ganze Woche ohne kuscheln, zicken und Verantwortung. So ging es ihr sicherlich auch. Allerdings hatte sie nun auch eine Woche mit ihren Papa. Beide ganz alleine. Das war definitiv ein Gewinn für die zwei.
Nun ist sie fast 4. Wir können sehr gut über das Thema reden. Es gibt immer wieder Momente in denen sie den anderen vermisst oder früher wechseln möchte.

Damit lernt man aber zu leben. Wir nehmen diese Wünsche sehr ernst von ihr, probieren auch im Akutfall dieses zu ermöglichen und wenn es nur telefonisch ist. Wichtig ist immer sie und nicht unser Empfinden. Dafür ist nachdem „Feierabend“ Zeit.

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Wie war es für dich selbst am Anfang? Hat sie dir gefehlt? Hattest du Angst, sie kommt nach Hause und will nicht mehr bei dir sein?

Eigentlich möchte ich eher sagen, dass es verdammt hart und tränenreich war. Mein Lebensmittelpunkt war weg. Also er war nicht greifbar. Ich konnte kein bisschen abschalten.

Jede Mama ist sicherlich mal froh Zeit für sich zu haben, allerdings ist das dann meist selbst entscheidend und nicht zwingend.

Ich habe selbst nach zwei Jahren noch Tage wo ich meiner Sehnsucht freien Lauf lasse. Sie ist meine Tochter und ich glaube, es gibt keine engere Verbindung zwischen zwei Menschen wie diese Liebe.
Ich habe immer Angst, dass sie nicht mehr bei uns sein möchte. Es begleitet mich jeden Tag.
Ich habe Angst vor den Satz:“Mama, ich will für immer bei Papa sein“. Emotional spielt sich diese Frage sicherlich 4 mal im Jahr in meinem Kopf ab.

Was macht man denn dann in so einer Situation? Kämpft man um die Gefühle der Kinder? Macht man sich ein Leben lang Vorwürfe, weil man vielleicht eine „strengere Erziehung“ (oder generell erzieht) am Tag gelegt hat? Lässt man das Kind einfach ziehen? Die Angst lebt mit dem Modell, aber das kennen sicherlich auch „normale“ Trennungseltern.

 

Wie war es mit neuen Partnern, wie kam sie damit zurecht?

Wir haben unser „Mutter Tochter Leben“ verlagert und jemand neues mit hinzugenommen.
So würde ich diesen Lebensabschnitt beschreiben. Wir haben ihr die Zeit gegeben, die sie brauchte. Waren sehr vorsichtig in ihrer Gegenwart. Wir haben gewartet, bis sie ihn akzeptiert hat.
Wir sind beide in einer neuen Partnerschaft. Sie wird immer eine Mama und einen Papa haben, aber sie hat den Vorteil, dass sie noch zwei weitere Menschen dazu gewonnen hat. Zwei Personen, die sie abgöttisch lieben!

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Was meinte dein Umfeld, zu diesem Wechselmodell?

Oh ja, das liebe Umfeld…
Die Reaktionen waren gleichzusetzen mit dem Herbstwetter.

Von stürmisch bis heiter war alles dabei. Ich war enttäuscht und auch überrascht. Ich kann es ja verstehen, es ist nicht das Weltbild was man bisher kannte. und jeder Mensch hat Angst vor Neuerungen.
Es hat mir aber auch bewiesen, wie wichtig meine Tochter anderen ist. Warum sollte man sonst sagen „es kann nicht gut sein“…
Generell wissen andere doch immer besser über das eigene Leben bescheid als man selbst.
Heute kann ich es mit einem Schmunzeln sagen, zu dem Zeitpunkt war mir das Lachen vergangen.

 

Wielange macht ihr das schon und wielange wollt ihr das so machen?

Wir haben das Modell im Januar 2015 gestartet und werden es wahrscheinlich bis zu ihrem 18. Geburtstag durchziehen.

 

Würde Kindergarten und Schule auch mit dem Wechselmodell funktionieren?

Ja, das tut es. Wir leben es schon mit der Kita. Wie es nachher in der Schule funktioniert, müssen wir sehen. Aber generell ist es zu schaffen. Uns trennt nur eine Autobahnabfahrt. Wir wohnen im selben Bezirk in unterschiedlichen Stadtteilen. Das erleichtert diese Lebenssituation gewaltig.

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Was sind deine Vorteile und Nachteile des Modells? 

Vorteile:
– man hat wieder Zeit für sich und Zeit für die persönliche Weiterentwicklung
– man ist nur „Teilzeit-Alleinerziehend“
– das Kind hat weiterhin beide Elternteile präsent

Nachteile:
– man lebt immer damit Absprachen zu machen
– man kann das Kapitel Expartner nicht schließen
– man lernt zu vermissen…

Vielen Dank, für das interessante Interview, liebe Marlen! Ich wünsche euch alles Liebe weiterhin und schöne Weihnachten!

Marlen findet ihr übrigens -hier

Eure

Elternblog

 

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