Blogreihe: meine Mamas Storys, Steffi & postnatale Depression

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Das ist zunächst meine letzte Mamas Story für euch! Und den Schluss macht die liebe Steffi und erzählt, warum sie eine postnatale Depression erlitt...


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Mein Name ist Steffi und ich bin die Mutter von meinem kleinen Mäuserich.
Zusammen leben wir mit unserem Papa, Hund und Pferd auf dem Land.
Aber am Meisten geprägt hat mich die Zeit, nach der Geburt…

 

Das Interview mit Steffi

 

Du hattest schon im vierten Monat Wehen? Wieso?

Ich habe mich wahrscheinlich nicht genug geschohnt.
Mit der Devise: Ich bin schwanger, nicht krank! Bin ich durch mein Leben gestiefelt.
Ich hatte zwar einen Bauch, auch wenn er dauerhart war, wollte ich noch immer alles tun. Heute weiss ich, dass um die 10 und mehr Übungswehen am Tag, doch zu viel sind.

 

Wie verlief deine Schwangerschaft sonst?

Alles andere als schön... Ich setzte mich unter enormen Druck so weiter zu leben, wie bisher, anstatt einfach auf meinen Körper zu hören und Prioritäten zu setzen.
Ich war mit meinen Sorgen alleine.

Als Kurzfassung könnte man die Schwangerschaft so zusammenfassen:

Wehen ab Ende 4, Anfang 5 Monat
Ab diesem Zeitpunkt das Medikament Utrogestan, Magnesium schon länger.
Einen Monat vor dem Mutterschutz, wurde ich krankgeschrieben.
Wir waren ungefähr 1-2x im Monat im Krankenhaus, weil ich immer wieder Wehen hatte.
In der 32. Schwangerschaftswoche hatte ich dann auch zur Abwechslung mal wieder Wehen, diesesmal aber einfach zu regelmässig. 

Wie war deine Geburt? Wann kam dein Baby?

Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass die Geburt angefangen hat, unter anderem auch wegen dem trichterförmigen Gebärmutterhals, mit einer Länge von 1,3cm.
Als sich nach 2-3 Tagen die Situation beruhigt hatte, sollte ich alle 5 Stunden Adalat einnehmen.
Ab der 38.ssw durfte ich das Adalat dann aber wieder absetzen.
Eine Woche bin ich damals im Krankenhaus gewesen und knapp einem Frühchen entkommen.

Am Tag vor der Geburt, hatte ich den letzten Kontrolltermin bei meiner Ärztin. Diese hat die Fruchtblase von der Gebärmutter gelöst. 

Um 2:30 bin ich mit Wehen, die diesesmal anders waren, wach geworden. Und im Krankenhaus dann angekommen, habe ich nur noch die PDA gefordert…;)

Ich hatte eine starke PDA und kein Gefühl mehr in den Beinen, also auch keinen Pressdrang. Who knows…
Nach endlosem Pressen, war der kleine Mäuserich um 12:52 mit 3800g.da.

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Was passierte dann?

Die Geburt an sich war zwar heftig aber nichts aussergewöhliches.
Angefangen hat es, als ich auf’s Zimmer sollte. Ich sollte aufstehen und in den Rollstuhl. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich das schaffen sollte. Und wie ich es geahnt hatte, bin ich zum alleresten Mal in meinem Leben zusammengeklappt.
Die PDA fing auf meinem Zimmer an nachzulassen und ich spürte einen Druck im Becken. 
Der Druck wurde stärker und ich gab Bescheid. Stetig wurden die Schmerzen schlimmer und dann wurde ein Ultraschall gemacht.
Und plötzlich brach die Hektik los. 
Sie liefen und schoben mich mit meinem Bett in den Op.

Das Ergebnis einen Scheidewandriss bis zum Gebärmutterhals.
Ich hatte die Hälfte meines Blutes verloren, und das als frisch gebackene Mutter.

 

Wielange musstest du dann im Krankenhaus bleiben?

5 Tage

Wie ging es dir danach? Körperlich, seelisch?

Mit den Geburtsverletzungen kam ich ziemlich gut klar, aber mit dem Blutverlust nicht.
Das Stillen klappte nicht, weil ich nicht auf den Geburtsverletzungen sitzen konnte und keine Kraft hatte für nichts.

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Ich konnte mich sogar wochenlang nicht gerade hinstellen.
Mir fehlte die Kraft, um mein Baby zu halten und konnte die ersten Tage überhaupt nicht aufstehen.
Ich war hoffnungslos überfordert. Weil das Stillen nicht klappte wurden die Hebammen ungeduldig.

Letzendlich war ich komplett am Ende.

Mehr als langsam fand ich in den Alltag, meinen Charakter, mein aktives Umfeld und meine fehlende Mutter, machten es mir nicht leicht, meine Wochenbettzeit zur Genesung einfach zu verdoppeln.

Antstatt, verkürzte ich sie und stand nach 3 Wochen das erste Mal im Stall beim Pferd. Und der Hund wollte ja auch noch raus, ich machte nie viel aber auch nie nichts. Nie!

Und das Kind schrie, und schlief einfach nicht. Wenn dann max 30 min.
Ich kümmerte mich um den Haushalt, den Hund das Neugeborene und manchmal (und nicht genug) auch noch um das Pferd.
Ausserdem stand unsere Hochzeit an und unser Dach wurde neu gelegt und der Ausbau fing an.
Ich brauche nicht zu sagen, dass es mir nicht gut ging, oder?

Nachdem wir alles hinter uns hatten und anders kann ich es nicht nennen, musste ich dann auch schon irgendwann wieder arbeiten gehen. Was ganze 3 Wochen gut ging.

Dann klappte ich zusammen.

Diagnose: Postnatale Depression

3x liess ich mich professionell beraten. Auf eigene Faust habe ich mich ganz viel mit meiner, unserer, Situation beschäftigt.
Alles, mein ganzes Programm, was ich mir auferlegt habe, bin ich heruntergefahren und bin auf Null gewesen, um mich erholen und stärken zu können. Back to basics, quasi.
Die richtige Entscheidung!
Langsam kam immer mal hier und da wieder was dazu. Und heute lebe ich wieder mein altes Leben, mit Kind.

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War mit deinem Baby alles in Ordnung? Warst du nach der Notfall Op körperlich eingeschränkt?

Rein körperlich war mit dem Baby alles so weit in Ordnung. Durch unsere Stillprobleme nahm er mehr als 10% ab, aber ansonsten war er fit.
Seelisch überhaupt nicht.
Er kam um 12:52 zur Welt und erst um 3 Uhr nachts kam er zu mir. Nach der Op in meinem Zimmer stiess ich ihn mit seinem Bettchen, noch im Dussel, weg und wollte ihn nicht bei mir haben. Das zerbrach meinem Mann das Herz, und mich zerriss diese Handlung monatelang!
Bis nach seinem ersten Geburtstag hatte er extremste Schlafprobleme und immer Angst verlassen zu werden.

Er wachte alle 2 Stunden auf, nur um mich einmal zu spüren. Ab 10 Monaten wurden die Abstände länger, 3-4 Stunden.
Jetzt und schon etwas länger, kann er endlich besser schlafen, und schläft die Nacht durch. Wird aber immer noch von uns begleitet bis er eingeschlafen ist.
Ich könnte es mir einfach nicht verzeihen, wenn er nochmals solche Verlustängste durchleben müsste, wie im Krankenhaus.

Kommen weitere Kinder in Frage, oder hast du Angst davor? 

ABSOLUT!
Die ersten Monate hatte ich regelrecht Panik davor, irgendwann noch einmal schwanger zu werden.
Mittlerweile kann ich es kaum erwarten.
Ich habe viel, viel verarbeitet und mich mit meinem Trauma beschäftigt. Das hat mir enorm geholfen. 

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Wie alt ist dein Baby heute und wie geht es dir?

Er ist jetzt schon 20 Monate!
Trotz Augenringen bis zum Kinn, einer unwahrscheinlichen Müdigkeit, bin ich die stolzeste Mäuserichmama der Welt.
Ich bin dankbar für meine Geschichte, meinen Horror, Schmerz und Qual, denn dadurch bin ich nun die, die ich bin. Und noch glücklich dazu.

Die wohl allergrösste Stütze in dem letzten 1,5 Jahren war und ist mein Mann. Er ist einfach dageblieben. Egal wie schlecht gelaunt ich war, egal wieviel ich geweint habe, egal wie boshaft ich war, egal wie panisch ich war. Er ist einfach geblieben. Um mir dann vor kurzem zu sagen, joa dass ich schon nicht immer ganz nett war 😅.
Für mich der allergrösste Liebesbeweis, er hat alles ausgesessen und nimmt mich noch immer in den Arm und sagt dass er mich liebt.
Und dafür bin ich unendlich dankbar! Ich bin durch nichts in meinem Leben so gewachsen und weiss nun wie stark ich bin!

 

Danke liebe Steffi, für deinen Einblick in eine nicht einfache Zeit! Ich wünsche euch alles Liebe, schön, dass du mitgemacht hast!

Steffi findet ihr hier

 

Eure

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4 Kommentare

  1. Hey Steffi,
    ich finde deinen Beitrag im Blog echt richtig toll. Ich glaube vielen vielen werdenden Müttern können deine Worte helfen. Vielleicht auch besonders denen, die viele Ängste und Bedenken in der Schwangerschaft haben. Auch denen, die noch sehr jung sind und keine Erfahrungen gesammelt haben oder sogar keine Unterstützung der eigenen Eltern finden. Ich kann diesen Beitrag nur jedem empfehlen, der sich zu dem Thema belesen und das Gefühl von „man ist damit nicht allein“ bekommen möchte.
    Ich habe in meinem Blog auch zu dem Thema „postnatale Depression“ geschrieben. Ein unfassbar wichtiges Thema, mit dem man sich auf jeden Fall auseinander setzten sollte, wenn es einen selbst oder die Mitmenschen betrifft. Vielleicht hast du Lust dich da mal reinzulesen.
    Würde mich auf jeden Fall freuen!
    Liebe Grüße und noch alles Gute!
    Henriette

  2. nickelchens

    Hallo,
    ein sehr bewegender Bericht, auf den ich gerade ein zweites Mal gestoßen bin, weil mir Steffis
    Gesicht mit dem netten Lächeln und dem Friesen auf Instagram gefehlt hat (unbekannterweise ;-)).
    Viele Grüße!
    nickelchens

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