Blogreihe:Mamas Storys, Paulina über ihre Fehlgeburt

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Heute bei den Mamas Storys, wird es plötzlich ganz leise…denn Paulina (15j.) erzählt von ihrer Fehlgeburt, wie es ihr dabei ging, wie es ihr heute geht…



mamasdaily-BlogreiheAcht von 1000 weiblichen Teenagern in Deutschland werden ungewollt schwanger – fünf von ihnen treiben ihr ungeborenes Baby ab.

Mein Name ist Paulina, ich bin 15 Jahre alt und gehöre zu diesen acht Mädchen, jedoch entschied ich mich für unser Baby. Wie meine Schwangerschaft trotzdem ein trauriges Ende hatte…

 

Das Interview mit Paulina

 

Wie alt warst du, als du schwanger wurdest?

Ich war erst 14 Jahre alt, ca. einen Monat später wurde ich 15.

 

Aber du standest erstmal alleine da, wieso?

Mein Freund ist, noch bevor wir von der Schwangerschaft wussten, nach Kanada gezogen. Ich war hier also praktisch alleine – meinem Umfeld wollte ich noch nichts erzählen, er kam erst einige Monate später wegen der Schwangerschaft wieder zurück.

 

Geplant war deine Schwangerschaft nicht, aber wie hast du dich gefühlt? Kam die Option der Abtreibung in Frage?

Mord an meinem eigenen Kind kam für mich nicht in Frage. Ich wusste zwar, dass es schwer wird, aber ich wusste auch, dass wir es schaffen können und genug Unterstützung bekommen würden. Trotzdem war ich anfangs geschockt, dieser Zustand wechselte dann aber auch bald zu Glück und ich war sehr positiv gestimmt. Kinder wollte ich zwar „erst“ mit 20, an meine neue Situation als sehr junge Mama konnte ich mich dann aber auch bald gewöhnen.

 

Wie verlief deine Schwangerschaft? Welche Problemchen hattest du? Oder hattest du keine?

Ich hatte viel mit Übelkeit zu kämpfen, dazu kamen noch Rückenschmerzen und eine extreme Geruchsempfindlichkeit. „Richtige Probleme“ hatte ich jedoch zum Glück nicht.

 

Wolltet ihr ein Mädchen oder ein Junge?

Mir war es ehrlich gesagt eigentlich ziemlich egal, aber hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich zu einem Jungen tendiert. Mein Freund wollte auch lieber einen Jungen, wie es sich die meisten Männer wahrscheinlich wünschen 🙂

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Deine Schwangerschaft verlief aber nicht problemlos, was ist passiert?

In der 23.SSW platzte meine Fruchtblase und ich musste unseren Sohn als Extremfrühchen zur Welt bringen. Er war nur 29cm groß und wog lediglich 530g. Nach dreieinhalb Stunden Geburt hatten wir noch zwei Stunden mit ihm, bevor er verstarb.

 

Konnte man gar nichts für ihn machen? Weiß man die Ursache?

Die Ärzte haben versucht, ihn zu retten, die Überlebenschance in diesem Stadium ist jedoch ziemlich gering. Unser Sohn war zwar kerngesund, aber leider zu schwach für diese Welt. Eine Ursache für die Frühgeburt ist nicht bekannt.

 

Wie ging es dir mit diesem schweren Schicksalsschlag?

Mir geht es bis heute schlecht damit. Ich bin ein Mensch, der nicht gerne Gefühle zeigt, was das ganze nicht leichter macht. Anfangs war ich total unglücklich, habe sehr viel geweint und hatte viele Albträume und die damit verbundenen Schlafstörungen.

Mittlerweile geht es mir schon besser und der Schmerz hat nachgelassen, aber er wird nie ganz weggehen. Ein Teil meines Herzens wird immer fehlen und bei ihm sein.

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Was gab dir Kraft, was half dir, es besser zu verarbeiten?

Kraft gab mir vor allem mein Freund. Er war immer für mich da, auch wenn es für ihn genauso schwer war. Gespräche mit anderen Leuten waren für mich einerseits sehr belastend, andererseits aber auch befreiend, so sprach ich beispielsweise sehr viel mit der Mutter meines Freundes, einer anderen Sternenmama und auch mit zwei Lehrern. Und sonst kann ich nur sagen: Weinen hilft!

 

Wie ging dein Umfeld mit dem Verlust um?

Für meinen Freund war es ebenfalls schrecklich. Alle anderen Leute haben immer versucht, stark zu bleiben und sich nichts anmerken zu lassen. Natürlich hatten sie noch nicht solch eine Bindung wie wir, aber einigen ging es schon nahe, vor allem wenn sie gesehen haben, wie es uns damit ging.

 

Habt ihr eine Sammelbestattung, oder ein seperates Grab für ihn organisiert?

Wir haben ein eigenes Grab für ihn.

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Möchtest du irgendwann nochmal Kinder haben?

Ich möchte auf jeden Fall nochmal Kinder, davor möchte ich aber erstmal mein Abitur fertig machen 🙂

 

Hast du Angst davor, dass dir so ein Verlust nochmal passiert?

Ja, sehr sogar. Ich bin mir sicher, dass ich keine Schwangerschaft mehr richtig genießen kann, da ich immer diese Angst in mir tragen werde.

Wo sind all die gekauften Dinge hin? Konntest du dich davon trennen?

Ehrlich gesagt: Nein, ich konnte mich noch nicht davon trennen. Viele Sachen waren von dem kleinen Bruder meines Freundes, welcher erst 15 Monate alt ist, aber auch sie liegen noch in dem fast fertig eingerichteten Zimmer von Liam. Sobald ich wirklich dazu bereit bin, werde ich diese wieder zurückgeben, die selbst gekauften Sachen werden wir wahrscheinlich aufheben, irgendwann jedoch in Kartons und nicht mehr im Babyzimmer.

 

Liebe Paulina, danke für deinen Mut darüber zu schreiben! Ich wünsche dir ganz viel Kraft auf deinem Weg und ganz viel Liebe! Du bist eine sehr starke Sternenmama!

 

-Paulina möchte anonym bleiben-

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