Frühchen Eltern berichten / Extremfrühchen Amy, ein Wunderkind!

Entwicklungsschritte

Bei den heutigen Frühchen Eltern, schafft es die kleine Amy, sich ganz groß zu machen! Über ein Extremfrühchen und ihren langen Leidensweg…


Meine Geschichte beginnt im Dezember 2008, damals war ich gerade in der 25 SSW und mir ging es nicht gut, da Amy mein erstes Kind war, dachte ich die Beschwerden seien völlig normal, ich hatte extrem Mühe mit dem atmen und hatte Wassereinlagerungen in den Füßen und im Gesicht, später stellte sich heraus, dass ich auch Wasser in der Lunge hatte.

Ich bin fast gestorben!

Aber zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, wie schwer krank ich bereits war. Herzrasen kam dazu und da ich einen Gendefekt (Faktor V leiden) habe (erhöhte Thrombosen und Embolie Gefahr) und bereits jeden zweiten Tag Blutverdünner spritzte, hatte ich Angst das ich eine Lungenembolie habe (meine Mutter hatte zu dem Zeitpunkt schon 3), also ging ich am 08.12.08 meine Mama auf dem Arbeitsplatz besuchen, was mir später wahrscheinlich das Leben gerettet hat.

Denn sie hat sich so erschrocken, dass ich nicht mehr aussehe, als wäre ich Ihre Tochter…naja, das ganze Wasser hat mein Gesicht schon extrem aufgeschwemmt. Sie ging also mit mir sofort zu meiner Frauenärztin, welche leider nicht da war, nur eine Kollegin. Ich wurde vom Wartezimmer in den Untersuchungsraum geschickt, da wurde der Urin kontrolliert, den Blutdruck, das Blut, dann wurde ich wieder zurück in den Warteraum geschickt und 15min später dasselbe Programm.

Ich hatte solche Angst, dass mit meinem Baby etwas nicht stimmt.

Die Ärztin kam dann und sagte, dass sie mich direkt beim Spital Frauenfeld angemeldet hat, ich dürfe unter keinen Umständen mehr nach Hause da sie eine schwere Schwangerschaftsvergiftung vermuteten.

Meine ganze Familie war unterwegs zu mir und ich konnte noch überhaupt nicht begreifen was da vor sich ging. Mein Zustand wurde immer schlimmer, ich konnte kaum noch atmen. Als der eine Arzt dann zu mir kam und sagte, sie hätten den Krankenwagen bereit und müssen mich nun auf St. Gallen ins Spital fahren, da sie dort das Kinderspital in der Nähe hätten…

High need

Dort angekommen war es wie im Film, alle so hektisch, da waren mindestens 5 Leute an meinem Bett, Ärzte, Schwestern, Hebammen alles war da…Als meine Familie dann ebenfalls im Zimmer war, kam der Oberarzt und sagte uns, dass sie das Kind heute oder Morgen holen müssen, der Zustand von mir und die Schwere der Schwangerschaftsvergiftung war zu gefährlich, da bereits meine Leberwerte sich verschlechterten und ich selber auch merkte, wie es mit mir bergab ging.

In dieser Nacht konnte ich kein Auge zu tun, meine Gedanken waren rund um die Uhr bei meinem kleinen Baby das noch viel zu klein war, um auf diese Welt zu kommen, sie haben mir zwar die Lungenreife gegeben aber leider war es zu kurzfristig. In dieser Nacht habe ich gedanklich Abschied genommen von meinem Baby, denn ich wusste nicht, dass ein so kleines Wesen Leben konnte.
In der Nacht wurden meine Werte all 15 min kontrolliert und es wurde immer schlechter um mich, als am Morgen dann entschieden wurde jetzt wird das Kind geholt.


​Ich habe diese Momente nur noch verschwommen wahr genommen, es ging so schnell und schon lag ich da, im Op Saal Bauchabwärts betäubt und es ging los. Die Ärzte beeilten sich und meine Hebamme informierte mich immer über die nächsten Schritte, ich wurde beatmet und musste mich dauernd übergeben, da ich allgemein nicht besonders gut auf Narkosemittel reagiere.

Und da war sie, meine Tochter wurde geboren am 09.12.08 um 11.11 Uhr, aber wo war der erste Schrei?? Da war keiner, wie auch bei so einem kleinen Menschen, sie brachten Amy kurz zu mir, sie war sooooo klein 560 Gramm und 31 cm,..

Aber hey, sie lebte, mein Wunder war geboren, mit noch komplett verschlossenen Augen.

Amy wurde dann in die Intensivstation des Kinderspitals St. Gallen verlegt, wo sich alle sehr liebevoll um sie kümmerten und ich wurde auf die Intensivstation im Kantonsspital St. Gallen verlegt. Wir wurden also getrennt und mir ging es nicht gut. Wie ich bereits erwähnt habe, hatte ich auch Wasser auf der Lunge und mein Blutdruck war viel zu hoch.

Entwicklungsschritte

Nach 3 Tagen durfte ich das erste Mal zu Amy…mit dem Rollstuhl fuhren sie mich dort hin, selber laufen ging leider nicht, da ich noch immer kaum atmen konnte. Als ich bei ihr ankam, tat mir alles so leid, ich machte mir ein schlechtes Gewissen, das ich Schuld sei an Amy’s Lage, das sie wegen mir da liegt, mit den vielen Schläuchen und Inversionen und der Beatmung.

Mein Kind wurde mir aus dem Bauch heraus gerissen…

Auch mir fehlte mein Bauch, es ging einfach alles viel zu schnell, so als hätte man mir mein Kind Wort wörtlich aus dem Bauch gerissen.
Ich konnte täglich zu Amy, was mir sehr gut tat. Amy hatte in den ersten Tagen einen Pfropfen im Darm, wo unsicher war, ob es sich von alleine löst, oder sie operieren müssen. Denn ihre Atmung war das grösste Problem, sie hat bis fast am Schluss immer Sauerstoff benötigt.

Ich sage immer die Zeit im Spital war wie eine Achterbahnfahrt, Hoch und wieder runter, hoch und wieder runter, schlechte Tage und gute Tage. Sie hatte eine Fehlstellung bei der Hand, welche durch Schienen, Verbände und Physio gerichtet wurde. Dann hatte sie mehrere Hirnblutungen, welche Gott sei Dank immer von alleine wieder weg gingen, eine Zyste im Gehirn und beim Eierstock. Und ein relativ grosses Loch im Herzen.

Jedoch das Schlimmste war, als sie schon 3 Kg schwer war und es eigentlich Richtung nach Hause ging. Da bekam ich mitten in der Nacht das Telefon vom Spital, ich müsse sofort kommen, sie müssen Amy seit Stunden immer wieder zurück ins Leben holen… Man sitzt dann da und ist so hilflos. Ich hab Amy’s Hand gehalten und ihr immer wieder zugeflüstert,, gib nicht auf, wir schaffen das zusammen,,. Das war für mich mit Abstand der schlimmste Moment. 

Amy wurde reanimiert…

Aber wir haben gekämpft. Amy durfte am 09.04.2009 am Karfreitag, genau nach 4 Monaten Spitalaufenthalt zu uns nach Hause kommen, mit lebenswichtigen Medikamenten…aber hey, sie musste nie wieder zurück.
Während dieser schweren Zeit, hatten wir Psychologen und Seelsorger, auch super Ärzte, die uns zur Seite standen.
Sie hatte dann wöchentlich Physiotherapie, bis sie mit ca. 22 Monaten selbständig laufen konnte, was für mich einer der schönsten Momente war, denn es war lange nicht sicher, ob sie das je kann.

Anschliessend war wöchentlich eine super liebe Heilpädagogin da, bis sie knapp 4 Jahre war. Mit 4 Jahren musste Amy in die Ergotherapie und mit der Einschulung in den Kindergarten, fingen die Probleme erst an.  Vor ca. 3 Jahren kam dann herau, dass sie eine leichte geistige Behinderung hat (IQ ist zu tief). 

Fruehchen

Amy ist mein kleines Wunder und ich liebe sie über alles!

Naja Amy hatte schon extreme Schwierigkeiten mit der Konzentration, eine sehr kleine Frustrationsgrenze, und sie wurde extrem aggressiv gegen andere und sich selbst. Also suchte ich noch weitere Meinungen und heraus kam ADHS mit leichter geistigen Behinderung aufgrund ihrer Hirnblutungen, die sie hatte, sie besuchte ab da an den Heilpädagogischen Kindergarten und bekommt alle Unterstützung, die es gibt.

Amy ist ein Wunder und jeder schöne Moment zählt doppelt, denn hätte sie nicht ihren sturen Kopf und ihre kämpferische Art, dann gäbe es Amy wahrscheinlich heute nicht. Ich liebe sie über alles und werde mit ihr jeden Weg gehen. Ach übrigens, mein 2tes Kind ist 9 Monate alt und kerngesund in der 38 SSW, per Kaiserschnitt geboren, ohne erneute Schwangerschaftsvergiftung, leider bin ich nun mit beiden alleine aber auch das schaffen wir.


Ihr möchtet eure Frühchen Geschichte erzählen? Dann mailt mir an mamasdaily@gmx.de! 

2 Kommentare

  1. Wow! Einfach nur wow!
    Danke für das Teilen eurer Geschichte! Und weiterhin viel Kraft und Mut! Ihr drei werdet euren Weg gehen, wie ihr es für richtig haltet und das ist auch gut so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.