Frühchen Eltern berichten / Sie lag leblos im Bettchen

Fruehchen Eltern

Bei den heutigen Frühchen Eltern berichtet eine Mami von ihrem kleinen Extremfrühchen, dass sie leblos in ihrem Bettchen fand…



Der Entbindungstermin sollte unser erster Hochzeitstag sein. Doch wahrscheinlich war das zu perfekt…

Ich ging mit Blutungen ins Krankenhaus, wurde heim geschickt. Alles wäre ok.
Am nächsten Tag war es nicht weg und wir kamen zurück.
Die Ärzte stellten eine Gebärmutterhals-Verkürzung fest, es hieß ich muss sofort die Lungenreifespritze bekommen. Leider platzte genau 30 Min nach der ersten Spritze die Fruchtblase.

Ich hatte Angst, du könntest tot sein!

Strenge Bettruhe…. nach nur vier Tagen hielst du es in Mamas Bauch nicht mehr aus.
Viele Hebammen, Schwestern und Ärzte waren um mich herum, ich sollte entscheiden, wie ich dich kleines Wesen auf die Welt bringen sollte. Ich entschied mich für Vollnarkose und Kaiserschnitt. Die Angst du könntest Tod sein, oder auf dem Weg in die weite Welt sterben, war einfach zu groß … ich hätte es nicht ertragen ….

Wir hatten noch gar kein Kinderzimmer für dich eingerichtet.
Du warst gerade mal ein 24 Wochen und 3 Tage altes Baby. Wogst 620gr und warst 30 cm lang.

Für uns öffnete sich eine neue Welt, nicht nur das wir plötzlich Frühcheneltern waren, nein auch einige behördliche Sachen lagen an. Es gab vieles zu beachten in Sachen Mutterschutz, Mutterschaftsgeld usw…

Fruehchen

Kurz nach der Entbindung durfte ich dich in deinem kleinem Inkubator betrachten, da warst du noch ohne Tubus. Man sagte uns, du hast deine Lunge ganz alleine frei geschrien. Wir waren unheimlich stolz auf dich.

Du warst zu schwach, um selbst atmen zu können!

Am nächsten Tag jedoch, war alles ganz anders. Du hattest nicht nur deine ganzen Kabel um dich und die Folie, nein nun hattest du auch noch ein Tubus in der Nase. Du hattest eine Infektion in den Lungen und warst zu schwach selbst zu atmen. Zum Glück nur 3 Tage, danach hattest du einen CPAP, der half dir deinen Sauerstoffgehalt zu bekommen.

Leider gehörte es auch dazu, dass du Apnoen bekommen hattest, mal sehr intensiv, mal weniger doll. Es war furchtbar, wenn alles piepte und du stimuliert werden musstest, um wieder zu atmen.

Jeden Tag war ich bei dir, ab dem dritten Tag durften wir sogar känguruhen und ich durfte deine Windeln wechseln. 72 Std zu vor musste dein Kopf ruhig gelagert werden, um keine Hirnblutungen auszulösen. Vom ersten Tag an bekamst du Muttermilch, ich pumpte sie alle 3 Std ab.

Fruehchen

Es war eine riesen Herausforderung…. wir hatten ja nicht nur dich, sondern auch noch deinen Bruder und unseren Hund. Dein Papa musste täglich zur Arbeit ….
Das schlimmste war, dass uns deine Ärzte jeden Tag sagten, nur weil es dir gut ging, hätte das noch nichts zu heißen.

Immer wenn wir vor der Station 91 standen, niemand die Tür öffnete, weil alle zu einem alarmierenden Inkubator rannten, blieb unser Herz jedes Mal stehen, da wir nie wussten, ob du der Notfall bist...wir konnten durch die Glastür vieles beobachten. ….

Es gab Tage, an denen ging es dir sehr schlecht, es gab Tage da war alles schön. Das schlimmste Gefühl war aber, als ich entlassen wurde und dich nicht mitnehmen durfte. Ich konnte rund um die Uhr zu dir und auch anrufen, aber der weg nach Hause, zu deinem Bruder, war schwer, denn er war ohne dich und man wusste nie, ob ein Anruf kommt das es dir vlt nicht gut ginge ....

Wir haben jeden Abend um 23 Uhr angerufen und gefragt, ob es dir gut geht. denn da pumpte ich das letzte mal Milch ab und schlief 5 Std am Stück eh ich wieder Milch pumpte und zurück ins Krankenhaus kam.
Auch der Papa kam oft, wir wechselten uns ab.

Fruehchen Eltern

Eines Tages kamen wir in dein Zimmer und du warst weg. Sofort hatten wir einen innerlichen Herzstillstand. Völlig unbegründet, denn du wurdest vom Inkubator ins Wärmebett verlegt und brauchtest auch nur noch ein HFNC als Sauerstoffzufuhr. Das hieß für uns, dass du endlich über den Berg bist. Ich wusste du schaffst es.

Du lagst leblos im Bettchen…

Und nach insgesamt 79 Tagen wurdest du tatsächlich schon entlassen. Es war zwischen der 35. und 36. SSW. Leider hielt die Freude nicht an. Du bekamst eine RSV- Immunisierung. Trotzdem fingst du dir diesen Keim ein. Die Ärzte dachten Anfangs du hast nur eine Erkältung.

Am 23.12.15 um 2 Uhr nachts, fanden wir dich dann zufällig leblos im Bett….. wir riefen den Rettungswagen, du kamst zurück ins Leben und uns wurde gesagt, du hättest einen klinischen RVS mit Lungenentzündung. Das gesamte Ereignis zählte als DD ALTE. Eine Vorstufe vom plötzlichen Kindstod. Denn die Situation war lebensbedrohlich. Nun waren wir wieder im Krankenhaus…. und du wurdest ein Monitor-Baby.
Du warst also zum Schlafen immer verkabelt und wir hatten ein Monitor, der piepte, wenn du Probleme mit der Atmung, oder dem Herz hattest. Trotz des Monitors, der sehr gut war, konnte ich monatelang nicht mehr schlafen und habe stündlich deine Atmung überprüft .…..

Unser Alltag, bestand daraus, das wir wöchentlich zur Physiotheraphie mit dir fuhren und regelmäßig im SPZ waren. Dort wurde alles kontrolliert. Wir haben das große Glück, dass du eine völlig normale Entwicklung hingelegt hast. Keine Behinderungen, keine Infantitis zerebralparese, nur eine kleine Nephrokalzinose und was sich später entpuppte, dass beide Nieren hochgradig einen vesikorenalen Reflux haben, der bei dir schon zweimal eine Sepsis auslöste.

Fruehchen

Mittlerweile bist du 19 Monate alt und hast sogar Kinder überholt, die reif geboren sind.

Für uns war das Erlebnis so traumatisch, dass wir keine Kinder mehr wollen. 


Möchtet ihr eure Frühchen Geschichte erzählen? Dann schreibt mir doch auf mamasdaily@gmx.de

5 Kommentare

  1. Julia frühchenmama von lenni *19.2.16

    Als ich diesen Text las kam alles wieder hoch

    So viele Ähnlichkeiten
    Ich habe so geeint als ich entlassen wurde
    Erst habe ich mich auf meine anderen Kinder gefreut Nur dann am Auto ohne dich zu fahren es war ganz schlimm
    Jeden Abend um 21uhr haben wir angerufen im kh

    • Liebe Julia,

      danke für deinen Beitrag!
      Erstmal noch herzlichen Glückwunsch zur Geburt 🙂
      Ich hoffe, ihr seid inzwischen zu Hause angekommen und
      es ist alles in Ordnung bei euch!
      Als Tipp, lass deine Gefühle zu, auch in den nächsten Monaten. Oftmals ist es in der Anfangszeit so, dass man schlicht funktioniert (muss), und dann schwappen ab und an Gefühlswellen plötzlich, einfach so, auf einen zu. Und das Wichtigste dabei, lass sie zu! So verarbeitest du am Besten! Rede und rede viel darüber, das hilft!
      Ich wünsche euch alles Liebe für eure Zukunft.

      Yvi

  2. Pingback: Frühchen Fotostrecke / Mut und Hoffnung für Eltern! |

  3. Huhu Yvi,
    ich habe zufällig durch Pinterest den Weg hierher gefunden.
    Ich bin zwar keine Mama, aber ich habe beim Lesen Gänsehaut bekommen.
    Auch kann ich verstehen, dass dies ein sehr traumatisches Erlebnis für Euch war.
    Viele Menschen, kriegen nach und nach neue gesunde Kinder, auch die Medien zeigen uns täglich wie einfach es doch ist Kinder zu bekommen. Das dies gar nicht so einfach ist, zeigt sehr gut Dein Beitrag. Ich denke, dass der Beitrag sehr viel Mut gekostet hat.
    Alles Gute für Euch. ♥

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