Frühchen Eltern berichten / Elias mit einer Überlebenschance von 3 %

Fruehchen Eltern

Bei den heutigen Frühchen Mamis, musste ich mehrmals schlucken und las mir diesen Artikel immer und immer wieder durch…Elias..ein wahrer Held!


Auch ich bin Mama eines Extrem-Frühchens geworden und wurde damit schlagartig konfrontiert. 

Im Dezember 2013 hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand und konnte mein Glück gar nicht fassen. Mein damaliger Partner freute sich zwar, es hielt sich aber in Grenzen. 

Meine Mutter war, soweit es der Job zu lies, bei den Arztterminen dabei, denn mein Partner verließ uns kurz nach Silvester auf ganz miese Art und Weise.

Meine Familie und ich planten einen Sommerurlaub in der Türkei und waren voller Vorfreude.

Plötzlich hatte ich ein komisches Gefühl

Doch es sollte anders kommen.. Kurz vor unserem Urlaub war ich nochmals beim Arzt, um die Bestätigung zu holen, dass ich bedenkenlos fliegen konnte.

Genau 8 Stunden bevor der Flug mit uns losgehen sollte, hatte ich ein komisches Gefühl, ein Gefühl, welches ich noch nie zuvor hatte. Klar, war ich aufgeregt und mir war etwas übel wegen des Fluges, aber dieses Gefühl war ein anderes.

Ich ging nochmals zum Arzt und wurde nur komisch angesehen, warum ich denn schon wieder da sei. Plötzlich kamen auch Schmerzen dazu..

Fruechen

Die Schmerzen waren im Steißbereich und im Darm. Bei der Untersuchung kam heraus, dass mein Gebärmutterhals stark verkürzt sei und der Muttermund schon 2 cm geöffnet war.

Die Schmerzen waren also Wehen. Ich war zu dem Zeitpunkt in der 23. Schwangerschaftswoche und wurde sofort in das St. Vincenz Krankenhaus verlegt.. Ich war fertig mit den Nerven. 

Meine Mama überließ den Urlaub den Rest unserer Familie und blieb in der Zeit bei mir. Ich war so dankbar, dass sie mir in der Zeit beistand.

Mein Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag! 

Ich durfte leider ausschließlich liegen und alle drei Tage wurde ich untersucht, doch es verschlechterte sich von Tag zu Tag. Der Gebärmutterhals wurde immer kürzer, bis er letztendlich gar nicht mehr da war, der Muttermund öffnete auf 3 cm, die Wehen waren immernoch da und das Schlimmste: die Fruchtblase riss und Fruchtwasser trat aus. Glücklicherweise aber so wenig, dass man noch weiter versucht hatte, die Tage schnell hinter uns zu bringen. Jeder weitere Tag gab größere Hoffnung!

Zwei Wochen schaffte ich es durch zu halten, doch an jenem Morgen des 24.04.2014 verlor ich den Schleimpfropf und ich merkte einen Widerstand im Geburtskanal. Ich fühlte es mit meiner Hand und plötzlich war alles voller Blut. Ich schrie innerlich, aber bekam keinen Ton raus. Ich alarmierte sofort die Schwestern, welche mich umgehend in den Kreißsaal brachten.

mamasdaily

Im Kreißsaal wurde ein CTG gemacht und ein Ultraschall und ich bekam mehrere Zugänge gelegt, für den Fall, der Fälle, falls das Blut aus der Fruchtblase kommt. Und so war es, die Wehen wurden stärker, mein Bauch wurde hart und das Füßchen meines Sohnes konnte der Arzt sehen, ohne was zu machen.. Er „guckte“ einfach „unten“ raus…Sofort wurde ich für die Op fertig gemacht.

Ich zitterte und hatte Angst!

Meine Mama saß direkt an meinem Kopf und schon ging es los. Ich hörte die Ärzte reden und merkte, dass sie an mir herumschnitten und mal eben mein viel zu kleines Kind aus mir schnitten.. Ich musste mich aufgrund der Narkose übergeben und hatte starke Problem zu atmen.

Es kam mir vor wie eine Ewigkeit und ich fühle mich unbeschreiblich schlecht.. Ich hatte Schmerzen im Herz und weinte die ganze Zeit. Aber dann hörte ich das leise Schreien meines Sohnes. Er lebte also und ich fing wieder an zu weinen. Und auch meine Mama weinte vor Erleichterung.

Elias war also geboren. Am 24.04.2014 in der Schwangerschaftswoche 24+6 mit einem Gewicht von 730g, einer Länge von 33cm und einem Kopfumpfang von 22cm um genau 10.16 Uhr ❤

Fruehchen

Man sagte uns, dass er ziemlich stabil ist und beatmet wird. Über alles weitere wurden wir später informiert, erstmal sollten wir zur Ruhe kommen. 

Gegen 12 Uhr durften wir erstmals zu Elias ins Zimmer. Es war so grausam, alles zischte und piepte bei ihm, alle Maschinen und Geräte liefen auf Hochtouren und hielten Elias am Leben. Ein riesen Zimmer mit riesigen Geräten und in der Mitte im riesigen Inkubator lag ein kleines, unfertiges Menschlein. 

Elias kämpfte sich durch!

Den ersten Tag meisterte er laut den Ärzten super und sie hätten damit nicht gerechnet. Doch am Tag danach kam wieder alles anders als erhofft. Ich kam in Elias Zimmer und drei Ärzte standen um Elias herum. Man merkte, dass etwas nicht stimmte. Diesen Tag habe ich ausschließlich in schwarz-weiß in meinem Gedächtnis. Wir fragten was los sei und die Oberärztin schüttelte nur den Kopf.

Elias Lunge ist gerissen.. Er lag da, wie tot. Er war käsebleich und die Haut war leicht transparent. Wir sollten uns damit befassen, dass er nicht mehr lange durchhalten wird. 

Der Moment war der schlimmste in meinem Leben. Elias lag da, ich habe ihm nicht einmal den Kopf gestreichelt, nicht einmal was zu essen gegeben und war nicht mal 24 Stunden Mama gewesen und sollte mich dann von einem Wesen verabschieden, welches um das Überleben kämpfte.

Doch auch an jenem Tag geschah ein Wunder. Ich durfte meine Hand auf seinen Kopf legen und es ging ihm langsam besser. Sein Herzschlag ging glücklicherweise wieder hoch und die Situation beruhigte sich langsam.

In den nächsten Tagen lief erstmal alles recht gut.. Jedoch hatte er in den ersten 14 Tagen keinen Stuhlgang, welches die Ärzte verunsicherte. Und dann passierte der Supergau!

Der schlimmste Moment in meinem Leben

Elias Darm riss und er musste sofort notoperiert werden!

Ich machte mich natürlich sofort auf den Weg ins Krankenhaus und sah, wie aufgebläht sein kleines Bäuchlein war. Er quälte sich und schrie die ganze Zeit, auch wenn es sehr sehr leise war.

Als er dann nun endlich in Narkose lag, war ich erleichtert, dass er in der Zeit keine Schmerzen mehr hatte. Zugleich war mir so übel und ich habe gehofft, dass alles gut wird. Nach 5 Stunden hatte er es endlich hinter sich und er hatte zwei künstliche Darmausgänge. Dieser Anblick stockte mir der Atem. 

Doch es verlief alles super er erholte sich und kämpfte, als hätte er nie etwas anderes gemacht!

In den Wochen danach wurde er in die Kinderklinik verlegt, da er sehr gut an Gewicht zu nahm und fast alleine atmen konnte. Er brauchte lediglich noch eine Atemunterstützung. Im August wo er schon 3300g, stand die OP zur Rückverlegung der beiden künstlichen Darmausgänge an. Diese OP verlief sehr gut.

Doch nach diesen 6 Stunden OP war Elias voller Wasser, er war aufgequollenen und sah ganz schlimm aus.. Er wog 7 kg wegen des Wassers!

Doch er machte es so gut!

Am 02.09.2014 war dann seine Entlassung und es war einer der schönsten Tage in meinem Leben. Endlich kam Elias nach Hause.

Meine Familie hat uns mit einem riesigen Schild „Herzlich Willkommen Elias“ empfangen und dazu hatten sie einige Raketen steigen lassen 🎉 Es war so wunderschön!

Das Glück sei uns nicht gegönnt..

Doch im Dezember dachte ich, dass uns das Glück nicht gegönnt sei. Ich war mit ihm auf dem Weihnachtsmarkt und er schlief, wie so häufig, im Kinderwagen ein. Als wir dann zu Hause ankamen, wollte ich ihm die dicken Wintersachen ausziehen, doch er war ganz steif 😱 ich dachte im ersten Moment, dass er sich streckt, doch er krampfte und sein Gesicht war blau-lila.

Ich konnte keine Atmung sehen oder spüren und schrie ihn an, nahm ihn hoch und riss die Klamotten kaputt. Zunächst dachte ch an eine Überhitzung, doch er war so steif, dass ich ihn wieder zurück lag und sofort den Notarzt rief..

Ich war am zittern, weinen und schreien und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich kniff Elias in die Wangen und rief immer wieder, dass er endlich wach werden solle. Mehrfach ins Gesicht pusten, brachte nichts.

Kurz bevor die Ärzte ankamen, holte er plötzlich tief Luft und er wurde langsam wieder blass und das blaue in seinem Gesicht verging.

Mit Blaulicht sind wir dann wieder ins Krankenhaus gekommen und mussten auch länger da bleiben. Es war einmalig und er hatte einfach vergessen zu atmen. Verdacht auf: plötzlichen Kindstod. Ein Notfallmedikament bekam ich mit nach Hause.

Fruehchen

Im neuen Jahr erhofften wir uns mehr Ruhe, doch auch dies sollte nicht sein.

Im Februar 2015 bekam Elias einen Pseudokruppanfall und konnte nur noch schwer atmen. Wieder kamen wir mit Blaulicht ins Krankenhaus. Es war so schlimm alles wieder und wieder durchmachen zu müssen. Auch dies war ein Einzelfall und wir bekamen ein Notfallmedikament mit nach Hause.

Im Juni 2015, es war ein sonniger Morgen und wir wollten ein Picknick machen, schlief Elias länger als sonst. Es kam mir komisch vor und ich schaute nach. Er lag bewusstlos in seinem Bettchen, er sah aus wie tot :/ ich konnte nicht mehr.. Wieder kam der Notarzt und wieder ging es mit Blaulicht ins Krankenhaus. Es lag wohl am Blutzucker, welcher entschieden zu niedrig war. Weshalb ist bis heute unklar.

Glücklicherweise war das der letzte Notfall.

Elias mein Held!

Routinemäßig beim Kinderarzt wurde jedoch eine Hydrocele festgestellt, das ist ein Wasserbruch. Dieser wurde operativ im September 2015 behandelt.

Zusätzlich wurde er vor ein paar Wochen, wegen einer Hydropedie operiert. Das ist ein zweiter Harnröhrenausgang, welcher entfernt und verschlossen wurde.

Nun werden wir erstmal Ruhe haben *toi toi toi*.

Elias ist geistig und körperlich topfit und ist mittlerweile fast 3 Jahre alt. Er spricht noch fast keine Worte, aber er macht Fortschritte ❤ 

 

 

Mehr zur Geschichte von Elias findet ihr auf Facebook-Elias

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