Frühchen Eltern berichten / Ich bin fast gestorben!

Fruehgeborene

Hallo. Mein Name ist Sandra und ich bin eine Frühchen – Mama. Ich hätte mir im Traum nicht vorstellen können das so zu sagen…


Wir hatten Ende August 2016 beschlossen, wir heiraten im nächsten Mai. Es war ein Gefühl, wir wollten es beide. Danach sollte unsere Patchworkfamilie vollkommen werden, durch ein gemeinsames Kind. Mein Mann hat zwei Söhne (jetzt 8 und fast 12 Jahre alt) aus einer früheren Ehe. Sie beide wollten ein Geschwisterchen. Am liebsten ein Mädchen. Alles nach der Hochzeit. So der Plan.

Ich wettete um ein Steak, dass ich nicht schwanger war!

Mitte September fühlte ich mich morgens oft mal schlapp und mir war leicht übel und schwindelig. Mein Mann sagte einfach nur „Mach nen Test. Ich wette du bist schwanger.“ Wir haben wirklich gewettet. Um einmal Steak essen gehen. Der Verlierer zahlt. Ich hatte nicht gedacht schwanger zu sein. „Es wäre möglich ja aber ich bin es bestimmt nicht, sondern bekomme meine Tage„. So dachte ich. Also machte ich den Test. Als ich die zwei Streifen sah, dachte ich an alles mögliche.

In meinem Kopf war alles durcheinander und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Mein Mann war duschen. Ich ging ins Bad und sagte nur „wohin willst du zum Steak essen gehen? Ich zahle“ . Er hat gebrüllt vor Freude.
Die Schwangerschaft verlief relativ normal. Ich hatte nur mit großen Rückenproblemen zu kämpfen und immer Angst vor der Arbeit, da Baumarkt im Lager arbeite und Angst hatte mich nicht genug zu schonen zwecks heben und Co.

Am 28.03.2017 hatte ich meinen letzten Arbeitstag vor, zwei Wochen Urlaub mit anschließendem Mutterschutz. Es war alles geregelt. Um kurz vor 17 Uhr dachte ich noch „ein bisschen was tun und dann von allen verabschieden“ auf einmal hatte ich ein Stechen im Bauch. Ich hab es nicht ernst genommen.. Es war auch schnell wieder vorbei, nachdem ich kurz auf Toilette war. Ich wollte weiter meine Arbeit machen, dass ich endlich fertig werde, als der Schmerz wieder kam. „okay ich muss brechen“ also schnell hoch. Ich hab mich sogar pünktlich noch abgemeldet, nachdem ich wirklich gebrochen habe. Da ich mich nicht traute heimzufahren rief ich meinen Mann an, er soll mich bitte holen mir geht es nicht gut.

Waren das Wehen? Ich wusste es nicht…!

Er sagte, dass er bisschen braucht ich soll beim Arzt anrufen. Gesagt, getan. Also sofort von der Arbeit ohne mich zu verabschieden zum Arzt. Die Schmerzen kamen immer mehr schwallartig.

Waren das Wehen?! Ich wusste es ja nicht. Beim Frauenarzt wurde schon auf uns gewartet. Alle waren nach meinem Anruf und der Beschreibung der Symptome sehr besorgt. Ultraschall war aber unauffällig. Trotzdem zur Überwachung für eine Nacht ins Krankenhaus. Das im Ort wollte mich nicht nehmen, da die SSW zu früh sei, falls was wäre. Also in die 50 km entfernte Level 1 Klinik.

Die Ärzte warteten schon auf uns, da wir angemeldet wurden. Die Ärztin sagte nur, sie glaubt nicht, dass die Schmerzen was mit der Schwangerschaft zu tun haben, da es keine Wehen waren. Ich bekam aber sicherheitshalber die erste Lungenreife.

Ich weiß noch, dass die Schmerzen immer mehr und immer schlimmer wurden. Irgendwann konnte ich nicht mehr auf dem Bauch liegen, da das noch mehr weh tat. Ich wurde auf Station verlegt und von da an weiß ich nur noch, dass ich entweder geschrieen, oder gebrochen habe. Beides vor Schmerzen. Mir tat die Frau, die mit mir im Zimmer war sehr leid. Der Tag fehlt mir weitestgehend. Ich hab so viele Schmerz- und Beruhigungsmittel bekommen, dass ich die meiste Zeit nur benommen war. Geholfen haben sie aber fast nicht. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich sagte zu meinem Mann und den Ärzten

„wenn ihr sie holen müsst, tut es aber ich kann nicht mehr“

Das was ich von dem Tag noch weiß, sind Schmerzen.

Alles was jetzt kommt weiß ich von Erzählungen meines Mannes.

Abends wurde ich wieder in den Kreißsaal gebracht. Die Ärzte und Schwestern waren ratlos. Meine Blutwerte waren nicht mehr gut. Ein Wert ließ schließen, dass der Darm nicht in Ordnung ist. Ein MRT ergab nix da das Baby alles verdeckte. Es wurde auf einen Spezialisten aus einem anderen Krankenhaus gewartet. Die Ärzte sagten zu meinem Mann ich komme auf die Intensivstation, da dort die Überwachung besser ist und man einfach nicht weiter weiß.

Während er diese Nachricht verdaute und ich ihn anbettelte er möge mich bitte umbringen, da ich vor Schmerzen nicht mehr kann, kamen drei Schwestern mit Stützstrümpfen und Rasierapparat. Die Ärzte haben sich beraten. Es muss sofort operiert werden, ansonsten ist es zu spät. Der Darm hat was und die Entzündungswerte sind viel zu hoch.

Ich erinnere mich schemenhaft an die Verabschiedung meines Mannes. Wir hatten Gott sie Dank im Februar schnell geheiratet. Der Kuss war sehr feucht. Ich lag auf der kalten Liege. Quasi nackt und schon voll mit Jod. Ein Arzt beugte sich zu mir und sagte immer nur „sie machen das super. Gleich ist es so weit. Gleich geht es los. Halten Sie noch kurz durch!

Fruehgeborene

Ich bekam mein Kind und wusste es nicht!

Aufgewacht bin ich auf der Intensivstation. Ich hatte eine Magensonde, Sauerstoffbrille, ZVK am Hals, drei Zugänge an den Armen, nen Katheter und zwei Drainagen im Bauch. Und eine Wunde von knapp unter der Brust, am Nabel vorbei, bis runter zum Schambereich. Eine Schwester kam und sagte „ihrem Kind geht’s gut. Keine Sorge. Emma geht’s gut.

woher wusste die den Namen meines Kindes? Was war los?

Ich war komplett verwirrt. Die Schwester erklärte mir erst mal alles. Im Laufe des Tages kamen zwei Ärzte uns vier Schwestern um sich nach mir zu erkundigen. „wir wollten Sie mal nicht schreiend sehen“.

Ich hatte einen Bridenileus. Das bedeutet Narbengewebe, welches sich nach einer Blinddarm-OP im Bauchraum gebildet hatte, hat sich auf den Darm geklappt und ihn abgedrückt. Man hat das erst gesehen, nachdem das Baby draußen war. Der Darm war zum zerreißen gespannt und kurz vorm platzen. Gott seid Dank mussten sie kein Stück vom Darm entfernen.

Wir haben also jetzt ein Frühchen aus der 32. SSW Zuhause. Da man nicht was ist haben wir einen Tag gewonnen und Emma kam 31+6 mit 1505 Gramm und 42 cm. Sie bräuchte 5 Tage eine Atemunterstützung (cpap) und war insgesamt 7 Wochen im Krankenhaus. Heute ist sie knapp 5 Monate alt und ihr Lächeln bezaubert uns jeden Tag. Ihr geht es gut und mir auch. Ich kann heute sagen, ich bin eine stolze Frühchen – Mama.

„Die Kleinen sind unglaubliche Kämpfer, die einem erst zeigen, wie viel das eigene Leben eigentlich wert ist.“

Liebe Grüße

Sandra und Armen Ramsenthaler mit Lukas, Jonas und Frühchen Emma


Danke für diesen wunderbaren Beitrag! Der Artikel entstand im Rahmen der „Frühchen-Eltern-berichten Aktion„, möchtest du auch mitmachen und eure Geschichte erzählen? Dann schreib uns mamasdaily@gmx.de

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