Frühchen Eltern berichten / ich hatte keine Muttergefühle!

Fruehchen

Nadine erzählt heute bei den Frühchen Eltern, weshalb sie nach ihrer Geburt keine Muttergefühle hatte…


Mein Name ist Nadine , ich bin 28 jahre alt und komme aus Duisburg.

Am 19.11.2015 hielt ich meinen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. 
Ab der 24. Ssw fingen die Probleme dann an!

Mein Frauenarzt stellte fest, dass mein Blutdruck erhöht ist (160/90). Ab diesem Tag musste ich 3 mal täglich für eine Woche meinen Blutdruck kontrollieren lassen. Die Werte waren immer zu hoch. Er ordnete ein Medikament an, welches den Blutdruck senken sollte.. In der Zwischenzeit fing mein Körper an, massiv Wasser einzulagern..

Am 02.05.16 in Ssw 28+2 war die nächste Vorsorgeuntersuchung bei meinem Gynäkologen. Er machte einen Ultraschall und stellte fest, dass meine Fruchtwassermenge an der untersten Grenze lag. Er überwies mich zur Feindiagnostik ins Krankenhaus

Eine Schwangerschaftsvergiftung?

Ein Ultraschall wurde gemacht, es war aber alles in Ordnung mit meinem Baby, die Versorgung war gut, sie war nur etwas zu klein. Auch dort stellte man fest, dass meine Fruchtwassermenge an der untersten Grenze lag. Die Ärzte sagten, dass es unwahrscheinlich ist, dass ich eine Gestose habe, da die Versorgung vom Baby super wäre. Zur Sicherheit wurde jedoch Blut abgenommen und ich wurde wieder nach Hause geschickt.

Fruehchen
Am nächsten Tag (4.5.16) klingelte morgens mein Telefon. Die Blutwerte waren schlecht… Ich musste stationär ins Krankenhaus.
Eine 24 Stunden Blutdruck Messung fand direkt statt. Alle Werte waren trotz Medikation viel zu hoch und ich nahm kontinuierlich zu.

7 Kilo in 7 Tagen!
Mein ganzer Körper war voller Wasser. Arme, Hände, Gesicht und Beine waren stark geschwollen. Auch der Blutdruck stieg wieder an.
Am 16.05.16 wurde ich morgens wach und hatte Bauchschmerzen und Rückenschmerzen, als ob ein Nerv eingeklemmt war.

Ich dachte, ich muss sterben!

Habe dann meinen Blutdruck gemessen, dieser lag bei 220/110 trotz Medikamenten. Ich rief in panisch meine Mutter an, da ich alleine war. Vom Vater des Kindes trennte ich mich in der 14.ssw.
Ich war zu dem Zeitpunkt in Ssw 30+3 und rief einen RTW, weil ich dachte, ich musste sterben.
Im Krankenhaus angekommen, wurde ich direkt in den Kreißsaal gebracht und ans CTG angeschlossen. Keine Wehen, die Herztöne waren super. Ein Ultraschall wurde gemacht, meine Leber war leicht vergrößert. Blut wurde abgenommen und per Notfall ins Labor geschickt. Ich erhielt die erste Lungenreifespritze.
Nach der nächsten Blutentnahme stellte man fest, dass sich meine Werte verschlechterten.
Die Narkoseärzte, Kinderärzte der Intensivstation und die Gynäkologen führten vorsorglich schon mal die Aufklärungsgespräche mit mir.
Am 18.5. erhielt ich die 2. Lungenreifespritze. 
Nachmittags bekam ich dann aber ein komisches Gefühl. Es fühlte sich an, als ob mein Bauch 20 Kilo wog und ich einen dicken Stein im Bauch hatte. Am Abend wurde ein CTG geschrieben. Es war zum Glück aber alles gut…
Ich ging wieder auf Station, legte mich hin und schlief ein. So unruhig war ich noch nie, bin ständig wach geworden, habe geschwitzt und gegen 4 Uhr kamen die Schmerzen zurück.
Bis 6 Uhr hatte ich mich noch hin und her gewälzt, bis ich die Schwester rief. An dem Tag war ich bei Ssw 30+6.

Mir war klar…“jetzt ist es soweit!“ 

Ich wurde in den Kreißsaal gebracht. Ca. eine Stunde später war plötzlich Aufregung auf dem Flur, alle liefen hin und her.
Keine 5 min später standen der Professor, sämtliche Oberärzte, Assistenzärzte und Hebammen im Zimmer. Mir war klar: „jetzt ist es soweit.“ Ich brach in Tränen aus.
Der Oberarzt sagte mir, dass der Kaiserschnitt gleich durchgeführt wird, meine Blutwerte hatten sich massiv verschlechtert, man wartete nur noch bis ein Op frei ist.

Fruehchen
Ich hatte dann meine Mama und den Vater meines Kindes informiert. Und irgendwie hatte ich einfach nur noch geweint. Geweint vor Schmerzen, geweint aus Angst, geweint, weil ich alleine und überfordert war.

Der Oberarzt fing an zu operieren. Es war so ein schreckliches Gefühl. Dieses ruckeln und zerren in einem. Es kam mir vor, wie Stunden. Halb nackt auf dem kalten Op Tisch, während man mir mein Kind entriss.

Irgendwann merkte ich, dass die Kleine draussen war…Stille…nichts zu hören. Alles rauschte an mir vorbei, wie in einem Film, dann hörte ich einen kleinen zarten Schrei. Die Hebamme zeigte mir meine Kleine ganz kurz und war dann direkt weg. Raus zu den Kinderärzten, nach weiteren gefühlten Stunden kamen die Ärzte nach Emmas Versorgung zurück in den OP…mit ihr im Inkubator.. weg war sie wieder. Habe sie leider nicht erkennen können, da sie in Handtücher eingewickelt war.
Als die Op zu Ende war, kam ich wieder in den Kreißsaal.. aber ich konnte einfach nicht schlafen. Nach ein paar Stunden wurde ich auf die Station verlegt. Bis dahin hatte ich keine Infos, wie es meiner Tochter ging.

Ist das mein Kind?

Am Nachmittag kam der Kindsvater und meine Eltern. Ich wollte aufstehen, meine Mama zog mich an und organisierte einen Rollstuhl.
Von den Schmerzmitteln war ich immer noch vollkommen neben der Spur, habe nichts realisiert und mir weiterhin meinen Bauch gestreichelt..

Als ich sie das erste Mal da so liegen sah, habe ich nicht realisiert, dass es mein Kind war.
Emma kam am 20.05.16 um 09:49 uhr mit 1245 Gramm und 37 cm auf die Welt.

Sie benötige eine Atemunterstützung via cpap. Hatte einen Zugang liegen und Elektroden am Brustkorb und am Fuß zur Überwachung.
Die ersten vorsichtigen Berührungen fanden statt. Aber Mutterliebe habe ich dort noch nicht empfunden..

Emma machte sich aber wunderbar, die Atemunterstützung war irgendwann weg und ich sah nun das erste Mal mein Baby ohne Schlauch in der Nase. Sie sah aus wie ein kleines Äffchen.

Am Tag meiner Entlassung durften Emma und ich das erste Mal kuscheln. Es war so ein unglaublich intensives Gefühl. Die Muttergefühle haben mich schlagartig überrollt.
Ich fuhr jeden Tag in die Klinik. Von morgens um 9 bis abends um 18 Uhr verbrachte ich den Tag bei meiner Tochter.
Es war sehr anstrengend, irgendwie vergaß ich zu essen und stand nur unter Strom, konnte einfach absolut nicht abschalten.

Emma entwickelte sich aber zum Glück wirklich prächtig. Bereits 4 Tage nach der Geburt wurde der Zugang entfernt, weil sie diesen nicht mehr brauchte.
Die Ärzte waren begeistert von ihr.
Nach knapp 6 Wochen wurde Emma am 22.6.2016 aus der Klinik entlassen. Mit 2030 Gramm und 42 cm.

Meine Heldin!

Jedoch hatte sie im Juli einen Leistenbruch, der operativ verschlossen werden musste. Auch das hat sie ohne jegliche Probleme super gemeistert.
Mittlerweile ist sie 9 Monate alt (korrigiert 7 Monate), krabbelt seit 1 Woche, ist noch etwas zierliche, als normal geborene Babys. Sie versucht sich an mir hochzuziehen und hat heute das erste Mal klar und deutlich Mama gesagt.

Ich bin so stolz auf meine kleine Kämpferin.


Möchtest du auch eure Frühchen Geschichte mit uns teilen? Dann mail mir doch 🙂 mamasdaily@gmx.de 

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