Unsere Gäste

Die liebe Denise, von „mamavonbabyhenry“ befasste sich mit dem Thema „Kaiserschnitt Mütter und trotzdem gleichwertig, wie normalgebärende Mütter?“ Sie selbst ist davon betroffen und erzählt euch im folgenden Beitrag davon! Viel Spass damit!

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Ich denke jede Frau, jede werdende Mama, hat sobald sie weiß, dass sie ein Baby erwartet, schon genaue Vorstellungen wie die Geburt ablaufen könnte. Ja wenn nicht sogar schon vor der Schwangerschaft. Nach dem positiven Test, folgten unzählige Gespräche über das Thema Geburt, ob mit den Mädels, dem Partner oder im Vorbereitungskurs.

Geschätzt 1000 „schlaue Tipps“ (ich denke, ihr wisst wovon ich spreche) bekommt man als Frau um die Ohren geworfen. Der Bauch lädt viele anderen Mamas oder auch nicht-Mamas dazu ein, ihre schlimmsten Stories über Geburten, an dich weiter zu geben. Furchtbar nervig, aber so ist das wohl. Der Gedanke daran „bei mir wird alles anders“ ist der einzige der zählt.

Also hab ich die netten Frauen alle mal erzählen lassen und immer total interessiert „Ja?“ „Ach wirklich“ „Oh, das ist ja schlimm“ geantwortet, ohne aber zugehört zu haben, welche Horrorgeschichte sie auf Lager hatten.

                      Die Realität hatte mich schnell eingeholt!

Gut aufgeklärt konnte einer „perfekten Geburt“ ja nichts mehr im Wege stehen. So wie jede Mummy to be, fieberte ich dem Tag X entgegen. Vertrieb mir die Zeit auf dem Klo zu einem Date mit Heublumen, trank zum Ende den Himbeerblättertee literweise, habe die Kliniktasche geschätzte 17 mal gepackt, kontrolliert und nochmal gepackt, Geburtsvorbereitende Akupunktur durfte natürlich auch nicht fehlen.

Meiner Meinung nach war ich bestens vorbereitet, die Realität hat mich jedoch schneller eingeholt als ich schauen konnte. Nun weder ich auch schon eine der netten Damen, die ihrer Horrorgeschichte in die Welt trägt, aber es gehört dazu.

Ums kurz zu machen à Beginn der ersten Wehen Montagmorgen; erster Check-in im Krankenhaus Montagabend 23 Uhr; Check-out 23:45, zu große Abstände zwischen den Wehen; nun gut wieder heim; Krankenhaus Check-in die zweite nachts um 2; Wehen waren da, Abstände waren gut; Dienstagmorgen zu große Abstände, ab in die Wanne, danach eigentlich wieder nach Hause; aber Kreislauf am Boden, Babys Herztöne viel zu schnell, stundenlanges CTG, Infusionen und langsam aber sicher wurde mir klar, nach meinen Wunschvorstellungen läuft das ganze wohl nicht ab.

Es ging weiter, die Wehen waren stark genug, aber der MuMu öffnete sich Dienstagabend nur 1cm, Applaus- Pro Stunde 1 cm haben wir im Vorbereitungskurs gelernt FAIL! Nach über 24 Stunden, hätte ich ja offener als offen sein müssen. Ich bettelte um eine PDA und somit wieder Hoffnung, PDA wirkte, Herztöne aber die vom Baby weg, 30 Sekunden am Notkaiserschnitt vorbei gerutscht, nun wieder stundenlanges CTG, inklusive Blutabnahme am Kopf von Baby Henry im zwei Stunden Takt.

                          ‚Ich bettelte um eine PDA‘

Ich war am Ende, so wie wahrscheinlich jede Frau unter der Geburt, aber ich war wirklich so fertig, dass ich am Mittwochmorgen ca. gegen 5 Uhr mit der Ärztin gesprochen habe und sogar bereit war einen Kaiserschnitt machen zu lassen.

Sie hat mir abgeraten, sie sagte „Hey du kämpfst schon so lange 48 Stunden, der MuMu ist bei 9 cm, du wirst dich irgendwann ärgern, wenn du es nicht versucht hat.“ Gesagt getan – Wehentropf let´s go. Damit klein Henry die richtige Finale Position bekommt, mussten sie mich im 10 Minuten Takt wenden, wie ein dickes Schnitzel in der Pfanne. Presswehen setzten ein und auf einmal stand um 10 Uhr der Chefarzt vor mir „So wir beenden das Ganze nun hier mal, es geht so nicht mehr weiter.“

Im ersten Moment fiel mir ein Stein vom Herzen, dass diese höllischen Schmerzen endlich ein Ende haben, im zweiten Moment fing ich an zu weinen vor Angst, im dritten Moment dachte ich mir werden alle Organe mit rausgerissen und schwups hatten wir unser Glück in unseren Armen.

                             ‚Ich hatte das Gefühl, versagt zu haben‘ 

Die ersten Wochen waren, abgesehen von den Schmerzen meiner Narbe, echt schön. Mir ging es gut. Doch dann trat genau das ein wovor die Ärztin mich gewarnt hat – „Nicht, dass Sie enttäuscht sind, wenn sie nicht alles gegeben haben“ Ja ich habe alles gegeben und der Arzt hat mir die Entscheidung abgenommen, aber trotzdem war es da – Das Gefühl versagt zu haben.

Das Gefühl als Frau (Ich habe gelernt JEDE Frau ist in der Lage ein Baby zu gebären) nicht mal ihr eigenes Kind auf die Welt bringen zu können.

Das Gefühl der kompletten Enttäuschung, so lange gekämpft und am Ende mit einem, von einem fremden Menschen durchgeführten, Schnitt durch die Bauchdecke, war alles erledigt. Ernüchternd.

Ich hatte hart damit zu kämpfen, immer noch hängt mir das Erlebte nach. Wie soll ich eine gute Mutter sein, wenn ich es als Mutter nicht mal schaffe mein Kind auf die Welt zu bekommen? Verzweiflung machte sich breit. Wenn mir andere Mamas erzählt haben, dass sie einen Kaiserschnitt hatten, kam ich nicht im Geringsten darauf, welche Gefühle das in einer Mutter auslösen kann. Für mich waren vorher Mamas einfach Mamas.

                              ‚Wie soll ich eine gute Mutter sein?

Egal wie die Kinder geschlüpft sind, anderen Kaiserschnitt Mamas, würde ich NIEMALS, das Gefühl geben, dass sie eine minder schöne Geburt hatten als spontan Gebärende. Auch eine Kaiserschnitt Mama ist eine Mama und mindestens genauso toll wie alle anderen auch, dass steht fest. Nur mit mir selbst, bin ich am Kritischsten. Screenshot_2016-07-22-13-21-56-1[1]

Vielleicht gibt es „Leidensgenossinnen“ die ein Paar tolle Tipps für mich haben. Auch zum Thema Rückbildung, ich schiebe immer noch eine Kugel vor mir her, als wäre ich im 6. Monat schwanger.
Ansonsten bleibt nur nochmal zu sagen, die Qualität einer guten und tollen Mutter, berechnet sich sicher NICHT am Verlauf und Ende einer Geburt.

PS.: An alle Kaiserschnitt-Muddis, die Mama meines besten Freundes seit dem Kindergarten, hat mir etwas zugeflüstert- Kaiserschnitt Mamas können sich über eins freuen und das ein kein kleiner Aspekt – ihr Intimbereich ist unversehrt 🙂

Danke an ‚mamavonbabyhenry‘ für diesen tollen Gastbeitrag! Ihr findet diese starke, tolle Mama auf Instagram!