High need, sind Eltern selbst schuld?

High need

Ein viel diskutiertes Thema, mit zwiegespaltenen Meinungen…high need. Sind nun die Eltern an so genannten High need Babys selbst schuld, oder wie lässt sich der Begriff erklären?


High need Baby, jene die von allem etwas mehr brauchen, als andere. Die von ihren Eltern als „schwierig„, stellenweise als „nicht der Norm entsprechend“ bezeichnet werden. Jene, die prinzipiell völlig normale Verhaltensmaßnahmen aufweisen, nur eben verstärkt.
Ein Kinderarzt, stellte 12 Kriterien auf, um Babys darin zu kategorisieren, erfüllt dein Baby diese Punkte, soll es ein sogenanntes High need Baby sein.

High need -ein Schubladen-Denken?

Ein Schubladen-Denken, oder wie die Gesellschaft eben heutzutage gerne für alles einen Grund, Namen oder eine Kategorie braucht, sofern es unerklärlich, oder abnormal ist. Frei nach dem Motto „irgendwie muss man es ja betiteln“ … nein, muss man eben nicht! Das ist ausschließlich die zwanghafte Denkweise der Gesellschaft in der heutigen Zeit.

High need
Vor Jahren war es Standard nicht nur ein, max. zwei Kinder zur Welt zu bringen, da war Frau quasi dafür gemacht und brachte vier, fünf Kinder auf die Welt. Und von allen Kindern, gab es mit Sicherheit genau die gleichen Probleme, die wir heute auch haben. Schlaflose Nächte, kranke Kinder, fordernde Babys, jene die etwas anstrengender, als andere sind. Mit dem Unterschied, dass nie jemand auf die Idee gekommen wäre einen Titel seinem Baby zu verleihen.

Das war schlicht normal, man ging damit um, man lebte damit und ja, auch die Mamis von damals waren auch mal am Ende und konnten nicht mehr. Aber da half der Eine, dem Anderen, da gab es Generationenhaushälte, da half die Omi mit und packte an und Mami konnte auch mal durchatmen. Das war der ausschlaggebende Unterschied!
Heute sitzt der Stempel „High need“, auf der Stirn des Kindes. Und damit befriedigt es die schier verzweifelte Lage der Eltern, denn sie haben einen Namen, für das aus der Reihe tanzende Kind. Viele stützen sich auf dem Titel ab und ruhen sich darauf aus.

Sind die Eltern also selbst schuld?

Ich würde zunächst eher mal die Frage stellen wollen, an was eigentlich? An einem Begriff, der primär am Besten nicht existieren sollte, weil das Baby normale Verhaltensmaßnahmen aufweist und es zum Glück nicht krank ist!? Woran sollen dann die Eltern schuld sein?

High need
Man muss wissen, dass das Temperament eines Babys angeboren wird, ein Charakter wird jedoch erlernt. Also schlussendlich haben wir Eltern einen großen Einfluss auf das Verhalten und die charakterliche Entwicklung unseres Babys, denn nur allein das Temperament eines Kindes macht dieses noch lange nicht gleich zu einem high need Baby.
Deshalb würde ich nicht unbedingt mutmaßen, dass Eltern die ihr Kind als solches betiteln schuld sind, eher würde ich es als einen Einfluss auf die Charakterentwicklung bezeichnen, die Eltern haben.
Und in erster Linie verstärkt auch eine Erziehungsform, die schuld sein könnte. „Trainiere“ ich meinem Baby zum Beispiel von Beginn an, gewisse Muster an, wundere ich mich später, warum es das ständig möchte, oder warum es jenes nicht kann. Es will also später evtl. ständig bespaßt werden, es möchte also später ständig getragen werden…mehr als andere…. high need oder Erziehungsfehler?
Die High need Bezeichnung ist also ein Begriff, indem viele Faktoren eine Rolle spielen, die Erziehung des Kindes spielen hierbei ebenso eine große Rolle, aber auch die Selbstbetrachtung. Sprich, die Auffassung, wie eine Mutter nervlich und charakterlich stark ist.

 

Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, den man definitiv nicht unterschätzen sollte, denn genau an diesem Punkt nimmt der Begriff high need Überhand und läuft in die falsche Richtung.
Es gibt zum Beispiel Eltern, die haben mehrere Kinder, die man als high need Kinder bezeichnen könnte, diese wundern sich jedoch über den Begriff und finden ihn völlig deplatziert.. Es gibt Eltern, die haben Kinder und sind nervlich am Ende, bezeichnen ihr Baby als high need. Denn schlussendlich gibt es nur 12 Kriterien als Anlaufpunkt, aber keinen „Schwierigkeitsgrad“ dem man ein Kind zu ordnen könnte.

Also wann ist ein Kind dann ein high need Baby?

Wenn es jede Stunde gestillt werden möchte, wenn es 4h am Stück schreit, oder doch nur 2h? Wenn es sich nicht alleine beschäftigen kann? Dauerbespaßung am äußersten Limit?
Oder ist high need wirklich nur abhängig davon, wieviel Baby wir selbst ertragen? Wieviel Nervenkostüm jede einzelne Mami hat?

High need
Sind Eltern also doch selbst schuld? Zumindest in der Hinsicht, mit ihrem eigenen Nervenkostüm eventuell nicht zurecht zu kommen?

Wenn ja, dann sollten die Eltern Hilfe aufsuchen und ihr Baby bitte nicht kategorisieren. Zu zugeben das man am Ende ist,  ist schließlich nicht verwerflich! Und das konnten bekanntlich ja unsere Omis schon und wäre ein Schritt in die bessere Richtung, als nur einen Stempel aufzusetzen und sich damit aufgehobener zu fühlen.

1 Kommentare

  1. Die Sache mit dem „Ungewöhnlichen“,

    Ich hab zwei Jungs unter zwei. Die sind ganz normal. Normal agil und nervig, normal süß und anhänglich, normal entwickelt. Sie sind beruhigend normal. Sie sind schlechte Schläfer, ist ihr Vater auch. Für meine Nerven ist das eher schlecht, den ich bin ein euliger Siebenschläfer. Also spät und bitte mindestens 8 Stunden. Ist aber mein Problem.
    Nur hab ich so das Gefühl, heute muss jedes Kind etwas Besonderes sein. Besonders früh sprechen oder laufen, besonders intelligent oder brav sein. Und wenn da halt nichts ist, wenn das Kind einfach normal ist, dann braucht es einen Grund. High need, hoch sensibel, ADHS oder was auch immer. Das ist wohl auch das Problem. Die Begriffe werden inflationär genutzt, und Eltern von Kindern mit echten Entwicklungsverzögerung, Defiziten, hormonbedingtem ADHS oder echten Leghastenikern, so wie Special Need-Eltern werden nicht mehr so ernst genommen. Weil es hat ja fast jeder eine Baustelle. Und viele Kinder werden dann auch stigmatisiert und in eine Schiene gepresst. Das ist sehr schade, und kann einen bestimmten Lebensweg vorzeichnen. Das ist für fehl Gelabelte Kinder schlimm und für Kinder und Eltern, die wirklich mehr Hilfe gebraucht hätten. So lang kein Arzt oder besser mehere, eine Diagnose stellen, währe ich ganz vorsichtig mit Selbstdiagnostik. Lieber erstmal Hilfe beim Kinderarzt, der Schreiambulanz, Chiropraktiker, Oma/Opa (gibts bei Bedarf auch als Agentur), Müttergenesungswerk oder auch Therapeuten suchen. Vielleicht ist die Diagnose auch ein elterliches Burn out. Und die Unruhe ein übertragener Teufelskreis, Baby weint, Eltern nervös/gestresst, Baby spürt das und weint noch mehr. Früher sagte man, es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen. Also schafft euch euer Dorf. Und ja, da kommen andere Erziehungseinflüsse auf eure Kinder zu, und das ist auch gut so. Weil die Mischung machts, und Kinder kommen damit klar.

    Lasst euch helfen
    Gruß Mama Doppelte Protion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.