Hilfe, wir dürfen mit unserem Frühchen nach Hause!

Fruehchen

Der große Moment ist endlich gekommen, das Frühchen Baby darf nach Wochen/Monaten endlich nach Hause und man befindet sich zwischen Glück und Angst…


Wochenlang, manchmal sogar über Monate hinweg ist das Frühchen auf einer Frühchenstation oder Intensivstation. Die Eltern versuchen jeden Tag vor Ort zu sein und nehmen teilweise mehrere Kilometer auf sich. In den Wochen und Monaten erlebt man jegliche Gefühlsachterbahnen, die man nur haben kann. Zwischen Angst und Tränen, Bangen und Hoffnung, Freude und Glück ist alles dabei.

Und man macht es alles nur für einen einzigen Moment, der Moment an dem man endlich sein Frühchen Baby mit nach Hause nehmen kann.

Wann ist es denn endlich soweit? 

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern. Schon Tage davor hoffte ich darauf, denn der Räuber hatte sein „ich-darf-nach-Hause-Gewicht“ und sämtliche Mamis, die mit uns auf der Station waren, verließen uns solangsam. Mit neidischen Blicken schaute ich hinter her und saß auf heißen Kohlen.

An diesem einen Abend, der Räuber hatte seine letzte Milch-Raubtierfütterung, hieß es in meine Richtung, „bringen Sie morgen Ihre Babyschale mit und warme Kleidung“. Wir?

Ja! Endlich, es war so weit! Mein Baby durfte nach Hause!

An diesem Abend war ich sehr aufgeregt. Warme Kleidung? Ich hatte keine Ahnung und packte einfach alles ein, was wir bisher hatten. Sicher, ist sicher!

Dort angekommen, lag er angeschlossen an seinem Monitor und schlief. Ich hätte ihn am liebsten geweckt und gebrüllt „du darfst nach Hauuuse!“ Ich war schon fleissig dabei ihn vom Monitor zu befreien, da hiess es „Mooooooment“…

Um die Abschlussuntersuchungen und den Hinweis, sich routinemäßig direkt beim Kinderarzt zu melden, kamen wir nicht drumherum.

Laufen wir schon, oder fahren wir noch? 

Und dann war es soweit…der Räuber lag in seiner Babyschale, das erste Mal! Er sah aus, wie eine kleine Erdnuss in einer riesen Schale. Die Gurte hätte man sicher dreimal um ihn legen können und während ich mir noch Gedanken darüber machte, ob das wirklich safe ist, saßen wir auch schon im Auto.

Also ich saß hinten, weil ich einfach Angst hatte. Wir hätten für diese Strecke normalerweise eine halbe Stunde Fahrtzeit, aber es wurde fast eine Stunde bis wir endlich ankamen. Sicher, ist sicher…!

Baby

Und dann stand die Babyschale auf dem Tisch und wir starrten uns an.

„Was machen wir denn jetzt?“

Aus meiner Freude wurde Angst und aus dieser Angst entwickelte sich direkt leichte Panik. Wir hatten keinen Monitor mehr!

Woher weiss ich, dass es ihm gut geht?

Wie weiß ich denn was er braucht?

Und vorallem, was mache ich denn jetzt mit ihm?

Spielen, kuscheln, bespaßen? 

Ich war komplett überfordert und völlig hilflos. Und ich kann mich noch heute an die erste Nacht erinnern. Wie wohl jede Mutter, habe ich kein Auge zu gemacht und bei jedem merkwürdigen glucksen schoß ich hoch wie eine Rakete.

Ich vergaß zu essen

Der erste Tag war ebenfalls mehr anstrengend, als schön. Ich war komplett unter Spannung. Abgesehen von meinem ständigen abpumpen, vergaß ich zu essen und zu duschen und war mehr um den Kleinen besorgt. Ich mutierte zum Zombie und wahrscheinlich stank ich auch so erbärmlich. Ausserdem war ich gleich am ersten Tag komplett alleine, denn der Urlaub meines Mannes war längst vorbei und ich saß da wie ein Häufchen elend und stellte mir das Mutter sein definitiv anders vor.

Während er eigentlich den ganzen Tag schlief, machte ich mir selbst Druck. Dazu kamen meine ständigen Heulattacken, die ich auf Grund der Hormone noch nicht optimal im Griff hatte. Es war eine Katastrophe! Ich heulte, wenn ich mich freute, ich heulte aus Angst, ich heulte einfach so…ich heulte immer, auch vor dem Postboten, als ich das Päckchen annahm.

Und da ertappte ich mich wie ich dachte “ ich will wieder zurück „. Ich schaffe das nicht! Was ist, wenn er sich verschluckt? Wenn er mir irgendwo hinunter fällt? Was mache ich, wenn er meine Milch nicht trinkt? Woher weiss ich, dass er zunimmt? Schwitzt er, oder friert er?

Die einzige, die schwitzte (und heulte), war wohl ich. Ich ertappte mich dabei, wie ich mehrmals am Tag, wenn ich kein glucksen hörte, schaute, ob er noch atmet.

Völlig Psycho…

Am Ende des Tages hatte ich ein fast durchgehend schlafendes Baby, recht zufrieden, aber ich war mit meinen Nerven völlig am Ende und definitiv urlaubsreif! 

Heute, muss ich über mich lächeln…

Heute, wie auch jetzt, sitze ich lächelnd da und schüttele über dieses Nervenwrack den Kopf, denn damals wusste ich noch nicht, dass ein schlafendes Baby Luxus ist 😉

Wenn ich daran zurück denke, würde ich vieles anders machen. Aber vor allem bei vielem entspannter an die Sache ran gehen. Habt kein schlechtes Gewissen, wenn ihr zum hundertsten Mal eure Hebamme anruft.

Ein kleiner Tipp für die anfängliche Unsicherheit…mir half es zum Beispiel sehr, die Telefonnummer unserer Frühchenstation, der Hebamme, des Kinderarztes usw. zusammen geschrieben auf einen Zettel gepinnt zu haben und sehr wichtig, immer Griffbereit vorliegen zu haben. Das beruhigt ungemein! 

Und das absolute Heilmittel…Kopf abschalten, neben sein Baby liegen, Entspannungsmusik und einfach nur zu sehen, wie sein Baby schläft…Ich habe für euch Tipps zur Frühchen Förderung! 

Eure

Elternblog

 

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