Stell das Baby ruhig, es ist zu laut!

Papa

Stell das Baby ruhig, es ist zu laut! “ mit diesen Gedanken und den dazugehörenden entsetzten und zugleich genervten Blicken der anderen ,saßen Bebi E. und ich in diesem Warteraum, während er lauthals seine Stimme testete und ich zwischen Schweißausbrüchen und einer Wut die langsam in mir brodelte, warteten.


Da saßen wir in diesem Wartezimmer, stickig , heiss, und vor allem voll mit Menschen , die eigentlich gar keine Zeit hatten zu warten. Wir zwei dazwischen, Bebi E. der einzige in seinem Alter und ich, gerade dabei irgendwo unser komplettes Gepäck auf die Seite zu räumen, sodass keiner darüber stolpern kann.

Bebi E. wurde gleich von allen Seiten belächelt, er lächelte fleissig zurück und so hatte er schnell die Herzen der anderen im Sturm erobert. Babys sind ja schließlich süß!

Die Stimmung kippte allerdings relativ schnell, als Bebi E. keine Lust mehr hatte von allen angelächelt zu werden, und stattdessen lauthals, seine Stimme testete, die er neuerdings gefunden hat. Er war der einzige der dabei offensichtlich Spass hatte. Und wie wir alle wissen, es gibt in diesem Alter nur „an“ oder „aus“ , die Lautstärken Regelung für „laut “ und „leise“ kennt Bebi E. noch nicht. Und so saß er da und erzählte in seiner Babysprache lauthals der Rassel seine eigene Geschichte.

Das gefiel offensichtlich nicht jedem. An den Blicken zu erkennen, wurde die Stimmung immer genervter. Zuerst belächelten sie nicht mehr Bebi E. , sondern mich, die Mama. Denn offensichtlich war mein Kind ja ein Schreikind!

Da gibt es also sehr schnell keine Unterschiede mehr, alles was laut ist und nervt ist ein Schreikind. Basta! Und wenn Mama ein Schreikind hat, dann hat sie ihr Kind ja auch nicht im Griff, die arme Mama, das arme Kind. – Ironie off –

Kurze Zeit später, wir warteten (leider) immer noch , schwankte die Stimmung zunehmend. Bebi E. war mit sich selbst beschäftigt , immernoch lauthals der Rassel wohl sein Tagesablauf am erzählen. Ich hatte allerdings ein sehr ruhiges zufriedenes Baby, das sich durchaus mit sich selbst beschäftigen konnte. Das sahen alle anderen jedoch nicht so.

Er störte beim Lesen, und vor allem beim genervten Warten im Wartezimmer! Es ging nicht lange, da fielen dann auch schon die ersten giftigen Blicke Richtung Mama, Bebi E. wurde inzwischen komplett ignoriert. Und ich merkte, wie mir heiss und kalt wurde. Mein Baby war mir sicherlich nicht peinlich, aber die Situation schien zu eskalieren und es wurde mir sehr unangenehm.

Nur was sollte ich tun? Den Raum verlassen? Wo sollte ich denn hin? An der Rezeption entlang tigern, sodass die Damen nicht mehr telefonieren können? Aber warum sollte ich überhaupt flüchten? Ich darf doch hier warten , wie jeder andere auch. Ich befürchtete ich müsste mich auf der Toilette einschließen. Fragen über Fragen die mir binnen Sekunden durch den Kopf schossen , und denen ich im ersten Moment einfach nicht gewachsen war. Schließlich war ich es gewohnt, dass Bebi E. den ganzen Tag erzählt und empfand es bisher als völlig legitim. Und nun saß ich da , und wurde mit meinem „Schreihals“ fast gesteinigt!

Das erste „pssssst“ fiel in Richtung uns, das Bebi E. natürlich komplett ignorierte, er wäre schließlich der letzte , der sich umdreht und sagt „Entschuldigung“. Also ein völlig überflüssiges „psst“, aber zumindest ein Zeichen Richtung Mama, unternimm was! Ich war verzweifelt, ich schwitzte, wir waren immernoch nicht dran und die Dame mit ihrem erneuten „psst“ fraß uns fast auf. Ich entschuldigte mich mit einem netten Lächeln bei ihr, unternahm aber nichts. Und im gleichen Zug ärgerte ich mich über meine Entschuldigung, warum sollte ich mich auch für sowas entschuldigen? Irgendwie sah ich das doch gar nicht ein!

Und paaaam!! während ich mir gerade noch über meine Entschuldigung den Kopf zerbrach , da flog mir auch schon der Satz entgegen “ Stell doch das Baby endlich ruhig, es ist zu laut!“ , fern von jeglicher Anstands Form, gab es plötzlich kein Siezen mehr, und mit einem entnervten Blick schaute mich die „psst“ Dame an und wartete. Ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen und gleich in Tränen auszubrechen, aber da ich gerade das Entschuldigungsproblem hatte, mit dem ich haderte, kam sie genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn DAS sah ich nun absolut nicht ein!

Ich lächelte sie mit einem übertriebenen Lächeln an und antwortete „Sobald ich den „Aus“ Knopf gefunden habe, werde ich ihn für SIE umgehend abschalten“ . Ich war noch nie so sauer!

 

 

 

 

 

7 Kommentare

  1. Oha, wie frech ist das denn!!! Das sind so Menschen, die neben einem Kindergarten bauen und dann bei der Stadt einklagen, dass zwischen 12 und 15 Uhr dort Ruhe herrschen muss…
    Ich meine, klar: wenn man es nicht gewöhnt ist und noch dazu genervt vom Warten, kann das an den Nerven zehren! Aber erstens tut dein Baby es ja nicht, um die anderen damit zu nerven, sondern weil es nun mal völlig natürlich ist, und zweitens gibt es, wie du so schön gesagt hast, nun mal keinen Aus-Knopf. Meine Güte!
    Chapeau, wie du das gelöst hast!

  2. Boah, Menschen gibts, unglaublich. Gute Reaktion Deinerseits. Von mir wäre was im Sinne von „Es heisst Laute, die kann man nicht leise üben.“ oder so gekommen. Aber Ironie versteht ja wieder nicht jeder XD

  3. Wieder mal herrlich geschrieben. Ich glaube, ich wäre auch nicht so ruhig geblieben beim „Psst“ aber „Stell das Baby leiser“ ist ja auch frech und garantiert unüberlegt. Ich finde auch, dass du super reagiert hast.

  4. Einfach unmöglich solche Leute!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Gut gelöst – ich muss zugeben, ich wäre da anders. Hätte mich sicher mit ihr angelegt! Früher war ich immer freundlich und hab gelächelt, auch wenn ich innerlich geschrien habe, aber seit ich Mutter bin und mich schon oft für meine Kleinen einsetzen musste, nimm ich kein Blatt mehr vor den Mund.

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