Eine Stimme für Frühchen

Fruehchen

Heute stelle ich euch Julia und ihr Buch vor, was das genau für ein Buch ist und wieso es mein persönliches Herzensprojekt ist… #Werbung

Eine Stimme für Frühchen“ von Julia Schierhold-Urlichs. Ein Buch, welches ich mir sehr gerne angeschaut und durchgelesen habe, weil es für mich mein persönliches Herzensprojekt ist. Wir beide sind uns sehr ähnlich, denn sie ist ebenfalls Mutter von Frühchen, ihr Mann ist Chefarzt einer Neonatologie Station, so gab es irgendwann den Anlass für dieses Buch. 

Fruehchen

Ihr findet dort nicht nur wunderbare Vorlesegeschichten, sondern auch ganz toll illustrierte Bilder, die anregen für mehr.

Eltern, die jeden Tag in der Klinik vor dem Inkubator verbringen, teilweise ihre Kleinen nicht berühren, oder herausnehmen dürfen, freuen sich darüber ihren Babys tolle Geschichten vorlesen zu dürfen. Was aber viel wichtiger ist, ist die Tatsache, dass es wesentlich zur Entwicklung der Frühchen beiträgt. Die vertraute Stimme der Mutter, oder des Vaters zu hören ist einfach was ganz Besonderes! Ausserdem finden die Eltern im Buch andere Frühchen Eltern, die ihre Geschichten und Erfahrungen erzählen und das, da spreche ich aus eigener Erfahrung, kann sehr hilfreich sein! Ich freue mich sehr, euch dieses wunderbare Projekt von Julia vorstellen zu dürfen. Und übrigens ist das Buch natürlich nicht nur für Frühchen Eltern,  sondern für alle, die gerne Geschichten vorlesen!

Nun gebe ich aber ab an Julia, mit der ich zu ihrem Buch und ihrer Frühchen Erfahrung ein Interview führen durfte. 

 

Du bist selbst Frühchen Mutter, wie war es damals bei dir? Welche Förderungen musstet bzw habt ihr mit euren Frühchen gemacht?

Wir hatten späte Frühchen, so dass man denkt, dass da ja nicht viel „nachkommt“. Und das stimmt auch- die Abgrenzung ist da sehr schwierig. Was kommt von der Frühgeburtlichkeit und was wäre so oder so problematisch gewesen. Unsere Zwillinge hatten mit 5 Wochen eine Pylorusstenose und mussten beide operiert werden. Das war nur etwas kritischer, weil sie ja noch nicht so viel wogen und nichts zuzusetzen hatten und somit sehr schnell an Gewicht verloren haben. Nach der OP nahmen sie nie „gut“ zu. Sie waren 3 Jahre dauerkrank. Immer abwechselnd. Nach 12 Mal Antibiotikum im Jahr haben wir die Reißleine gezogen und die Mandeln heraus nehmen lassen- danach wurde es alles besser.

In den ersten 1,5 Jahren hatten die beiden 3 Mal pro Woche Krankengymnastik und der eine hatte zusätzlich noch Craniosakraltherapie.
Später gab es für einen Logopädie, aber eher, weil er lispelte – da kam raus, dass er eine „Überkreuzschwäche“ hatte und b und d auch verwechselte. Das wird vermutlich ein Resultat der Frühgeburtlichkeit sein. Aber das ist mittlerweile – die beiden sind 13- total verwachsen.

Fruehchen

Wielange waren deine Frühchen auf der Station?

Das mag ich gar nicht erwähnen, weil es für viele so harmlos ist. War es übrigens auch….eine Woche. Wir haben die beiden nach Hause bekommen, als sie ihre Temperatur halten konnten, die Sättigung stabil war (einer hatte damit etwas Probleme). Wir haben nicht mit den Zwillingen diese Horrorkrankenhauszeit hinter uns, sondern eben mit unserer Großen, die an einer therapieresistenten Epilepsie mit lebensbedrohlichen Ereignissen leidet.

Anlass deines Buches war die Zeit auf der Station etwas „schöner“ für Eltern und Kind zu gestalten, bzw. der Stimme Präsenz zu schenken, welche Auswirkungen hat das auf die Frühchen?

Nachweislich reagieren Frühchen auf die Stimme der Eltern.
Stellt euch vor, ihr werdet angerufen und eine wohlbekannte Stimme sagt: „Hallo mein Schatz! Ich bin auf dem Weg zu Dir und dann verbringen wir Zeit und kuscheln! Ich liebe Dich und bis gleich!“
Was bewirkt das in uns???? Und genau so empfinden natürlich die kleinen Frühstarter, wenn sie ihre Eltern hören.

Frühchen
Sie sind ruhiger und wenn die Stimme der Eltern positiv klingt, gut gelaunt, voller Mut….dann bewirkt es etwas. Die Kinder spüren eine positive Stimmung und nehmen sie auf. Die positive Energie kommt dem Wachstum, der Beatmung und dem gesamten Stoffwechsel zugute.

Welche Tipps zur Frühchen Förderung hast du für Eltern? Was ist wirklich sinnvoll?

Bei dieser Frage muss ich sehr schmunzeln – so als Waldorfler. All unsere Kinder sind an einer Waldorfschule bzw einem Waldorfkindergarten und das aus gutem Grund. Dieser Druck, der heutzutage auf Kinder ausgeübt wird….puh.

Rein intuitiv schoss mir als Antwort ZEIT ein!

Also natürlich sollte man bei Defiziten individuell und wenn möglich ganzheitlich fördern. Es gibt nicht nur ein Symptom, sondern das ganze Kind! Das muss gesehen werden.

Fruehchen

Aber jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Meine Krankengymnastin empfahl mir damals ein Buch, das glaube ich hieß: „Gib mir Zeit“. Manche Sachen sind gar nicht auf das Frühchendasein zurückzuführen- sondern manche Kinder sind einfach auch Bewegungslegastheniker 😉 und wenn man es vermeidet, an der Mütterolympiade teilzunehmen, ist man schon auf einem guten Weg.

Hört auf euer Bauchgefühl. Meines hat mir immer richtig angezeigt, wenn der Punkt kam, dass etwas nicht stimmt und wir aktiv werden mussten.

Die Klassenlehrerin meiner großen Kinder hat noch in der 7. Klasse auf Elternabenden betont, wie wichtig das Vorlesen ist! Es fördert die Phantasie, es bildet und es verknüpft die Verbindungen im Gehirn. Das Vorlesen ist irre wichtig. In jedem Alter. Also lest, lest, lest, lest (wer auch im Kleinkindalter wissen will, was wir so an Büchern verschlingen (der 3jährige ist ein Bücherwurm), kann sich einfach an mich wenden.

Geht mit den Kindern in die Natur. Lasst ihren Freiraum, Bäume klettern, Schmutz in den Hosen- und Wangentaschen und spielen, spielen, spielen.

Wie geht es deinen Kindern heute, und wie hast du diese Zeit verarbeitet?

Unseren Frühchen geht es blendend. Nach der Mandel-OP mit 3 Jahren wurde die Gesundheit schlagartig besser. Seitdem sind die mal erkältet oder so, aber nicht mehr bei jedem Infekt schwer krank.
Es war bei beiden Jungs aber tatsächlich so, dass sie lange auf piepende Geräusche reagierten und vor allem niemanden an ihren Kopf ließen (HNO war ein Drama….)

Unser Sorgenkind ist immer noch eins und die Zeit habe ich sehr schwer verarbeitet (ich stecke ja auch noch mitten drin, da sie erst im letzten Monat einen Anfall hatte, der wirklich dramatisch war). Die 8 Monate Krankenhaus am Stück in 2009 prägen mich- uns- bis heute. Die Süße weigert sich zB bis heute, in die Stadt zurück zu kehren, wo wir so lange waren.
Ich habe damals Tagebuch geschrieben und es mir später als Fotobuch binden lassen. Das hat sehr geholfen und es wird tatsächlich häufiger hervor geholt!

Fruehchen

Wird es weitere wunderbare Geschichten geben?

Ja. Das hoffe ich doch! Ich hab da auch schon ein paar Ideen!


Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Buchautorin Julia Schierhold-Urlichs, herzlichen Dank hierfür, eine absolute Herzenssache! Ihr findet sie übrigens auf Facebook

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