Weshalb ich das Tagebuch meiner Tochter lese

Tagebuch lesen

Meine Gastautorin Katja erzählt, wieso sie das Tagebuch ihrer Tochter liest und warum dieses Tagebuch etwas ganz Besonderes ist…


„Hallo Mami! Das Atmen fällt mir noch etwas schwer, aber die Maske auf meiner Nase hilft mir dabei. Damit es mir nicht kalt ist, liege ich in einem Inkubator mit 33 Grad Celsius Lufttemperatur. Freue mich auf Dich.
Ich hoffe wir können uns bald wieder sehen, wir kämpfen beide!
Frauenpower“

Das war der erste Gruß meiner Tochter Mona aus dem Krankenhaus. Nachdem sie, sechs Wochen zu früh, per Kaiserschnitt geholt wurde, kam ich aus gesundheitlichen Gründen in ein anderes Krankenhaus. Und Mona checkte auf der Neugeborenen Intensivstation ein.

Ich fühlte mich betrogen…

Drei Tage waren wir voneinander getrennt. Drei unendlich lang wirkende Tage, in denen ich immer wieder das Foto meiner Tochter betrachtete.
Doch nach drei Tagen wurde ich zurück verlegt. Zurück auf die Wochenstation in dem Krankenhaus, in dem meine kleine Mona aufgepäppelt wurde. Ich fühlte mich betrogen um das so wichtige erste Beschnuppern und die Kennenlernzeit. Zwar hatte mein Mann die Schmuseeinheiten übernommen. Aber ich nicht. Das zerriss mir fast das Herz. Umso schöner war die Überraschung der Schwestern von der „Pflegegruppe 44“!

Tagebuch lesen

„Willkommen auf der Welt!
10. Februar 2017, 16:47 Uhr
Geburtsgewicht: 1.980 Gramm
Länge: 42 cm
Kopfumfang: 32 cm…

…Du hattest es heute Nachmittag ganz schön eilig. Du hast Wehen bei deiner Mama ausgelöst und deshalb wurdest du per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Das Atmen fällt dir noch etwas schwer, deshalb helfen wir dir dabei.
Jetzt schläfst du in einem Inkubator, der 34 Grad Celsius warm ist!“

Tagebuch lesen

So beginnt das Tagebuch, das die Schwestern für mein kleines Mädchen führten. Bis zu ihrer „Überführung“ in die Kinderklinik schrieben die betreuenden Schwestern immer wieder die Erlebnisse auf, die sie mit Mona hatten. Eigentlich war Mona für diese Geste zu alt. Die Schwestern erklärten mir später, dass sie solche Tagebücher eigentlich für geborene Frühchen bis zur 32 Schwangerschaftswoche führen. Doch weil wir so einen unglücklichen Start hatten und uns nicht sehen konnten, wollten mir die Schwestern damit eine Freude machen. Und das war ihnen gelungen!

Das Tagebuch meiner Tochter ist was ganz Besonderes!

So verschlang ich geradezu die Tagebucheinträge. Zum Beispiel, wie Oma und Opa direkt nach der Geburt zu Besuch waren. Oder wie Papa am 12. Februar bei der Pflege half und anschließend Kuschelstunde mit Mona hatte.

Wir feiern 2.000 Gramm!

Am 16.Februar wurde gefeiert. Über dem Inkubator hing ein Luftballon. Darauf stand „2.000 Gramm“. Mona hatte nun ihr Geburtsgewicht überschritten. Und nicht nur das – auch die Atemhilfe wurde entfernt. Das schrieb die Schwester natürlich auch sofort in das Tagebuch. Der letzte Eintrag von Monas Aufenthalt auf der Intensivstation kam dann am 22. Februar:

„In den letzten Tagen ist ziemlich viel passiert: Du bist umgezogen in ein Wärmebettchen und trägst jetzt eigene Kleidung, die dir sehr gefällt. Du wiegst 2.040 Gramm und trinkst schon 40 ml aus der Flasche.
Kopfumfang: 32 cm
Länge: 42 cm“

Tagebuch lesen

Am 28. Februar durften wir unsere Mona schließlich aus der Kinderklinik mit nach Hause nehmen. Seitdem genießen wir unser Familienglück in vollen Zügen! Mit ihren 8 Wochen hat sich unser kleines Mädchen auch prächtig entwickelt.

Sie ist nun 52 cm groß und wiegt 3.700 Gramm. Die Kuschelstunden mit Mama und Papa genießt sie in vollen Zügen, ihr Köpfchen kann sie auch immer besser anheben und sie strampelt sich (vermutlich eher zufällig) quer über ihre Krabbeldecke. Wenn sie so weitermacht, flitzt sie uns schon bald durch die Bude!

Mona und ich hatten einen schweren Start. Doch es hätte viel schlimmer sein können! Wir sind glücklich, dass alles gut ausging und Mona gesund ist!

Besonders dankbar bin ich den Schwestern und Ärzten, die sich wunderbar um uns gekümmert hatten. Und die Kleinigkeiten, wie das Tagebuch und der Luftballon zu den 2.000 Gramm waren für meinen Mann und mich eine große Stütze, die uns während der Zeit im Krankenhaus Zuversicht und Freude schenkten!


Dieser Gastartikel entstand von der lieben Katja, vom Blog hochzeit-familie-kind.de ,herzlichen Dank hierfür!

1 Kommentare

  1. Liebe Katja,

    trotz aller Traurigkeit ist das eine sehr schöne Geschichte. Es freut mich, dass es solche Schwestern gibt, die einem in einer solch schwierigen Situation helfen.

    Unser Sohn kam auch 4 Wchen zu früh per Kaiserschnitt zur Welt. Er musste ebenfalls beatmet werden, lag im Wärmebett, hatte 2x Gelbsucht, erreichte sein Geburtsgewicht nicht. Ich hatte einen sehr hohen Blutverlust erlitten und später teilten die Ärzte mir mit, sie hätten sich mehr Sorgen um mich als um das Baby gemacht… Entsprechend schwach war ich aber auch und habe es erst am zweiten Tag geschafft, ein paar Minuten mit meinem Sohn zu verbringen, der ja im Wolkennest lag, an Überwachunsmonitore angeschlossen.

    Nach 12 Tagen dürften wir endlich nachhause. Vorher hat mich mein Mann mit Videos von unserem Sonnenschein versorgt. Leider gab es bei uns in der Klinik nicht ganz so viel Verständnis, da es ja noch viel schlimmere „Fälle“ gab. Das ist auch durchaus richtig, denn unser Sohn schwebte zumindest nicht in Lebensgefahr. Dennoch hat auch mir das Geburtserlebnis und die anschließende gemeinsame Zeit gefehlt.

    Noch heute habe ich daran zu knabbern, wenn ich es jemandem erzähle.

    Unsere Tochter ist übrigens wieder ein Kaiserschnitt. Sie dürfte ich aber gleich begrüßen und beschnuppern

    Vielen Dank für deine Erzählung. Es hat mir sie Tränen in die Augen getrieben. Ich hoffe, euch geht es gut.

    Ganz liebe Grüße
    Melanie

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