Was bedeutet känguruhen für Mutter und Kind?

Fruehchen

Was genau ist eigentlich känguruhen? Und wieso ist das so wichtig? Was das für die Eltern und das Kind bedeutet, möchte ich euch anhand meiner Erfahrungen gerne schildern…


Känguruhen ist ein, nennen wir es, Förderprogramm, für Frühchen und Eltern. Und eine Therapieform, die sich inzwischen sehr etabliert hat! Unser Räuber profitierte damals sehr vom Känguruhen.

Was ist ein Frühchen?
Als Frühchen bezeichnet man Babys, die vor der 37 Schwangerschaftswoche geboren werden. Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe. Aber alle haben sie eines gemeinsam: Sie kämpfen ums Überleben und sind wahre Helden!

Wir Eltern haben hierbei eine wichtige Aufgabe, nämlich unsere Kämpfer schon von Beginn an zu unterstützen und zu fördern. Das ist oft alles andere als einfach, denn auch als Elternteil ist man zunächst mit der Situation völlig überfordert, hat Ängste und Sorgen und man weiß nicht so recht, wohin damit.

Fruehchen

Auf den sogenannten Neonatologien, Intensivstationen, gilt es hierbei, die Eltern von Beginn an gleich in die Versorgung des Babys mit einzubeziehen und Aufklärung zu leisten, was in der heutigen Zeit größtenteils inzwischen gut umgesetzt wird. Unter anderem durch das sich etablierte, sogenannte känguruhen.

Wie genau funktioniert Känguruhen?
Beim Känguruhen liegt ein Elternteil mit seinem Frühchen, auf einem Liegestuhl. Wichtig ist hierbei, sein Baby auf der Brust liegen zu haben, optimal natürlich Brust an Brust, das heisst ohne Kleidung. Das Baby liegt also nur mit einer Windel bekleidet auf dem jeweiligen Elternteil.

Was steckt hinter dieser Therapieform?
Frühchen, hierbei völlig egal, ob Extremfrühchen oder Frühchen, brauchen dringend die Nähe und die Wärme des Elternteils. Wichtig ist es, dass das Baby den Herzschlag des Elternteils spürt, zum Einen weil es diesen bereits aus dem Bauch der Mutter heraus kennt, zum Anderen weil es sehr beruhigend wirkt.

Wenn man sich vorstellt, was so ein kleines Wesen, bei einer Geburt alles mitmacht und erlebt und von was Frühchen sofort direkt umgeben sind – von Kabeln, fremden Stimmen, Geräuschen und Gerüchen – dann kann man sich leicht vorstellen, wie heftig das ist für so ein Würmchen! Oftmals bekommen Eltern ihre Frühchen Babys auch nicht gleich zu Gesicht, sondern erst nach Stunden und das spürt so ein kleines Wesen leider auch.

Känguruhen = Entspannen
Also heisst es dringend, entspannen! Beziehungsweise Känguruhen! Und das schon direkt auf der Intensivstation, je nach Gesundheitszustand des Babys natürlich. Im Optimalfall wird der Liegestuhl direkt neben den Brutkasten platziert, sodass auch verkabelte, an den Monitor angeschlossene Kinder, ohne Probleme, bei ihren Eltern auf der Brust liegen können. Besonders schön ist es, wenn das Licht gedimmt werden kann und der Raum etwas geschlossen ist, aber das ist natürlich abhängig von den jeweiligen Intensivstationen und den räumlichen Beschaffenheiten.

Brutkasten

Sofort Sichtbarer Erfolge
Teilweise kann man sogar schon während dem Känguruhen, die Vorteile beobachten! Je nachdem, ob das Baby währenddessen verkabelt ist, wird auf dem Monitor zum Beispiel die Sauerstoffsättigung und auch die Herzfrequenz angezeigt. Durch das gleichmäßige, ruhige Atmen der Mutter, und dem regelmäßigen Herzschlag, wird das Baby ebenfalls ruhiger, beginnt sich zu entspannen und die Sauerstoffsättigung nimmt zu, was man auf dem Monitor mitverfolgen kann. Das Baby sagt einem quasi „ich fühle mich pudelwohl„. In unserem Fall konnten wir durchaus mehrfach beobachten, wie sich alle Frequenzen nach Minuten stabilisierten.

Aber nicht nur für das Baby hat das Känguruhen Vorteile, auch die Eltern profitieren von dieser Therapieform. Denn die körperliche Nähe nimmt die anfänglichen Berührungsängste und stärkt die Bindung zum Kind. Durch den engen Hautkontakt wird bei der Mutter die Milchbildung gefördert. Aber das wichtigste ist: Du lernst dein Baby kennen, und das Baby lernt dich kennen!

Viel Spaß beim Känguruhen, genießt es!

Der Räuber hat das hier mal aus seiner Sicht geschrieben!

Eure

Yvi

 

2 Kommentare

  1. Gottseidank hatte ich keine Frühchen, sondern „Spätchen“. Auch nicht schön, aber wenigstens waren sie vollkommen entwickelt.
    Das Känguruhen ist eine feine Sache und ich wundere mich, dass das nicht selbstverständlich ist.
    In Peru gibt es einen Mangel an Brutkästen und so legt man die Frühchen oft nebeneinander in ein einen Kasten oder Bettchen. Und man hat auch hier festgestellt, dass die Nähe eines anderen Wesens den Neugeborenen gut tut.
    Der Mensch braucht halt immer noch einen anderen Menschen.
    LG
    Sabienes

    • Liebe Sabienes,

      leider ist das känguruhen noch nicht selbstverständlich und
      bedarf noch an viel mehr Aufklärungsarbeit und Entwicklung.
      Natürlich ist es auch immer vom Gesundheitszustand des Kindes
      abhängig, ob und wielange ge-känguruht werden darf. Aber in vielen
      Gesprächen mit Frühchen Müttern musste ich bereits feststellen, dass es leider
      doch noch nicht allzu bekannt ist!

      Liebe Grüße

      Yvi

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