Was ist High need? Tatsache oder Modeerscheinung?

high need

Ein umstrittener Begriff ist derzeit high need, aber was ist high need? Ich nehme ihn für euch genauer unter die Lupe. Welche Kriterien gehören dazu? Und gibt es das wirklich?


Derzeit lese ich viel, über die sogenannten „high need Kinder„. Es werden Artikel verfasst, von oft verzweifelten, überforderten Müttern, die ihr Kind als solches einstufen.

Aber was hat dann das Kind eigentlich für „Probleme“? Und gibt es Grenzen, ab wann ein Kind ein high need sein soll, und ab wann es noch tolerierbar ist?

Es schreit, schreit andauernd, es ist nervös, hibbelig, schläft schlecht, hyperaktiv und hochsensibel. Ein absolutes Tragebaby. Ein sogenanntes high need Kind. Ein Kind, das fordernd ist, von Geburt an. Aufgezählte Punkte, die offensichtlich ein high need Kind beschreiben sollen. 

Kann ein Kind von Geburt an fordernd sein?

Aber Moment mal…von Geburt an? Der Charakter eines Kindes bildet sich erst im Laufe der Jahre, ein gewisses, bzw. spezielles Temperament ist erblich aber bereits angelegt.

Also kann ein Kind dann von Geburt an, fordernd sein und somit ein „high need“ Baby, oder alles totaler Schwachsinn und reine Erziehungssache

Dr. Sears hat sich mit „high need“ auseinander gesetzt und 12 Kriterien verfasst.

High need

 

Nun stellt sich mir aber die Frage, wie ich mein Kind einstufen soll? Erst, wenn es alle Kriterien erfüllt hat? Gibt es ein Härtegrad dafür? Oder kann somit jede Mutter, die sich in bestimmten Situationen überfordert fühlt, ihr Kind einstufen?

Also wäre der Begriff dann somit abhängig, von der Geduld, der Ausdauer und den Nerven der Mutter!?

Ihr seht Fragen über Fragen, die leider nicht geklärt werden können. Sucht man nach diesen Begriff kommen höchstens unzählige Blogeinträge von oft verzweifelten Müttern. Es ist also kein anerkannter Begriff, der eine medizinische Diagnose darstellt.

Und somit sehe ich persönlich diesen Trend sehr skeptisch an. Für mich ist dieser Begriff schlicht ein Modebegriff, und ein Überbegriff, für gewisse Symptomatiken, die manche Kids einfach verstärkt aufzeigen.

Schreikinder, ADHS Kids, Traglinge...zum Beispiel.

Dem Horror wird ein Überbegriff gegeben

Es ist also schlicht einfacher, dem Horror quasi einen Überbegriff zu geben. „High need“.

Für die gestresste, überforderte Mutter, die vielleicht ein etwas anstrengenderes Kind hat, als andere, ist es somit einfacher, dass Kind unter diesem Begriff einzuordnen und sich mit verschiedenen Problematiken eventuell gar nicht erst auseinander zu setzen.

mamasdaily

 

Und genau darin sehe ich das Problem, an diesem Überbegriff!  Mütter befassen sich somit nicht mehr im Einzelnen mit den ernst zunehmenden Problemen ihrer Babys, sondern fertigen diese unter dem Begriff high need ab.

Aber ist das die Lösung? Geht es Mutter und Kind dann besser?

Betrachtet man die Kriterien, die Dr. Sears auflistet (oben im Bild zusammen gefasst), dann sind wir mal ehrlich.. sind das alles völlig normale Verhaltensweisen eines Babys, welche nun manchmal im Einzelnen einfach verstärkt vor kommen.

Völlig normale Verhaltensmaßnahmen! 

Leider ist es mir immernoch völlig unverständlich, wie man als betroffene Mutter sein eigen Fleisch und Blut als nicht normal bezeichen kann, sich wundert, weshalb das Kind keinen Schnuller nehmen möchte. Mütter, die für ihre Extrastrapazen belohnt werden möchten, und wir reden immernoch von normalen Verhaltensmaßnahmen eines Babys, beziehungsweise der natürliche Instinkt.

Brauche ich dafür Applaus? Und flüchte mich in einen Überbegriff? Oder ist es vielleicht einfach durchaus legitim, dass ein Kind nun  mal schreit? Nun, frage ich mich dann immernoch, was bringt dieser Begriff dem Kind? Was bringt es der Mutter bzw. dem Vater? Hier eine nähere Erläuterung dazu!

Also warum sich dann nicht selbst eingestehen, dass eventuell auch ein Kind zu viel sein kann und sich lieber professionelle Hilfe suchen und in Anspruch nehmen, als das Kind einem Überbegriff zu zu ordnen?! Das ist keine Schande! Aber eine Lösung!

Überforderung eingestehen, ist keine Schande, aber eine Lösung! 

Mit diesem Begriff „high need„, ist zumindest für die Mutter die Sache erledigt, sie hat sich für ihre Überforderung eine Zuordnung geschaffen. Das eventuelle Problem des Kindes, ist jedoch nicht gelöst und am wenigsten kann das Kind etwas dafür.

Nun, was ich letzendlich mit diesem Artikel aufzeigen möchte, ist die Problematik von diesem Trend. Kinder werden abgestempelt, als anstrengend und als offensichtlich „nicht normal“ bezeichnet.

Mütter machen es sich inzwischen recht einfach, mit ihrer überforderten, hilflosen Situation abzuschließen und die high need Schublade aufzumachen. Aber das ist nicht die Lösung zum Problem!

Stillberaterin und Ergotherapeutin Patricia L. sieht das ähnlich, und äußert sich in einem Bericht darüber.

Fazit:

Trend oder nicht? Modeerscheinung? Oder ein Anker, für Eltern, die anstrengende Kinder haben? Egal, was es auch für euch sein mag, ich apelliere trotzdem an alle und vorallem an jene, die meinen high need Kinder zu haben, vorsichtiger mit diesem Begriff umzugehen. Sich zu überlegen, ob es Sinn macht, diesen zu verwenden und wenn ja, ab wann ich mein Kind high need nennen möchte, nicht jede schlaflose Nacht ist gleich high need.

Und bitte, bitte denkt daran, all eure Kinder sind normal! 

Wie wir unser Kind erziehen, und an welcher Erziehungsform wir festhalten, das lest ihr hier

mamasdaily

 

Eure

mamasdaily

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20 Kommentare

  1. Liebe Ivy, ich gehe fast davon aus dass du für diesen mutigen Text einen shit Storm ernten wirst. Um so mehr freue ich mich die erste Kommentatorin zu sein! DANKE für deine kritischen Überlegen und deine gut begründete Stellungnahme. Ich habe selbst ein chronisch krankes und schwer behindertes Kind. Im angolamerikanischen Sprachraum wird hier von Special needs children gesprochen statt von behinderten Kindern. Deshalb bin ich schon vorlängerem über diesen neuen „Mode“ Begriff gestolpert und musste mich wundern.
    Es zerreißt mir das Herz wie viele gesunde nur im Alltag fordernde Kinder mit solchen pathologischen Etikettierungen versehen werden. Dieser Wettkampf wer es am schwersten hat finde ich furchtbar. Wenn man immer wieder um das Leben des eingenen Kindes bangen muss und die Zukunft ungewiss ist, ist das schwer nachzuvollziehen und ich kann angesichts solcher Begriffe nur den Kopf schütteln und hoffe das legt sich bald wieder. Jedes Kind ist auf seine Weise eine Herausforderung es wird einfacher wenn man als Eltern zusammen arbeitet und unterstützt als sein Kind zu ettiketieren und damit hervor zu heben von klein an.

    • Liebe Verena,

      das macht den Blog aus, nicht nur nicken und mit dem Strom schwimmen, sondern auch mal Meinungen und Kritik äußern!

      Ich danke dir für deine Meinung, du sprichst mir aus dem Herzen, genau so sehe ich das auch.
      In diesem Trend, wird leider nicht berücksichtigt, dass es kranke Kinder/Babys gibt, die ums Überleben kämpfen und die man wirklich begründet fordernd nennen kann.
      Im Endefekt ist es, wenn man jenes vergleicht, jammern auf hohem Niveau. Hierbei dann die eigenen Kinder als „nicht normal“ zu bezeichnen, stört mich sehr.

      Liebe Grüße

      Yvi

  2. Hallo, vielen Dank für deinen ehrlichen und offenen Bericht. Ich bin Mutter von drei Kindern, die aber schon lange aus der Babyphase heraus sind. Ich liebe jedes einzelne meiner Kinder über alles und ja ich gebe zu, das es immer mal wieder Phasen gibt wo man als Mutter überfordert ist. Der Jüngste war ein Schreikind und eine Tragekind, aber ihn deswegen in eine Kategorie zu stecken, da wäre ich nie darauf gekommen. Oft stecken dahinter wirklich nur Kleinigkeiten die man verändern muss, sei es den eigenen Tagesablauf, sei es die Zeit die das Kind zum trinken braucht usw. . Aber Babys haben noch keinen Willen, sie handeln bedürfnisorientierend. Ich finde es ganz schrecklich das für alles ein Begriff gefunden werden muss, mir scheint es so als solle es nur eine Begründung sein um ja nicht nach Lösungen zu suchen.

    • Hallo 🙂

      Ich danke dir für deine Meinung!
      Es gibt eben Mütter, für die dieser Überbegriff eine Lösung darstellt..
      Aber wie du sagst, oft sind es wirklich die Kleinigkeiten, die evtl zur Lösung führen, wenn sie geändert werden!

      Liebe Grüße

      Yvi

  3. Ich hatte wohl auch so ein „High-Need“-Baby und wir haben diese Zeit nur mit sehr, sehr viel Humor ertragen.
    Inzwischen ist er erwachsen und ein gut gelaunter, gelassener junger Mann. Aber ich möchte diese ersten Monate und Jahre nicht noch mal erleben müssen.
    LG Sabienes

    • Das glaube ich dir gern!
      Es gibt eben einfach Babys, die anstrengender sind, als andere…
      aber deshalb gleichen einen Begriff darüber zu werfen..

  4. Liebe Autorin,

    deine These, dass sich Eltern mit dem „Stempel“ abfinden, diesen als Lösung empfinden und sich entspannt nach hinten lehnen, vermag ich nicht zu teilen und habe ich im Freundeskreis auch nicht feststellen können. Auch ich war natürlich bisweilen mit der (neuen) Situation mit einem Neugeborenen überfordert und habe recherchiert, wenngleich mein Kind letztlich kein high need Kind war. Dennoch war ich manchmal verzweifelt und brauchte kurzweilige Antworten und Lösungsansätze. Dass eine „wissenschaftliche“ Einordnung an sich keine Lösung im Alltag bietet, ist klar. Die aufgezeigten Hilfsmittel von Sozialpädagogen, Kleinkindspezialisten oder Ärzte muss man selbst fur sich und sein Kind testen und umsetzen und ich denke, dass versucht man auch, wenn man schon die Kraft aufbrachte, sich zu informieren.

    Selbstverständlich gibt es Lebenssituationen mit kranken Kindern, die nicht vergleichbar sind. Aber das sind jegliche Lebenssituationen und ich würde Müttern, die mit den Bedürfnissen eines Babys zunächst überfordert sind, keinen Vorwurf machen wollen, weil sie „jammern“. Das finde ich respektlos, denn jedes Elternteil versucht doch ganz sicher, immer wieder aufs Neue, die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und zu stillen.

    • Liebe Julia,

      danke für deinen Beitrag.
      Ich setze mit diesem Artikel keinen Stempel auf,
      ich versuche mögliche Problematikem mit diesem Begriff aufzuzeigen.
      Mit diesem Überbegriff werden Kriterien zusammen gefasst, allerdings werden hierbei nicht unbedingt pädagogische Ratschläge gegeben, die Eltern umsetzen könnten, sowie bei anderen „Problemen“ . Letzendlich ist es ein Rettungsanker. Aber ist das die Lösung? Ist Eltern geholfen, wenn sich selbst einem Begriff unterordnen?

      Liebe Grüße

      Yvi

  5. Liebe Yvi,
    Mein Sohn ist 10 Monate. Und er ist anders. Er hat von Anfang an soviel mehr gefordert. Jede Sears Kategorie trifft zu. Ich habe kein Kind im Umfeld, dass auch nur im Ansatz ähnlich tickt. Ich respektiere kritische Sichtweisen, empfinde es aber als anmaßend zu behaupten, dass man es sich mit einem Stempel leicht macht. Das Gegenteil ist der Fall. Kaum einer hat je vom Begriff HN gehört, es sei denn er hat sich intensiv mit den besonderen Bedürfnissen auseinandergesetzt und wahrscheinlich etliche Hilfe, meist ergebnislos, konsultiert. Einige Worte die Du nutzt empfinde ich im Übrigen als negative Stigma die vorgeben ein Baby sei nicht normal: Schreibaby (ist halt so? grundlos? geht irgendwann von allein weg?), schwierig (vs. normal einfach?). Und Tragebaby fällt nun ganz aus der Reihe, da der Mensch naturgemäß Tragling ist. Mein persönliches Unwort ist übrigens Koliken – kein ‚Kolik-Baby‘ hat mehr Gas im Bauch. Da gibt es Studien zu. Also doch ein anderes Naturell?
    Glaub mir, ich kenne so viele, die Weinen IMMER mit Bauchschmerzen begründen statt das wahre Bedürfnis zu suchen und darauf einzugehen. Mütter die den Ausdruck HN nutzen befassen sich wohl weitaus häufiger intensiv mit der Situation. Ein paar schwarze Schafe gibt es immer, aber das ist wohl die Minderheit.
    High Need gibt es. Und ja, es ist normal, geschätzt sind 10% aller Babys so.
    Im Übrigen kann ich verstehen, dass nicht HN Mütter an der Existenz von HN zweifeln. Ich kenne niemanden ohne HN der wirklich nachvollziehen kann, wie anders es ist. Wie auch?!

    • Danke, liebe Anna! Für deinen wundervollen Kommentar! Du sprichst mir aus der Seele! Keiner, der selbst nicht so ein Baby hat, kann das nachvollziehen! Ich habe vier Kinder und mein viertes Kind ist ein Kind mit sehr sehr hohen Bedürfnissen. Ich habe die Vergleichsmöglichkeit und kann sagen, dass das was bei uns zur Zeit zu Hause Alltag mit Baby ist, ist nicht normal. Und ich habe alles versucht und ich mache und tue jeden Tag aufs Neue und suche jeden Tsg nach Lösungen. Und das seit 4 Monaten. Und Verbesserungen gibt es nur winzig kleine, je älter meine vierte Tochter wird. Jede Mutter, die ihr Baby liebt, möchte nur das beste für Ihr Baby und für die Familie. Von daher sollten wir endlich aufhören andere Mütter und Väter zu verurteilen oder ihre Bedürfnisse nicht ernst zu nehmen. Anstatt zusammen zuhalten, geht man noch aufeinander los… Man kann nur Situationen nachvollziehen, wenn man selbst genau in diesen Situationen war. Ansonsten darf und sollte man gerne Mitgefühl zeigen und Hilfe anbieten. Jeder nimmt positive und negative Momente anders wahr. Jeder.

      • Liebe Janina,

        in diesem Beitrag geht es nicht darum, andere zu verurteilen und gegeneinander, statt miteinander zu demonstrieren.
        Es ist das Aufzeigen einer möglichen Problematik mit diesem Begriff. Es mag sein, dass du so empfindest, eines zu haben und dich in diesen Begriff kategorisierst.
        Allerdings ist es ebenso völlig legitim zu sagen, „es ist ein Modebegriff“ das ist meine persönliche Meinung, die man durchaus auch akzeptieren sollte. Und hierbei brauche ich selbst kein High need Baby zu haben, das werde ich auch nie haben, denn ich selbst stufe mich nicht in diese Kategorie ein, egal wie anstrengend es manchmal auch vielleicht sein mag. Jedoch sage ich durchaus gerne, was ich davon halte und worin ich die Problematiken sehe.

        Liebe Grüße

        Yvi

        • Also wenn man Kategorien grundsätzlich ablehnt ist das eine Meinung die ich gern akzeptiere.
          Selbst den Begriff ‚Schreibaby‘ zu nutzen, der ein Baby auf ein Verhalten reduziert und aus einer Zeit stammt in der die Erwartung war, dass ein Baby sich still und leise einzufügen habe und nach der Uhr gefüttert werden und auch so schlafen soll, widerspricht dem und ist nicht stimmig.
          Eine Frau mit 4 (!) eigenen (!) Kindern halte ich dann – verzeih mir – für eine vertrauensvollere Person die Situation und die Babies richtig einzuschätzen.
          Den heftigen Alltag der ‚über das normale weit hinaus geht‘ als ‚Modebegriff‘ abzustempeln verletzt viele zutiefst. Mir ist das schnuppe, denn ich selbst hätte es mir vorher auch nicht vorstellen können. Du kannst es halt nicht besser wissen.

          • Anna,

            hier geht es doch nicht darum, wer vertrauensvoller wirken muss bzw. soll, oder wer nicht. Du musst ja meine Sicht der Dinge nicht annehmen. Natürlich gibt es Menschen, die finden diesen Artikel anmaßend und fühlen sich (zu unrecht) angegriffen. Hingegen gibt es aber durchaus die Mehrheit, die zustimmend und dankend den Beitrag gelesen hat.
            Weil es eben nicht darum geht, wer wieviele Kindr hat, wer sich es „leisten“ kann eine Meinung abzugeben. Diese darf grundsätzlich jeder abgeben und ich gebe hier zu dieser Thematik keine pädagogischen Ratschläge, die mir nicht zustehen würden, nein! Es geht nur darum eine Meinung zu äußern, meine Sicht der Dinge zu schildern und vorallem auch eventuelle Problematiken darzustellen.
            Und da sehe ich, viele darin!
            Nicht jeder muss mir zustimmen und das ist such durchaus in Ordnung so. Was ich allerdings nicht in Ordnung finde ist die Tatsache, mir Unterstellungen zu bringen, und zu behaupten ich könne bzw. dürfe mich so nicht zu der Thematik äußern. Wieso nicht? Weil es bisher nur Pro Beiträge gab? Weil bisher noch niemand eine mögliche Problematik aufgezeigt hat und diese Thematik in Frage stellte?

  6. Liebe Yvi,

    es geht nicht darum, dass du dich mit dieser Thematik beschäftigst und auch die eventuelle Problematik, die damit verbunden sein könnte, hinterfragst. Es geht darum, dass du Müttern, die ihre Kinder als High Need Kinder bezeichnen oder einschätzen würden, „unterstellst“, dass sie lediglich ein vielleicht etwas anstrengendes Kind haben und den Begriff dankend annehmen würden, um sich eventuell nicht mehr mit den verschiedenen Problematiken, die das Baby aufzeigt, auseinandersetzen würden.. Ich zitiere dich: “ Für die gestresste, überforderte Mutter, die vielleicht ein etwas anstrengenderes Kind hat, als andere, ist es somit einfacher, dass Kind unter diesem Begriff einzuordnen und sich mit verschiedenen Problematiken eventuell gar nicht erst auseinander zu setzen.“

    Und so ähnlich geht dein Artikel weiter. Und diese Aussagen finde ich anmaßend, da du so mit über diese Mütter urteilst, obwohl du nicht weißt , inwiefern Lösungen gesucht werden etc. und in wiefern Hilfe und auch professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird.

    Ich finde deinen Ansatz dieses Thema in Frage zu stellen vollkommen legitim, aber der Verlauf deines Artikels stößt mir sauer auf. Das ist meine Meinung. Und so hat jeder seine eigene Meinung. Und natürlich ist dein Artikel für viele Mütter und auch Väter hilfreich. Für viele auch nicht.

    Liebe Grüße

    Janina

  7. Sehr interessante Sichtweise! Am schlimmsten finde ich die Kombi von High Need Eltern, die nicht loslassen können und ihr Kind zu mindestens zeitweise in Betreuung (kann auch Oma, etc sein) zu geben um sich selbst mal phasenweise zu entlasten. Dann aber ständig stöhnen wie schlimm alles ist. Die bis zu eigenen Selbstaufgabe weiter machen um alles dem Kind zu geben was an Kräften zur Verfügung steht. Da führt Hingabe zur Selbstaufgabe und DAS ist nicht gesund. Jede Mama kennt die Erschöpfung und auch schwierige Phasen mit dem Kind. Aber ich denke auch, dass zum. bei manchen Eltern solche Wörter wie High Need, Hochsensibel, Hoch begabt usw. gerne benutzt werden um zu zeigen wie besonders das Kind ist und wie schwer es die Eltern doch haben. Naja, sicherlich schwieriges Terrain und man kann es definitiv nicht jedem recht machen. Die High Need Definition nach Dr. Sears ist meines Erachtens für Babies und viele wandeln das ja ab für größere Kinder im allgemeinen. Und auch das ganze Attachment Parenting wurde in erster Linie für die Babyzeit angedacht. Ich habe die Bücher vom Dr. Sears gelesen und finde das alles schön. Aber vorallem muss man selbst als Mensch seine eigenen Grenzen wahren und sich nicht vollständig aufgeben für sein Kind. …. Mach weiter so mit deinen Artikeln 🙂 :*

  8. Oma Wetterwachs

    In dem Blogeintrag steckt viel Wahrheit. Ich sehe es ähnlich wie die Verfasserin. Natürlich wirkt der Schreibstil stellenweise etwas anmaßend, wie Janina in ihrem Kommentar kritisiert hat.

    Aber seien wir mal ehrlich: Welcher Blogger schreibt schon rein objektiv und lässt nicht seine Emotionen einfließen?

    Die Kernaussage steht allerdings fest: Es ist einfacher für Eltern, wenn sie das Problem benennen können (High Need, Schreibaby, Trotzphase, ADHS, selbst die Pubertät zähle ich dazu).

    Dabei sind nahezu sämtliche Verhaltensweisen der Kinder völlig normal und wenn man genau hinschaut auch nachvollziehbar.

    Ich gehe sogar noch etwas weiter und behaupte, dass es meist die Uneinsichtigkeit der Eltern ist und nicht die Kinder das Problem sind. In den Medien haben wir gesehen, dass das Leben mit Kindern sehr harmonisch sein kann und schwierige Situationen nur bei solzial schwachen Familien auftreten. Außerdem haben wir ja jede Menge Fachliteratur gepaukt, durch die wir jedes Problem des Kindes beheben können und so eine harmonische Zeit erleben können. Also können wir unser Familiendasein auskosten. Zudem wollen wir natürlich unser altes Leben nicht aufgeben: Shoppen gehen, in Urlaub fahren, Freunde treffen, mal ein gutes Buch lesen, täglich frisch und lecker kochen, bestenfalls die Kleidung selbst nähen, mal wieder tanzen gehen … Aber das Baby schreit und schreit trotz allem. Es will ständig trinken, getragen werden, gekuschelt werden, etc. Das kann doch nicht normal sein! Wir haben doch alles richtig gemacht, wir kennen die Fachliteratur und auch die überaus wertvolle Meinung des Umfelds! Und trotzdem müssen wir den ganzen Tag in Jogginghose durch das Haus laufen, permanent stillen und das Kind tragen, singen… ganz klar: So ist das aber nicht normal! Das ist bei der Sabine aber ganz anders gelaufen und Mama sagt, ich habe den ganzen Tag fröhlich neben ihr gespielt, während sie den Haushalt erledigt hat. Und schon recherchiert man die Thematik und findet Verbündete und die haben sogar einen fachlichen Begriff für das Dilemma.
    Aha, ich hab also ein High Need Kind. So ist das. Endlich wird mir alles klar. Ich kann ja gar nichts dafür und mein Kind ist einfach etwas Besonderes. Jetzt opfere ich mich natürlich speziell für das Kind auf und kann auch damit Leben, mein altes Leben nicht zurückzubekommen. Es ist schließlich unumgänglich. Das poste ich natürlich täglich und suhle mich mit meinen neuen Verbündeten in meinem Kummer.

    Dass die ganze Sache aber nicht High Need, sondern völlig normal ist, das können die meisten nicht glauben.

    Generell scheint es gearde eine neue Modeerscheinung zu sein, dass man „besondere“ Kinder hat. Leider oft zum Leidwesen der Kinder. Entweder sie haben eine psychische Störung, oder eine Intoleranz gegenüber Lebensmitteln (Ich habe tatsächlich schon live beobachtet, wie eine Mutter eine Intoleranz diagnostiziert hat, obwohl absolut NICHTS passiert ist… aber die Geschichte würde jetzt den Rahmen sprengen.) oder es fällt einem schon irgendetwas anderes ein. dann hat man nämlich ein besseres Thema, als immer nur die gleiche Thematik „Kind“ und man kann sich auch rechtfertigen, warum man das Kind intensiver betreut usw. Außerdem ist damit für jedes Verhalten eine Entschuldigung gefunden.

    So, da ich jetzt wahrschleinlich der ganzen Lesergemeinde vor den Kopf gestoßen habe, verabschiede ich mich jetzt an dieser Stelle und bin froh, meine Meinung auch losgeworden zu sein. 🙂

    MFG
    Wetterwachs

    • Ich danke dir, für deine offenen Worte 🙂
      Ja, leider ist der Trend aus einem völlig normalen Kind, etwas „besonderes“ zu machen, obwohl es das nicht müsste, der gesellschaftliche Boom. Normalerweise gehört sowas unterbunden, denn die Leidtragenden sind immer die Kinder bei sowas, aber das scheinen viele in ihrer Trendjumping gar nicht mitzubekommen.

      Liebe Grüße

      Yvi

  9. Hallo!!! Der Beitrag ist irrsinnig interessant!!! Danke!!!
    Also jedes Kind ist nicht gleich, ich habe drei Kinder, zwei Jungs 8 und 4 Jahre alt und eine Tochter unsere Prinzessin ❤ mit 3 Monaten. Nach der Geburt von Benjamin, meinem ersten Kind hatte ich Größe psychische Probleme, bis hin zu Suizidgedanken (postnatale Depressionen) !!! Unser Benjamin ist ein ganz feinfühliges verletzbares Kind, er kann sich nicht durchsetzen und hat wenig Selbstvertrauen, ich habe mir oft Vorwürfe gemacht, weil es mir nach der Geburt so schlecht ging, ist Benjamin so! Ich habe mich oft bei ihm innerlich entschuldigt. Letzten Herbst haben wir uns s dann Hilfe von einer FA. für Psychiatrie geholt, alle waren entsetzt ( das Wort Psychiater löst bei vielen Leuten werkwürdige Dinge aus). Dabei ist es ja gar nichts schlimmes, nein im Gegenteil, die Beratung hat uns gut getan und wir haben herausgefunden dass es an uns Eltern liegt, wie ein Kind ist. Benjamin würde damals oft ziemlich verbal aggressiv und laut , ich bekam Vorwürfe von meiner ach so lieben und perfekten Schwägerin( die ihre zwei Rotzgören null im Griff hat, entschuldige bitte, aber das müsste Mal raus). Die anderen wissen ja immer alles besser!!! Ja,ja, von wegen! Benjamin war einfach normal, er ist das älteste Enkelkind und immer wird er geärgert von seinen Cousinen, in der Schule, immer ist er der Böse, weil er ja der Ältere ist. Bis sein Fass
    plötzlich überging und er sich auch Mal wehrte, was völlig legitim war und ist. Benjamin ist ein sehr kreativer und lieber Junge und wir lieben ihn so wie er ist, weil das unsere Aufgabe als Eltern ist. Und es ist keine Schande sich Hilfe zu holen, denn wir haben herausgefunden dass es sehr viel an uns Eltern liegt. Das wichtigste ist wir erziehen unsere Kinder zu fröhlichen, ehrlichen und tollen Menschen!!! Und gaukeln uns nichts vor!!! Der Erziehungsstil meiner Schwâgerin gefällt mir auch nicht, doch ich muss es akzeptieren, nur muss ich oder wir uns nicht alles gefallen lassen!!! “ Jeder erzieht anders, jedes Kind hat andere Bedürfnisse, das heißt aber nicht gleich, dass es „High need“ ist. Ein Kind das viel aktiv ist und unruhig ist, ist auch nicht gleich hyperaktiv oder hat ADHS!!! Ich finde das wird alles übertrieben. Wir sollten mehr auf unser Herz und auf unser Gefühl hören!!! Es gibt keine perfekten Kinder, sie sind alle individuell und das ist gut so!!! Liebe Grüße, Simone Windischbauer ❤☀

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