Wenn dir dein Baby fremd ist | Muttergefühle sind so einfach?

Baby

Wenn dir dein Baby fremd ist und du all die anderen Mamis beneidest und bewunderst, wenn sie nach ihrer Geburt ihr Baby im Arm haben und es einfach sofort lieben können…bei mir war es anders…


Wenn dir dein Baby fremd ist. Nun denkt sich bei diesem Satz jeder „was? Kann ja gar nicht sein.“ „Du bist doch die Mutter, wie kann dir dein Kind fremd sein?“ 

Aber doch, genau so war es! 

Ich selbst habe nie gedacht, dass dieses Gefühl plötzlich so komisch werden könnte, denn schließlich hatte ich meine Muttergefühle auch in meiner Schwangerschaft ausgiebig…ja, sehr ausgiebig! Ich habe meinen Bauch gestreichelt und jeden Abend dem kleinen Räuber etwas vorgesungen, ich war davon überzeugt, dass er es liebt.

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Meine Geburt war jedoch eine Katastrophe und der Auslöser für genau diesen Satz „wenn dein Baby dir fremd ist“ und für dieses Gefühl. 

Ein Notfallkaiserschnitt in der 30Ssw. Er verbrachte 5Wochen auf der Intensivstation, ich eine Woche stationär.

Irgendjemand sagte, „das war ihr Baby“ 

Ich bekam meinen Räuber direkt nach der Geburt im OP nicht zu Gesicht, er musste sofort versorgt werden. Eigentlich sah ich nur eine Hebamme mit einem Handtuch Knäul an mir vorbei rennen, das wars. Irgendjemand sagte, „das war Ihr Baby“.  Einen Schrei, ein quäkendes Geräusch, wie man es bei Geburten kennt, hörte ich nicht, was mich völlig verwirrte und beängstigte im OP, aber er war zu klein, um zu sagen „Hallo Mama, hier bin ich“.

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Ich hatte also ein Baby geboren. Komisch…

So stellte ich es mir nicht vor, so habe ich es mir nicht gewünscht. Nach drei Tagen auf der Station, war ich erst fähig zu laufen. So sehr ich wollte und mich anstrengte-und ich wollte-, schließlich musste ich einfach endlich zu meinem Baby, es ging nicht!

In diesen drei Tagen fühlte ich mich nicht als Mama, sondern als Operierte, die einfach zwischen all den anderen Mamis lag, die glücklich ihre Beistellbetten umher schoben und stillten.

Inzwischen haben alle anderen mein Baby gesehen und begrüßt und auf der Welt willkommen geheißen. Mein Mann war schon fleißig dabei ihn zu versorgen und erzählte mir von seinem Papa Stolz. Er war also Papa…und ich?

Ich war wütend auf mich selbst

Dieses Gefühl da zu liegen, alle reden von deinem Baby, wie hübsch er ist, wie süß er ist. Ich hätte kotzen können. Es war eine Mischung aus Eifersucht, Frust und Traurigkeit. Teilweise empfand ich Wut auf mich selbst. „Du hast versagt“ „Steh endlich auf, du Weichei“ .Diese Sätze prasselten in meinen Gedanken auf mich ein.

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Und dann kam der Moment.

Jede Sekunde, weiß ich bis heute. Als ich mit meinem Rollstuhl auf die Intensivstation gefahren wurde, zu meinem Kind. Ich war aufgeregt, hatte Angst und mir war übel.

Schon am Eingang, verließ mich die Kraft und ich brach in Tränen aus. Und dann saß ich da vor dem Brutkasten, sein Name stand vorne auf dem Schild. Er schlief, angeschlossen an Kabeln, eingekuschelt in Decken, er sah friedlich aus. Seine Füßchen zuckelten so merkwürdig.

Es war also mein Baby. Da lag mein Kind.

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Und ich wusste nicht, ob ich ihn berühren sollte, er war so zerbrechlich, so klein.

Er war mir völlig fremd

Hilflos saß ich vor dem Brutkasten und starrte ihn einfach nur an.

Fruehchen

Ich empfand in diesem Moment keine Muttergefühle, denn all das Chaos, das Gefühlswirr-warr überwog. Und all diese Kabel, das piepen der Monitore, die anderen kranken Kinder daneben, beängstigten und verliehen einem einen gewissen Respekt. 

Das einzige was ich herausbekam war also ein simples „Hallo…Baby“.

Aber hinter mir hörte ich „Hallo…Mama“… es war mein Lieblingsmensch, der mich mit seinem Papa Stolz zum Lächeln brachte. 

Ich bin also Mama und das da drin ist mein Räuber! 

 

Und heute? Sind das Schlitzohr und ich ein unzertrennliches Duo! 

mamasdaily-Fruehchen

 

Warum unsere Hebamme eine so wichtige Rolle spielte lest ihr hier

 

Wie war euer erster Moment? Ging es euch vielleicht sogar ähnlich?

 

Eure

Elternblog

 

 

 

 

12 Kommentare

  1. Oh je, du hast mich ganz schön zum Weinen gebracht! Es ist furchbar, aber irgendwie neigt man immer als Mama sich die Schuld zu geben. Ich hatte ein spätes Frühchen und hatte das Glück, daß sie sofort von mir gewärmt werden „MUSSTE“, also lag sie stundenlang auf mir und bei mir. So viel Liebe hatte ich noch nie gespürt, aber auch so viel Angst, denn zerbrechlich schien sie mir auch. Besonders im Verglich zu den 4 KG Babies auf der Station.
    An meinen Sohn, der als Zweiter kam und genau so ein dickes glückliches Baby war, wie man es sich immer wünscht, an den musste ich mich wochenlang gewöhnen, er war mir die erste Zeit sehr fremd und ich wußte zwar ich liebe ihn, aber er war mir nicht sofort so nahe, wie die Tochter. Heute ist er so tief in meinem Herzen und mit mir von allen Dreien irgenwie sogar besonders verbunden.
    Ganz liebe Grüße

    • Hallo Natalie,

      danke für deinen Beitrag 🙂
      Dann kannst du es ja nachvollziehen.
      Ja…das war nicht einfach. Aber jetzt..wie gesagt.. ein Dream Team.

      Liebe Grüße

      Yvi

  2. Danke für deine ehrlichen Worte. Mini kam auch viel zu früh und so unverhofft, auch per Kaiserschnitt. Er durfte zwar gleich zu mir, doch er hatte Atemprobleme und musste auf die Intensiv. Ich war auch so überrumpelt von jeglichen vorstellbaren und unvorstellbaren Gefühlen. Gegühle die ich schon kannte und Gefühle die so furchtbar neu waren. Ich konnte sie einfach nicht einordnen und war verzweifelt und wütend und… Noch heute kann ich sie nicht richtig beschreiben. Den Wunsch sein Kind zu sehen und den Schmerz der op, kann ich sehr gut nachempfinden. Ich wollte so sehr zu diesem Kind, was in mir wuchs, aber es ging nicht. Einen Tag später schob mein Liebster mich zu diesem Kind und als ich Mini dann sah und auf dem Arm hatte, spürrte ich, es ist mein Kind. Unfassbar. Schön. Anders. Und jetzt, sind wir auch ein unschlagbares Team. So nah. Ich bin Mutter. Und bald zweifach.
    LG
    Jacki

    • Hey Jacki 🙂

      Danke, für deine Worte!
      So beruhigend zu hören, dass es dir ähnlich ging und du dieses
      Gefühl nachempfinden kannst.
      Mir war einfach immer dieser Brutkasten im Weg und das schaffte
      auch eine ungewollte Distanz. Obwohl er ja vor mir lag. Der Moment, ihn
      das erste Mal auf der Brust liegen zu haben…unbezahlbar.. ungewohnt..
      Das war dieser Moment an dem ich das Mama-Sein ein Stück wahrnahm.

      Alles Gute für deine zweite Geburt!

      Ganz liebe Grüße

      Yvi

  3. Hallo Yvi,

    bei deinem Text bekomme ich sofort wieder Bauchschmerzen und Tränen in den Augen. Mir erging es im Sommer ähnlich. Meine Tochter wurde in der 33. Woche geholt. Ich habe im OP nichts gehört von ihr. Man hat sie mir entzerrt, es fühlte sich grausam an und dann war da diese Leere im Bauch, hinter dem Tuch, dass meinem Kopf vom restlichen Körper trennte. Kein Schreien, ich habe nichts gesehen, sie wurde sofort auf die Neo gebracht. Bis uch sie sah vergingen Stunden und dann sah uch nur ein Bein weil ich mich nicht bewegen konnte. Für much wsr es das 2. Kind, das erste kam spontan zur rechten Zeit, also war mir bewusst wie wichtig Muttergefühle sind. Diesmaö gsb es nicht diesen Hormonflash, das Anhimmeln…nein ich fphlte much anfangs sehr hilflos gegenüber dem kleinen Bündel im Brutkasten. Jede Krankenschwester erlsubte einen unterschiedlich viel doch mir war es sehr wichtig, möglichst viele Pflegezeiten selbst zu übernehmen um wieder Mama zu werden. Anfangs tat es höllisch im Bauch weh aber nsch und nach? auch nach einem Gespräch mit einer öieben Kinderkrankenschwester konnte ich Kraft sammeln, zu wissen dass es mein Kind ist und dass uch das Recht hab sie so zu stiölen wie ich es möchte…nach meinem Gefühl, was dann auch dazu führte dass sie mit gerade mal 34+6 SSW nach Hause durfte.
    Noch heute fühle ich mich nicht vollkommen was die Schwangerschaft und Geburt betrifft. Ich könnte weinen, wenn ich einen Babybauch an mir vorbeilaufen sehe und habe nich immer ….nach 5 Monaten Momente, in denen zusammenbrechen möchte dich ich liebe mein Baby unendlich. Die Akzeptanz kam und ich fühle mich ihr eng verbunden.

    Ich wünsche dir alles Gute
    Becci

    • Liebe Becci,
      danke für deine tollen Worte!
      Es tut gut, zu hören, dass man nicht alleine ist!
      Sehr emotional geschrieben…!
      Und das ganze, das muss ich nochmal sagen, hat entgegen vieler Meinungen
      nichts mit fehlender Liebe zu tun! Es ist nur anders, man liebt sein Kind
      trotzdem abgöttisch!

      Liebe Grüße

      Yvi

  4. Oh man. Das hätte ich auch schreiben können nur habe ich Zwillinge bekommen. Auch in der 30 Woche. Auch per Not-Sektio. Mir ging es genau so wie dir. Es was alles zuviel. Zuviel Erwartungen an mich selber. Aber beim ersten Kängurun rollten die Muttergefühle über mich hinweg.

  5. Hallo Yvi,
    auch mich hast du zu Tränen gerührt…ihr alle eigentlich! Ich hatte das Glück vier „normale“ Geburten zu erleben, davon zwei im Geburtshaus, hier waren die ersten Momente mit Baby wunderschön, warm und vertraut…deshalb kann ich mir vorstellen, was man vermisst, wenn man diese einzigartigen, bewegenden Momente nicht erleben darf, zumindest nicht auf diese Weise!
    Umso mehr freue ich mich für dich, dass ihr es geschafft habt, eine enge, vertrauensvolle Beziehung zueinander aufzubauen, dein Räuber und du 🙂
    Viel Glück für den Award!
    Natalie

    • Hallo liebe Natalie,

      danke für deinen sehr schönen Beitrag! Und toll, dass du 4 Kinder so bekommen konntest 🙂
      Man wächst wirklich in solchen Momenten über sich hinaus und entwickelt eine Kraft es durchzuhalten, bei der ich mich heute noch
      frage wie.
      Aber wie du sagst, zum Glück ging alles gut und da bin ich wirklich mehr als froh darüber.

      vielen Dank!

      Liebe Grüße

      Yvi

  6. Hallo Yvi

    Dein Taxt hat mich zu Tränen gerührt.
    Bei meinem Grossen und mir war es ein wenig anders.
    Nach 1 Woche übertragen, ging es endlich mit den Wehe los. Voller zuversicht auf eine natürliche Geburt fuhren wir ins Krankenhaus. Nach 13h platzte endlich die Fruchtblase und plötzlich kam alles ganz anders…
    Die Herztöne sackte bei jeder Wehe ab. Mein Mann holte die Hebamme sofot ins Zimmer. Erst jetzt bemerkte man, dass der Kleine nicht richtig in Becken gerutscht war, sondern oben auf meine Becken aufstand. Eine spontane Geburt war so nicht möglich. Nun ging alles sehr schnell. Ich war schon so erledigt, das mir egal war, dass nun ein Kaiserschnitt erfolgen musste. Ich wollte ja, dass es dem Kleinen gut geht.
    Noch im Op wurde mir wahnsinnig schwindelig und so übel, dass ich mich übergeben musste. Immer wieder verlohr ich das Bewustsein. Als ich kurz zu mir kam, spührte ich wie der ganze OP-Tisch wackelte. Da ich aber so geschwächt war, bekam ich meine Augen nicht auf. Ich hörte nur wie jemad schrie „Holt sofort denn Chefarzt“. Und schon war ich wieder weg getreten. Das Nächste was ich hörte war ein hoher quitschender Schrei. Das Hallo meine Jungen! Aber ich brachte meine Augen nicht auf um ihn anzusehen. Und schon war ich wieder weg (Bewustlos). Das Nächste was ich akustisch war nahm, war die Hebamme die zu mir meinte, „so jetzt gebe ich ihnen Morphium“.Ich wollte kein Morphium, ich wollte doch mein Kind stillen! nen erst mal Morphium“. Ich war geschock! Konnte mich aber nicht bemerkbar machen, weil ich so geschwächt war. …und schon wieder wurde es dunkel, ich war ich weg. Das Nächste, dass ich war nahm ist, wie ich am ganzen Körper zitterte. Es schüttelte mich durch. Und ich hörte (brachte die Augen immer noch nicht auf) ist, wie die Hebammen sagte „Komm mein Schatz, ich nehme dich wieder. Deinem Mami geht es noch zu schlecht“. Was füt ein Schock! Mein Kleiner lag auf mir und ich habe es nicht mitbekommen. Was war ich blos für eine Rabenmutter die nichteinmal ihr Kind spührt! Ich wollte schrein, mich irgendwie bemerkbar machen. Aber die Kraft fehlte mir und schon wieder wurde es dunkel und ich war bewustlos.
    Als ich langsam wieder klar wurde und die Augen aufbrachte, sah ich meinen Mann der alles zusammen packte. Ich wurde auf die Wochenbettstation verlegt. Ich sah das kleine Bettchen in dem wohl mein Kind lag. Ich wusste es nicht sicher, denn ich hatte ihn ja noch nicht gsehen. Ich sah nur das Bettchen mit eine dicken Decke drin.
    Im unserem Zimmer angekommen, wurde ich an meinen Platz gefahren und alles wurde eingeräumt. Ich konnte nun endlich langsam klar denken und sah auf die Uhr. Es waren 6H vergangen. Wow! Ich war seit 6H Mutter und konnte mich an nichts wirklich erinnern. Mein Mann brauchte einen Kaffee und etwas frische Luft und war drausen. Als die Krankenschwestern das Zimmer verlassen hatte, stand das Bettchen mit meinem Baby an der gegenüberligende Wand. Sie hatten vergessen ihn zu mir zu schieben Ich sa nur das Bettchen mit der grossen Decke drinn. Alsi musste umich klingeln und unglaublich lange Minuten (so kam es mir vor) warten, bis endlich jemand kam und das Bettchen zu mir brachte. Nach 7h sah ich num zum ersten Mal meine kleinen Bauchbewohner. Ich sah in das Bettchen und sah den Kleinen schlafen. „So, das ist also mein Kind“, dachte ich mir. „Hm… ok kleiner Mann. Ich kenne dich ja nicht, aber du wirst es wohl sein.“
    Von Muttergefühlen spührte ich gar nichts. Da war nichts! Was ist mit mir los? Was stimmt mit mir nicht? Wieso empfinde ich nichts? Es war furchtbar. Ich fühlte mich so schlecht, so schuldig. Ich musste doch jetzt platzen vor Glück!? Leider hielt dieses Gefühlnoch sehr lange an. Ich hatte soooo ein schlechtes Gewissen.
    Das ganze ist nun 7Jahre her und mich übermanen auch Heute noch die Gefühle, wenn ich daran zurück denke. Die Liebe zu meinem Kind ist novh gewachsen, aber es ging über ein Jahr. Und auch Heute novh habe ich diese schlechte Gewissen. Warum weiss ich nicht. Aber es fühlt sich einfach anders an, als das Gefühl zum jüngeren Bruder. Ich liebe beide sehr, aber da ist dieser Schale nachgeschmack der Bleibt.

  7. Puh, da habe ich wieder Tränen in den Augen.. Auch wir hatten einen beschissenen Start, auch Notsectio (auf Grund von HELLP-Syndrom mit Präeklampsie), untergewichtig und Intensivstation. Auch ich hatte dieses Gefühl, dass ich versagt habe und habe direkt im KH eine psychologische Betreuung in Anspruch genommen. Ich hatte auch Angst, dass ich als Mutter versagen könnte und mir mein Kind womöglich nicht mitgegeben wird.. Haben sie aber 😉 Ich möchte mal an dieser Stelle sagen, dass wir alle stolz auf uns, unsere Kinder und Familien sein können, die diese Zeit durchgemacht haben und sich dann einfach auch am Ende freuen können, dass es unsere Zwerge gibt.

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