Wieso Notlügen für Mütter in Ordnung sind!

Notluegen

Darf ich mein Kind anlügen? Gibt es einen Unterschied zwischen Notlügen und Lügen? Wieviel ist tragbar und weshalb ich es manchmal ganz nützlich finde…


Gerade befinde ich mich in der Mama-Phase, in der ich mir selbst die Frage stellen muss, ob kleine Notlügen manchmal in Ordnung sind, ob es einen Unterschied zwischen Lügen und Notlügen gibt, oder ob ich meinem Kind einfach alles erklären soll/muss.

Um ehrlich zu sein, dachte ich früher, als ich kinderlos war, genau bei solchen Situationen, dass die Eltern schlicht zu faul sind, den Kindern die Wahrheit zu sagen. Es schien angenehmer zu sein, einfach mal kurz eine Notlüge aus der Zauberkiste zu kramen. Das Kind ist zufrieden, Muddi auch. -perfekt.

Oder ist es nicht auch manchmal wie eine kleine Schutzwand, so eine Notlüge? Die man um sich herum binnen Bruchteilen von Sekunden aufbaut, weil die Wahrheit just in dem Augenblick unangenehm sein könnte?

Für den Menschen gehört es dazu zu lügen. Das ist nichts verwerfliches und liegt in der Natur des Menschen, es sind genau diese Momente, aus unangenehmen Situationen für einen selbst, etwas angenehmes zu machen. Ohne an eventuelle etwaige Konsequenzen zu denken. Oft lügt man völlig unbewusst, mehrmals am Tag. Es kommt also immer auf das gesunde Mittelmaß an.

Notluegen

Wir erziehen unsere Kinder zu Wahrheitserzählern, lügen uns in diesem Moment aber selbst und das Kind bereits an, denn erzählen wir immer die Wahrheit?

Es ist doch so, dass im Einkaufsstress keine Mami gerne mit einem Trotzphasen Kind alles ausdiskutieren möchte. Und inzwischen habe ich gelernt, dass das nichts mit Faulheit zu tun hat, sondern ich würde es eher als geschickt bezeichnen. Wenn es also im Supermarkt unbedingt das Elektro-Pony reiten will, dann gibt es zwei Möglichkeiten entweder du lässt es zu, oder du erklärst, dass das Pony eine Verletzung hat und man es heute nicht reiten kann.

Es ist auch okay, wenn du deinem weinenden Kind sagst, dass alles halb so wild war, obwohl du selbst gerade fast umkippst, weil es sein Knie krankenhausreif aufgeschlagen hat.

Versprich nichts, was du nicht halten kannst! 

Letztens waren wir am See und er durfte das erste Mal noch durch das sehr sehr kalte Wasser mit seinen nackten Füßchen springen, der kleine Mann hatte riesen Spaß! Nur hätten wir das auch noch Monate am Stück machen können, irgendwann wollten wir los und da nahm der Radau seinen Lauf. Er schrie und zornte und wollte partout seine Füße im Wasser lassen. Ja, auch da kam der Satz „wir kommen ein anderes Mal wieder“ zum Einsatz.

Es heisst doch aber, „versprich nichts, was du nicht halten kannst!„…

Notluegen

Ob ich die See-Aktion nicht halten kann, weiß ich nicht, aber es war just in dem Moment, nennen wir es, eine Beruhigungslüge.

Wenn ich jedoch beim Arzt  bin und meinem Kind Sekunden vor der Spritze sage „halt still, das tut nicht weh“ dann ist das ein Versprechen, welches ich def. nicht einhalten kann und das weiß mein Kind Sekunden später. Es assoziiert automatisch das Wort „weh“ mit unwahrscheinlichen Schmerzen, so wird dein Kind also sowieso nicht beruhigt. Also ein absolutes no go und eine nicht empfehlenswerte Notlüge.

Mit Notlügen umgehen

Denn dein Kind wird nicht nur dem Arzt, sondern auch dir gegenüber misstrauisch „hat sie nicht gesagt, es tut nicht weh? Es tat weh!“

Ich will damit sagen, es kommt immer darauf an, wie man mit diesen Notlügen umgehen kann und wie diese zum Einsatz kommen sollen, denn nur dann sind sie auch okay, für dich und dein Kind!

Es sollte also auf gar keinen Fall Angst beim Kind auslösen, oder falsche Versprechungen abgeben, die dich binnen Sekunden sowieso entlarven. Wenn dein Kind zum Beispiel nicht mitkommen möchte, dann sage nicht „dann bleibst du eben hier“ oder „ich geh alleine“ dann erzähle ihm doch einfach, was ihr dort tolles sehen könntet, oder entdecken könnt. Es soll sich auf keinen Fall allein gelassen fühlen.

Notluegen

Und übrigens….eine Notlüge werde ich sicher noch in ein paar Jahren mehrfach sagen…

als ich in deinem Alter war, hab ich sowas nicht gemacht!“ …

Und du weißt in dem Moment, du warst nicht annähernd  so schlimm….du warst schlimmer!

 

3 Kommentare

  1. Sehr schöner Bericht. Genau meine Meinung. Notlügen hier und da sind notwendig, zumindest um im Supermarkt, Geschäft etc. keinen riesen Aufstand zu haben. Weil das Kind von einem Schreikrampf in den nächsten rennt!. Da ist es sinnvoll sich (und dem Kind) den Stress zu ersparen und auch mal zu sagen, du wenn wir das nächste Mal hier sind dann darfst du dir etwas aussuchen. oder : Wir kommen doch heute Nachmittag wieder, wenn das Kind partou nicht vom Spielplatz weggehen will, du aber noch einen Termin oder ähnliches zu erledigen hat. Zumindest bei kleinen Kindern kann man das schonmal sagen, die verstehen das eh nocht nicht soooo gut oder vergessen das schnell wieder wenn man sie dann zuhause mit etwas anderem beschäftigt. Ältere Kinder verstehen das schon besser, denke so ab 3 1/2 -4 sollte man dann schon ehrlich sein und sagen du wir müssen doch noch zum arzt und weißt du noch da gibt es ganz viele Bücher und das Schaukelpferd war doch auch toll. oder: Im supermarkt, ok such dir etwas kleines aus aber wenn wir morgen wiederkommen dann gibt es nichts. Die verstehen das schon besser und dann kann man auch kompromisse machen die für beide okay sind. Also es kommt meiner meinung nach immer auf alter an und auf die sensibilität des Kindes 🙂 Aber im großen und ganzen finde ich es vollkommen okay von einer kritischen oder störenden situation eine kleine Notlüge abzulassen, das ist manchmal für mutter und kind wesentlich entspannter. Aber wichtig ist dann trotzdem durchgreifen wenn das Kind sich nicht an die abmachung hält. naund dann weint es halt mal, das ist leider die bittere und unschöne Wahrheit. aber das kind verhätscheln tut ihm auch nicht gut( auch wenn mir jedesmal mein mutterherz weint)

  2. Ach, grade hat meine Vierjährige wie wild auf mich eingeschlagen (eigentlich ist sie – natürlich – gaaanz süß und wohlerzogen). Als ich mit meiner Vernunft am Ende war und die Fantasie einsprang, habe ich ich gesagt: „Jedes Mal, wenn ein Kind seine Eltern haut, stirbt ein Einhorn! Erst springt ihm das Herz heraus, dann fällt das Horn ab und es ist tot!“
    Kurze Stille mit weit aufgerissenen Augen. Anschließend ein friedliches Familienabendbrot.
    Heiligt der Zweck die Mittel? Ich finde, ab 19.45 Uhr schon…

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