Wochenbett-was ist das denn?

Wochenbett

Wochenbett, was ist das denn? Zur Zeit lese ich gerade viele neu-Mamis, die von ihrem Wochenbett schreiben und da werde ich ganz emotional, denn unser Wochenbett war anders…


Wochenbett, was ist das denn? Nachdem ich zur Zeit wieder sehr viele neu-Mamis lese, die glücklich über ihr Wochenbett berichten, werde ich ganz still. 

Bei mir ist es nun ein Jahr her. Und wenn ich mich daran zurück erinnere, dann werde ich ganz emotional, denn ja, ich hätte mir gern ein Wochenbett gewünscht. Aber ich kenne es nicht. 

Gerne wäre ich mit dem Räuber nach drei Tagen Krankenhaus Aufenthalt nach Hause gegangen, hätte Zeit mit ihm verbracht, gekuschelt, geschmust, gestillt, sich kennengelernt. Ein Traum! Einfach nur die Ruhe, kein Stress, sich erholen. Ich hätte auch keinen Besuch gewollt, sondern einfach nur wir.

Genau so habe ich es mir vorgestellt, genau so habe ich es mir insgeheim gewünscht.

Die Realität sah anders aus.

Denn eigentlich müsste ich mir die Frage stellen „Wochenbett, was ist das denn?„. Ich kenne es nicht! 

Der Räuber musste nach der Geburt, 5 Wochen auf der Intensivstation verbringen und ich lag anstatt drei Tage, eine Woche stationär.

So ist es also, wenn man in der 30Ssw zur Welt kommt und mit einem Notfallkaiserschnitt operiert wird.

Ich sah den kleinen Mann erst 3 Tage nach der Geburt, weil ich einfach nicht laufen konnte. Und ansonsten war er auch nicht neben mir im Bett, auf der Station.

Er verbrachte alleine, jede Nacht im Brutkasten, angeschlossen am Kabelwahnsinn (mehr über das Frühchen-Sein). Und ich verbrachte alleine mein Frühstück, während die anderen Mamis ihre Beistellbetten neben sich hatten und glücklich ihren frisch geborenen Babys beim Schlafen zu schauten. –ein ätzendes, unbeschreibliches Gefühl! 

Krankenhaus

Nach einer Woche wurde ich entlassen – ich wollte nicht– und war von ihm noch weiter weg, als mir lieb war.

Ich war alleine zu Hause, ohne ihn, ohne kuscheln, schmusen, stillen und sich kennenlernen. Mein Stillen, war mein ständiges abpumpen, dass ich 7 Monate gemacht habe. Das war definitiv nicht mein Plan, aber ich war froh, um jeden Tag, in den er sich in unser Leben kämpfte.

Mein Wochenbett sah die nächsten vier Wochen entsprechend unerholsam aus. Ich konnte mit Mühe und großer Anstrengung laufen und fuhr jeden Vormittag in die Klinik -30km- , ich blieb solange es ging, meistens war es so spät, dass ich nur noch das Bett sah.

Wir lernten uns eben anders kennen. 

Dinge, die andere zu Hause erfahren, lernen, kennenlernen, in ihrem Wochenbett quasi, erlebte ich auf der Intensivstation, zwischen täglichem Hoffen und Bangen. 

Wir machten es eben anders! 

Gewickelt wurde im Brutkasten, angeschlossen an Kabeln. Und abgepumpt, wurde irgendwo zwischen den anderen Frühgeborenen.

Frühchen

Ruhe fand ich in der kurzen Zeit, in der ich die Chance hatte meinen Kleinen mit all seinen Kabeln auf meiner Brust zu haben. Da lagen wir, in einem Liegestuhl (das känguruhen),angeschlossen an Kabeln, piependen monotonen Geräuschen, gedämmtes Licht. Der Geruch von Desinfektionsmittel war unumgänglich, immer mal wieder hektisches Gerenne. Er schlief, immer mal wieder zuckten seine Beinchen auf meinem Bauch, aber er atmete ruhig und ich hörte sein Herzchen schlagen. Das war unsere Ruhe und unser Kennenlernen.

Genau dieser Moment war mein Wochenbett, unser kennenlernen, etwas anders, aber unbezahlbar!  Und einfach unvergesslich-es war unser Moment! 

 

 

Wie war denn euer Wochenbett?

Eure 

Elternblog

14 Kommentare

  1. 33+4 – Not-Ks.

    2 Wochen Frühchenstation, 1 Woche normale Kinderstation (ausgelagert)
    Ich 3 Wochen im KH

    Nach 9 Stunden erste mal bei den Kids. Durfte nur einen halten. nächsten tag endlich auch den zweiten. Besuche ein bis zweimal am Tag für 30 bis 60 Min. auf der Intensiv. Schön bei den Kids zu sein aber auch unschön. Meine Schmerzen waren noch sehr stark, konnte wenig dort machen, lange Sitzen furchtbar. Nur Kurzbesuche deswegen und weil ich selbst noch Behandlung brauchte. Auf der normalen Kinderstation hielt ich die Besuche kaum aus. Lauter totkranke Kinder mit schweren Operationen vor sich und traurige Eltern und cih mit meinen gesunden Zwillingen, die da nicht übernachtet und nur 2 mal am Tag kurz kommt… Die Verachtung mirgegenüber war spürbar.

    Ansonsten machte es mir wenig aus, dass die Kids nicht bei mir waren direkt am Bett. Ich brauchte die Regeneration. Wurde doppelt aufgemacht, die Entzündungswerte sanken nur langsam, die Schmerzen blieben sehr lange. Umso mehr genoss ich es endlich mit den Jungs daheim zu sein. Da kam dann das echte „Wochenbett“.

    • Wow…
      Liebe Conny,
      da hast du auch einiges mitgemacht..wahnsinn!
      Glaube ich dir, dass du da quasi „vernichtet“ wurdest.
      Die Blicke und Fragen waren da drin völlig normal, auch unter
      den ‚Übernachtern‘ . Da musste immer verglichen werden..geht es meinem
      Kind schlechter? Achh..der darf schon gehen… etc..
      Kann ich also gut nachvollziehen, dass ihr indemfall nicht gern gesehen wurdet.
      Sehr schade!
      Aber wir haben alle Kämpfer und jetzt sind sie gesund und das ist wichtig!

      Liebe Grüße

      Yvi

  2. Genau so. Ich kann es dir so gut nachempfinden. Meine Tochter kam zwar erst bei 36+3 zur Welt, musste aber operiert werden und lag dann ebenfalls 4 Wochen auf der Neo. Ich fuhr täglich eine Stunde mit dem Bus zu ihr ins Krankenhaus. Abpumpen war mein tägliches Geschäft. Und nebenher hatte ich noch meinen Sohn. Erholsam ist definitiv anders. Aber immerhin kenne ich das Wochenbett von meinem Sohn und hatte mir vorgenommen es dieses Mal in vollen Zügen zu genießen und mir von niemandem ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, wenn der Haushalt liegen bleibt. Leider war es mir vergönnt. Aber dafür habe ich jetzt eine wundervolle kleine gesunde Tochter zu Hause ❤️

    • Meine kleine Maus kam am 12.09. bei 30+0. 10 Tage intensiv dann noch 4 Wochen auf der normalen Station, wo ich dann schonmal froh war das ich wenigstens eine Person mal mitnehmen konnte und auch Oma den kleinen Schatz kennenlernen durfte. Oh selbst lag bis zum 12.09. dann schon ganze 6 Wochen dort und alle anderen konnten den Sommer genießen, als wir dann endlich am 26.10. dem Krankenhaus den Rücken zu drehen konnten fiel mir eine so große Last von den Schultern.. Dein Text drückt alles aus.. sehr schön geschrieben. Die kleinen Kämpfer sind etwas ganz besonderes!

      • Hey Mandy,
        ich danke dir für deinen Beitrag!
        Dann weisst du genau, was ich meine.. eine echt üble Zeit,
        aber wir müssen alle froh sein, dass wir die Kleinen heile da raus gebracht haben..

        Liebe Grüße

        Yvi

  3. Das Gefühl kenne ich …

    Mein Sohn kam leblos , allerdings zum Termin, zur Welt . Er befand sich schon auf dem Weg über die Regenbogenbrücke und musste reanimiert werden . Er erlitt dadurch einen schweren Sauerstoffmangel , aus dem eine mittelgradige Hirnschädigung resultiert. Nach Geburt wurde bei ihm die Kältetherapie begonnen, er war voll beatmet und ich durfte ihn die ersten Tage noch nicht mal berühren. Er lag längere Zeit auf Intensiv und mein Leben bestand nur aus wenig schlafen , abpumpen und morgens zu ihm fahren / spät abends zurück. Selbst nach seiner Entlassung konnte ich die Zeit nicht genießen und im Mama-sein ankommen, da ich stets davon ausging ein sehr besonderes Kind zu haben und kleinlichst jede Bewegung und jedes Zucken begutachtet und bewertet habe . Es hat fast ein Jahr gedauert, bis die extreme Sorge um meinen Sohn nachlies da er sich weitaus positiver entwickelte als alle angenommen hatten. Mittlerweile ist er fast 3 , hat seine Baustellen die ihn sein Leben lang begleiten werden aber er lebt und ist ein zufriedener und glücklicher Wirbelwind , nur das zählt !

    • Liebe Nicole,

      wow…mir fehlen gerade die Worte… ehrlich!
      Da ist ja meine Geschichte eigentlich schon harmlos…
      Dann weisst du mehr als…wie man sich dabei so fühlt.

      Das freut mich aufjedenfall, dass es dem kleinen Kämpfer
      gut geht! Und das ist das wichtigste und das zählt!

      Liebe Grüße an euch und alles Gute für eure Zukunft!

      Yvi

  4. Auch wir kennen das Kispi. Unsere Tochter ist 37.0 geboren und litt nach der Geburt an einem Atemnotsyndrom. Glücklicherweise hat sie sich schnell erholt und konnte nach einer Woche IPS und anschliessend einer Woche Neo nach Hause. Bei uns haben jedoch die grossen Probleme erst zu Hause begonnen. Das daran gewöhnen ohne Monitor. Die Angst, dass sie nicht richtig atmet. Auch das Pumpem kennen wir bestens. Schlussendlich hat es 6 Monate gedauert, bis sie stress- und angstfrei war. Bis dahin weinte sie 6-7 Stunden jeden Abend und ausser in unserem Bett, hat sie nirgends geschlafen. Auch für das Umfeld war diese Situation sehr speziell, was natürlich entgegen aller Erwartungen war. Entsprechend kamen Konflikte und Meinungsverschiedenheiten auf uns zu, welche sehr viel Kraft kosteten.

  5. Liebe Yvi,,
    ich denke ich lasse ein längeres Kommentar da, denn jede Frühchen-Geschichte bewegt mich auf ein Neues.
    Ich lag am der 20 SSW mit starken Blutungen, geöffnetem Muttermund und einem Fruchtblasenprolaps.
    Die Prognose: Stille Geburt, aber sie können auch versuchen strikte Bettruhe einzuhalten. Kein Toilettengang, kein Duschen, kein Haare waschen. Im Notfall wird das Kind nicht geholt, sie müssen es still zu Welt bringen. Sollten sie es bis 23+1 schaffen, bekommt ihr Kind die Lungenreife.

    Natürlich habe ich Zeiten der Schwäche gehabt, aber wir haben gekämpft. Ich habe mich über jede Bewegung gefreut, über jeden Tag den wir geschafft haben. Mit vielen Fehlalarmen und sorgen und einigen Rückschlägen haben wir es bis zur 25+6 geschafft.

    Ich bin morgens aufgewacht und wusste, nach dieser starken Blutung, wird es nicht mehr weiter gehen. Ich bin in Gedanken alle durch gegangen, man steht neben sich und beobachtet sich. Ich habe die Schwestern gerufen und mich auf alles vorbereitet.

    Nach einer halben Stunde lag ich alleine auf dem kalten OP-Tisch und der Notkaiserschnitt stand auf dem Plan.

    Als ich wach wurde, sagte mir unsere Hebamme, dass es unserer Tochter gut gehen würde.

    Nach 3 Tagen konnte ich zu ihr.
    4 Monate, und 3 geplatzte Nachhausegeh-Termine später waren wir endlich daheim.
    In der Zeit ist so unglaublich viel passiert und das würde den Rahmen hier sprengen.

    Wurde ich um meine Schwangerschaft betrogen?
    Ja
    Wurde ich um mein Wochenbett gebracht?
    Ja

    Aber wir haben was, was andere nicht haben und das möchte ich nicht missen.
    Ich war bei der Entwicklung dabei. Ich konnte sehen wir sich ihre Augen entwickelt haben, wie sich das erste Fett unter ihrer Haut angelegt hat, wie sie so früh schon zugreifen konnte, wie sich immer wieder die Augenfarbe gewechselt hat, ihre Hautfarbe geändert hat und dieser Kampfgeist. Nach jedem Rückschlag weiter zu machen.
    Ich kenne meine Tochter seit vor ihrer Zeit, sie hat mich so unfassbar vieles gelehrt.
    Uns verbindet ein unglaubliches Band.
    Und ich habe jede Sekunde ihres bisherigen Lebens für sie gekämpft.

    Vermisse ich die Schwangerschaft?
    Nein
    Vermisse ich das Wochenbett?
    Nein

    Denn sonst hätte ich nicht sowas unbeschreibliches erleben müssen/dürfen.

    Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne….

  6. Nicole Z.

    Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen. Meine Zwillinge kamen bei 31+2 ebenfalls durch Notkaiserschnitt zur Welt. Nach einer Woche bin ich ohne die beiden nach Hause und musste ebenfalls jeden Tag über 30 km in die Klinik fahren. Zum Glück hat mich mein Mann sehr unterstützt und war fast jeden Tag ebenfalls dabei. Ohne ihn wäre ich wahrscheinlich in ein tiefes Loch gefallen. Nach über einem Monat und vielen Kämpfen mit den zuständigen Ärzten und Schwestern durfte ich für 2 Wochen zusammen mit meinen Kindern in ein Mutter-Kind-Zimmer ziehen und endlich meine Kinder den ganzen Tag bei mir haben. Ich werde diese Zeit nie vergessen. Aber wenn ich meine Zwillinge jetzt sehe, dann bin ich glücklich, dass es ihnen heute so gut geht.

    • Liebe Nicole,

      und das gleich doppelt..ich ziehe meinen Hut davor!
      Wie war das dann bei euch? Durfte dann eines bereits nach Hause,
      während das andere noch bleiben musste? Das ist ja oft such die
      Problematik der Zwillingseltern..
      Würde mich sehr interessieren!

      Liebe Grüße

      Yvi

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