Der Abschied von meinem Baby / Sternenkind Teil 3

Ich bin etwas überrascht, das euch meine Geschichte so sehr interessiert. Gleichzeitig freut es mich, weil es mir selbst sehr viel nützt darüber zu schreiben…


Ich habe meine ganz persönliche Geschichte über mein Sternenkind in drei Teile aufgeteilt, für alle die erst jetzt einsteigen. Hier wäre Teil 1 als ich erfahren habe, dass mit meinem Baby etwas nicht in Ordnung ist und Teil 2 , wie ich mein verstorbenes Kind auf die Welt gebracht habe. Und jetzt in Teil 3 möchte ich euch gerne mit auf den Weg nehmen, wie ich mich von meinem Baby verabschieden musste. 

Ich fühlte nur eine Leere, alles war so unrealistisch 

Ein ferner Abschied fand bereits auf der Intensivstation statt, in den Minuten die einem vorkamen wie Stunden, als man mit einem kleinen Deckchen in der Hand, sein Baby im Arm hielt. Fern, weil es für einen selbst in diesem Augenblick so unreal erscheint. Man starrt fassungslos sein Kind an und wartet darauf das es sich bewegt, ein Fingerchen, ein runzeln der Stirn oder eine Grimasse. Aber da war nichts, nur Leere und man will es nicht wahrhaben.

Nach einem Tag auf der normalen Station wurde ich nach insgesamt 5 Tagen entlassen. Und da war wieder dieser Stich ins Herz, mit dem Mutterpass in der Hand fuhren wir alleine, ohne Baby nach Hause, obwohl wir Eltern geworden sind.

Du denkst, du bist alleine!

Wie nah der Tod mit der Geburt zusammen hängt merkst du erst jetzt. Wie nah sich Freude und Leid sind, das spürst du erst jetzt. Und du denkst du bist alleine! Du denkst, dass nur du dein Kind verloren hast. Weil es ein Thema ist, über das man nicht gerne spricht, das man gerne verschweigt, geheim hält oder verdrängt. Du fragst dich wieso nur dir das passiert ist, wie ungerecht Gott mit dir sein konnte.

Du zweifelst am Glauben, an dir selbst, an allem. Du willst verstehen, aber kannst es nicht. Und hey! Das ist okay! Vollkommen in Ordnung! Denn erst viel später, wenn du anfängst dich zu öffnen, dann merkst du, das du nicht alleine bist. Dann stellst du fest, dass es so vielen Frauen / Eltern genau so erging auf unterschiedliche Art und Weise. Es beruhigt einen etwas, aber es nimmt dir nicht den Schmerz. 

Wir haben uns dafür entschieden, unser Baby auf einem Sammelgrab zu beerdigen. Die Entscheidung musste damals schnell getroffen werden, heute würde ich es anders machen und nur für uns eine Trauerstelle haben wollen. Aber leider wird man genau mit solchen Dingen einfach überrumpelt. 

Fassungslose 7 Monate später war die Beerdigung, in einem Raum nähe der Kirche auf dem Friedhof, fand ein kleiner Gottesdienst statt. Ich war schockiert, weil so viele Eltern da waren, junge, ältere alles war da und so viele Sternenkinder-darunter unseres. Man wurde aufgefordert den Namen seines Kindes auf einen gebastelten Schmetterling zu schreiben und ihn vorne um die Urne zu legen. Eine schöne Idee! 

Wie lange der Gottesdienst ging, weiß ich nicht mehr, was geredet wurde, daran kann ich mich nicht mehr erinnern es ist wie ein Filmriss oder ein Schutzmechanismus des eigenen Körpers, ich weiß auch das ein Lied gespielt wurde, aber nicht mehr welches…

Mir zitterten die Knie und ich hatte bei 25 Grad Außentemperatur Schüttelfrost. Der Gottesdienst war zu Ende und wir wurden aufgefordert eine Kerze für unsere Kinder anzuzünden und sie mit ans Grab zu tragen, das konnte ich nicht. Ich hatte das Gefühl ich bin mit einem Betonklotz am Boden festgebunden, das übernahm dann der Pap, während ich versuchte nach Luft zu schnappen.

Ich hatte aufgegeben- mich, meinen Körper, alles!

In dem Moment als alle ihre Kerzen anzündeten hatte ich aufgegeben, aufgegeben stark sein zu wollen, wie die letzten Monate, mich selbst aufgegeben und ich war dabei umzukippen. Ich war an einer Grenze, an der ich mich in meinem Leben bisher noch nicht befand und merkte erst jetzt was mein Körper gerade leistet. Er trug mich irgendwie zum Grab meines Kindes, er ließ mich stark sein vor meinem Sternenkind und er ließ mich trauern.

Und das tat ich, ich legte meine rote Rose an die Stelle, an der zu vor die Urne herabgelassen wurde und es leuchteten plötzlich so viele Kerzen auf diesem Grab als wollten die Kleinen sagen „es ist okay“ . Ich beschloss damals als ich die Rose ablegte, das der Kleine die wichtigste Position in unserem Leben haben würde, unser Schutzengel zu sein. 

Und heute? Ist der große Bruder der Schutzengel des Räubers und der kleine Räuber besucht ihn regelmäßig dort. 

Ich bin Mama von zwei Söhnen!

Für mich war es ein wichtiger Schritt die Beerdigung meines Kindes mitzumachen, es trägt ein großer Teil zu meiner Trauerbewältigung bei. Ich habe mir ausserdem eine „Geburtsurkunde“ für unser Stammbuch ausstellen lassen, weil ich nicht möchte, dass unser verstorbenes Kind in unserer Familiengeschichte unter geht.

Ich bin stolze Mama von zwei Söhnen, aber nur einer ist eben bei mir und zwei in meinem Herzen!

 

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