Du warst für ganz kurz, ganz nah / Mein Sternenkind Teil 1

Lange habe ich mir überlegt, darüber zu schreiben. Oft habe ich den Stift wieder bei Seite gelegt und die Zettel zerknüllt, meine Geschichte zu meinem Sternenkind…


Ich war in der 17ten Woche schwanger, was es werden würde, wussten wir nicht. Mir ging es super, bis auf die anfänglichen Übelkeiten. Es ist unser erstes Kind und wir waren unfassbar aufgeregt, über das, was uns erwarten würde.

Ich sehe keinen Herzschlag mehr!

An jenem Vormittag erwartete mich die normale Untersuchung beim Frauenarzt. An jenem Vormittag veränderte sich mein Leben. Bis in jede einzelne Faser erinnere ich mich auch drei Jahre danach noch an jedes Detail. Ich saß auf dem Stuhl und er schallte und ich sah wie immer dabei zu. Es war immer schön mein Baby zu sehen!

Dann hörte er wortlos auf, legte seinen Ultraschall bei Seite und meinte „wir müssen sofort die Uniklinik anrufen“ und ich fragte weshalb, er antworte „egal wie, ich sehe keinen Herzschlag mehr“.

Er sieht bitte was nicht mehr? Wie soll das gehen? Merke ich nicht, wenn es meinem Kind nicht gut geht? Ich war wie gelähmt, in einer Art Trance, die mich völlig gefasst aufstehen ließ, mir einen Termin holte und beim heraus laufen schrieb ich meinem Mann eine Nachricht „Ich muss in die Klinik, wir haben keinen Herzschlag mehr“ . Alle Anrufe ignorierte ich völlig unbewusst und fuhr nach Hause. Am selbigen Tag fuhren wir in die Uniklinik.

Ich hatte nicht einmal geweint, ich schaffte es sogar noch meiner Mutter dieselbe Nachricht zu schreiben, die sich ebenfalls auf den Weg machte.1,5h Stunden Autofahrt herrschte völliges Schweigen mit meinem Mann das einzige was ich sagte war „ich habe Angst“. Aber ich hatte Hoffnung, dass sich unser Dorfarzt versehen hatte und gleich einfach alles gut sein würde.

Ich starb mit meinem Baby

Und dann lag ich dort, ebenfalls beim Ultraschall mit zwei Ärzten, aber es bewegte sich nicht mehr, keine Zuckungen, kein Herzschlag einfach nichts mehr. Es lag gleich da, wie heute Vormittag. Ich starrte fassungslos auf den Bildschirm und ich bekam Gänsehaut.

Es tut mir leid“ das war das, was ich hörte…alle weiteren möglichen Erklärungen wollte ich nicht hören. In diesen Sekunden starb ich mit. Ich stand auf und brach zusammen. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so geweint und so eine unfassbare Leere und einen so unfassbaren heftigen Schmerz erlebt, als in diesen Minuten. „Kann mich bitte jemand umbringen?“ – meine Gedanken.

Zwischen Wut, Trauer, Enttäuschung, Verzweiflung war da noch mein Mann, der ebenfalls sein Kind verlor. Der da saß und einfach nichts sagte.

Nachdem man uns wenige Minuten alleine gelassen hatte, bekamen wir einen Ordner in die Hand gedrückt, über Möglichkeiten der Beerdigung, ein paar Trauersprüche, Hilfestellen für Eltern in unserer Situation. Ich verlor vor wenigen Sekunden mein Kind und muss bereits darüber nachdenken, wie ich es beerdigen sollte. Sammelgrab? Einzelgrab? Bei uns? Urne oder Sarg?

Ich versteckte mich auf der Klinik Toilette und brach mir die Seele aus dem Leib. Wollte ich das jetzt entscheiden? Wollte ich das jemals entscheiden?

Ich musste mein verstorbenes Kind auf die Welt bringen

Wir sollten nach Hause fahren und Koffer packen, so dass ich am nächsten Tag stationär aufgenommen werden konnte. Denn unser Kind war bereits zu groß und deshalb musste ich es auf die Welt bringen.

An den Abend zu Hause kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr wirklich erinnern. Es ist wie ein Filmriss. Ich weiß nur noch, dass ich eine Badewanne nahm und mir den Ordner anschaute. Ich legte ihn weg und sprach mit ihm (nach der Untersuchung wussten wir, dass es ein Junge war). Ich legte meine Hand auf meinen Bauch und entschuldigte mich. Mehr weiss ich leider nicht mehr….

-Bitte lasst es mich wissen, ob ihr Teil 2- meine Geburt, lesen wollt..


Das zu schreiben kostete mich auch drei Jahre danach noch reichlich Tränen und Überwindung und es ist das erste Mal, dass ich es geschafft habe darüber zu erzählen. Ich halte es für wichtig irgendwann, wenn man soweit ist, über den Verlust zu schreiben. Es ist eine Befreiung, auch wenn es dir den Schmerz nicht nimmt und nie nehmen wird.

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