Frühchen Eltern berichten „ich mache euch Müttern Mut!“

Bei den Frühchen Eltern berichten, erzählen so viele unterschiedliche Mütter ihre ganz eigene Geschichte. Heute möchte euch eine Mami ganz viel Mut machen! 


Ein Jahr ist es her, dass wir nach drei Monaten KH Aufenthalt, endlich mit unseren Zwillingen nach Hause durften. In der SSW 31+6 haben Amalia und Philipp das Licht der Welt erblickt.

 

Nachdem ich bereits sieben Wochen stationär wegen vorzeitigen Wehen unter ständiger Beobachtung stand, der Infusionstropf mich Tag und Nacht daran erinnert hat, wie ernst es war, wollte die Hoffnung nicht zerbrechen, dass ich es bis zur SSW 35+0 schaffe. Jedoch platzte die Fruchtblase von Amalia und ich bekam eine Infektion, so dass sich die Geburt unvermeidlich ankündigte. 

 

Meine Zwillinge sind Frühchen! 

 

Beide waren als sogenannte frühe Frühchen auf Inkubatoren angewiesen. Ich war innerlich zerrissen; was war passiert? Gedanken überschlugen sich, ich war benommen und voller Sorge, was meinen Babies bereitstehen würde.

Mein Mann behielt den Überblick; ihm verdanke ich es, nicht völlig die Nerven verloren zu haben. Er hörte mir zu, nahm mich in den Arm und scheute sich nicht, sofort für unsere Fruchtzwerge da zu sein. Es war ein irres Durcheinander.

 

Wie sollte ich das bloß schaffen? Mein schöner, runder Bauch war nicht mehr da, meine Brüste schmerzten furchtbar, die Milchpumpe war mir ein Graus, meine Babies schliefen nicht bei mir, kein Kuscheln, kein Tragen, kein Kennenlernen und erstmal ankommen…

Stattdessen, fremde Hände an ihren zarten Körpern, Kabel Wirrwarr, Maschinen, gesundheitliche Komplikationen.

 

Immer wieder piepste etwas und man war nicht in der Lage seinen Kindern zu helfen. ,,Massieren sie den Brustkorb, massieren Sie seitlich der Rippen entlang, streicheln Sie die Handflächen oder berühren Sie die Ohren, damit sie wieder atmen. Ich funktionierte einfach nur noch. Einige Intensiv- medizinische Maßnahmen waren lebensnotwendig. Wir waren erstaunt, was alles möglich ist. Doch die Schmerz verzerrten Gesichter meiner Kleinen bei so manchem Eingriff, werde ich nie mehr aus dem Kopf kriegen.

 

Befremdliche Gefühle gegenüber meinen Babies hatte ich nicht, doch ich kann verstehen, wenn diese aufkommen. Keine Frühchen Mama sollte sich deshalb schämen. Es ist sehr belastend sein Baby in diesem Zustand zu sehen, nicht zu wissen, was morgen sein wird. Ich stand in den ersten Tagen oft weinend da, und hilflos. Ich begriff einfach nicht, was passiert war. Und ich war unglaublich wütend, dass wir nicht happy Family sein durften. 

 

Als Frühchen Mama lernte ich dann jedoch schnell, mich um meine Babies zu kümmern. Umso mehr ich in die Pflege der beiden involviert wurde, umso mehr ich übernahm, umso stärker wuchsen wir zusammen. Daher finde ich es toll, dass es KHs gibt, die einen anleiten und die Verantwortung übertragen.

 

Auch heute noch hab ich immer wieder Momente mit einem Kloß im Hals. Bilder und durchlebte Situationen, die aufrütteln, die nicht verkraftet sind.

 

Seid stark! Euer Frühgeborenes liebt euch! 

 

An Frühchen Eltern, möchte ich diese Worte richten: traut euch mit eurem Kind zu sprechen, singt  Lieder, spielt Musik, kuschelt viel und lange, sobald euer kleines Wunder fit genug ist, baut eine Beziehung auf. Ihr wart bereits so sehr miteinander verwurzelt, das hört mit einer Frühgeburt nicht auf.

 

Ihr seid stark und großartig! Euer Baby liebt euch! Ich wünschte, man hätte mir dies ganz oft gesagt, statt unangemessene und schlichtweg verletzende Kommentare an den Kopf geklatscht zu bekommen. Denkt daran: ihr müsst das durchleben und sonst keiner! Viele Außenstehende verstehen die Bedenken und Sorgen nicht. Lasst euch nicht beirren, eure Gefühle sind berechtigt! Sprecht mit den engsten Verbündeten, lest viel in Internetforen, Blogs oder einschlägiger Literatur, trefft euch mit Gleichgesinnten. Besinnt euch darauf, viel zu lernen und mit der Zeit, immer mehr da sein zu können für euer kleines Wunder. Einzig Das zählt! 

 

Und irgendwann geht’s für euch nach Hause. Freut euch, wenn ihr soweit seid. Je nachdem wie hart eure Zeit im KH war, warten zuhause ganz neue Herausforderungen und auch diese Zeit ist eine gänzlich andere als erwünscht. So hatten wir Therapien und oft Arzttermine wahrzunehmen. Ich hatte immer wieder Stillprobleme und unser Umzug in eine andere Stadt stand kurz bevor. Auch hier wird sich euer Einsatz lohnen. Euer Baby ist nun bereit für die Welt da draußen und wird fortan eure Obhut genießen. Ihr schafft das!

 

Meine Zwillinge haben die Blessuren und Eingriffe der Frühchenstation hinter sich. Natürlich stellen wir uns immer wieder die Frage, welche Spätfolgen dennoch auftreten könnten, oder wie sie ihre erste Zeit auf Erden tatsächlich erlebt haben. Selbstvorwürfe schwingen immer mal wieder mit; warum war die Schwangerschaft so abrupt beendet? Was hab ich falsch gemacht? Doch auch hier gilt lasst euch nicht reinreden, nicht entmutigen und straft euch nicht selbst. Es ist wie es ist aber es wird viel, viel besser. Ganz bestimmt! 

 

An meinen Ehemann und meine Zwillingsschwester: Danke! Von Herzen Danke für die liebevolle Begleitung, die ich in dieser Zeit gebraucht habe. Danke für jede Umarmung und euer Verständnis, dass ich viel reden musste. Ihr habt mir den größten Halt gegeben.

Quelle Bilder: privat – Inhaber: Eltern des Beitrages, möchten anonym bleiben.


Möchtest du deine Frühchen Geschichte erzählen? Dann maile mir an info@mamasdaily.net oder trete doch einfach unserer Frühchen Eltern- Gruppe auf Facebook bei! – hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.