Schwangerschaft ab der 12. Woche verkünden? So eine Scheisse!

Eine Schwangerschaft ist immer ein freudiges Ereignis, so auch aktuell gerade im Königshaus. Meghan Markle ist schwanger. Und was haben wir alle gewartet!


Meghan Markle ist schwanger– herzlichen Glückwunsch! Und was haben die meisten von uns auf genau dieses freudige Ereignis gewartet?! Und mit ihrer öffentlichen Verkündung, ist sie auch bereits schon im dritten Monat. Wahnsinn! 3 Monate ein Versteckspiel…

Und genau das ist wieder ein example par exellence, wie es eben in der heutigen Gesellschaft meiner Meinung nach NICHT mehr sein sollte!

Eine Schwangerschaft fängt nämlich nicht erst im dritten Monat an. Eine Schwangerschaft hat bereits begonnen, bevor du es selbst wusstest. Warum sollte es dann die Öffentlichkeit erst ab dem dritten Monat oder die „Faustregel“ nach der 12. Schwangerschaftswoche erfahren? Warum macht man aus einem freudigen Ereignis so ein Geheimnis?

Du bist schwanger – herzlichen Glückwunsch! 

Leider sind neben der Prominenz und dem Hochadel auch viele andere Menschen und leider die Mehrheit, davon überzeugt, sein freudiges Ereignis erst nach dem dritten Monat auf Grund des Fehlgeburtenrisikos zu erzählen.

Natürlich ist das immer eine Entscheidung, die jeder individuell für sich treffen soll und darf. Das möchte ich an dieser Stelle ganz klar nochmal erwähnen!

Jedoch sieht die Realität ganz anders aus, viele halten sich „an die Regel“ . Und die „Regel“ besagt, erst nach der 12. Ssw eine Schwangerschaft zu verkünden. Was oft aber auch leider dazu führt, dass sich automatisch der Gedanke “ ich bin danach vor Fehlgeburten sicher “ in die Köpfe der Schwangeren setzt. Dem ist aber nicht so! 

Warum gibt es diese „Regel“?

Schließlich ist der Mensch im Normalfall so gepolt, das er die Freude gerne mit anderen teilt. Aber hier?

Ich muss dazu sagen, dieses Thema ist sogar ein hitziges Diskussionsthema zwischen dem Räuberpapa und mir selbst. Er ist da ganz anderer Meinung, eigentlich genau derer, die ich so gar nicht vertrete. Nämlich, dass es völlig tolerabel ist, erst nach der 12ten Schwangerschaftswoche bescheid zu sagen. Denn davor könnte so vieles passieren und das sollten andere, also die Öffentlichkeit nicht mit bekommen.

Wir haben das bei unserem ersten Kind genau so gemacht, nach der 12. Schwangerschaftswoche wussten dann alle bescheid, alle freuten sich riesig. In der 17 Schwangerschaftswoche jedoch war alles vorbei und wir haben unser Kind verloren. Bei unserem Räuber habe ich es dann anders gehandhabt. Es wussten alle direkt bescheid.

Jeder sollte selbst entscheiden wann, ohne „Regel“ !

Meine Meinung zu dieser gesellschaftlichen Zwangsregel, hat sich nach meinem einschlägigen Erlebnis grundlegend geändert.

Fakt ist, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt in den ersten 12 Wochen größer ist. Jedoch gibt es keinen Garant dafür, dass man nach 12 Wochen von solch einem schrecklichen Ereignis geschützt ist. Siehe uns, wir sind das Paradebeispiel dafür, dass es auch anders gehen kann.

Also stellte ich mir tatsächlich nach unserem ersten Kind und in der Schwangerschaft mit unserem zweiten Kind die Frage, was das eigentlich soll? Denn schließlich ist es egal, falls dein Kind stirbt, wann es gestorben ist, denn – es ist dein Kind! 

Und zu „verstecken“, dass das eigene Kind – ein Mensch –  gestorben ist, halte ich nicht nur für die größte Scheisse schlechthin, sondern stellt sich auch gegen all das, was Sternenkindereltern seit Jahren versuchen zu erkämpfen. Für Akzeptanz, für Anerkennung und Unterstützung!

Wie soll so ein schreckliches Ereignis akzeptiert werden, wenn niemand davon weiß? Wie soll ich irgendwo Unterstützung finden, wenn niemand davon weiß und wie soll die Tatsache akzeptiert werden, dass ich mein Kind verloren haben? …gar nicht, weil niemand davon weiß.

Und es gibt unterschiedliche Wege einer Trauerbewältigung, aber ein entscheidender Punkt spielt egal wie, immer eine wichtige Rolle. Die, der Hilfe anderer. Die kann ganz unterschiedlich aussehen, aber es tut gut zu reden ob früher…oder später… Aber wie, wenn alle nicht mal wussten, dass man schwanger war?

Es ist – egal wann- dein Kind! 

Ich möchte nochmals erwähnen, dass es jedem selbst überlassen ist, wann und ob die Verkündigung der Schwangerschaft stattfindet. Aber die Tatsache, dass es in der Gesellschaft die „12. Schwangerschaftswochen Regel“ insgeheim existiert, die nicht nur Promis vor leben, sondern in aller Munde ist, sollte verpönt werden.

Es ist leider schon traurig genug, dass die Möglichkeit, Kinder unter 500g. offiziell beerdigen zu können und im Personenregister registrieren zu lassen, erst seit 2013! existiert. Leider viel zu spät, aber besser spät als nie.

In dieser Thematik muss leider noch so viel Arbeit geleistet werden, hin zur vollständigen Akzeptanz. Eine solche gesellschaftliche „Regel“ trägt aber leider ganz und gar nicht dazu bei, zu symbolisieren das eine Fehlgeburt okay ist, egal wann und das es immer dein Kind sein wird. Sondern das es leider immer noch unter 500g und unter der 12. Schwangerschaftswoche „genetischer Müll“ (Wortlaute in Kliniken und immer noch eine Standardbezeichnung für solche Kinder) ist. Oder wie mein damaliger Chef meinte “ das brauchen Sie mir jetzt noch nicht erzählen, das ist ja noch nichts “ . 

Dabei kann beim frühzeitigen bescheid geben im Umfeld im schlimmsten Fall ein Verständnis der Schwangerschaft eintreten. Denn plötzlich verstehen alle, warum man so müde ist, oder warum man ständig bricht. Und das ist in den ersten drei Monaten besonders schlimm. 

Also denkt doch einfach mal darüber nach ob ihr das „nicht sagen dürft…weil….“ oder ob ihr für euch ganz alleine entschieden habt, wann ihr das freudige Ereignis preis gebt. 

Der Tod gehört zum Leben, so wie andersherum. Und ja, ich selbst bin der Meinung, dass es nicht schlimmeres im Leben geben kann, als sein eigenes Kind zu verlieren. Aber es ist der Tod eines Menschen, der doch bitte anerkennt werden soll, egal wann man sein Kind verloren hat. 

 

5 Kommentare

  1. Busymamawio

    Eine sehr interessante Sichtweise!
    Ich habe von meiner zweiten Schwangerschaft recht früh erzählt. Zum einen habe ich sehr früh ein Bauch bekommen und konnte es eh nicht mehr verstecken, zum anderen ist bei mir die Gefahr jetzt gegen Ende nicht geringer als in den ersten 12 Wochen… Who Cares.
    Viele Grüße
    Wioleta von http://www.busymama.de

  2. Da stimme ich mit ein, es ist schon vor der 12. SSW ein Mensch der lebt. Also bitte beim Thema Abtreibung auch daran denken – es wird ein Menschenleben ausgelöscht!

  3. Sternenmama

    Danke.

    Ich war bei meiner Fehlgeburt in der 10ssw sehr dankbar, dass viele Menschen um mich waren, die mir zwar den Schmerz nicht nehmen, ihn aber teilen und mich begleiten konnten. Gott sei Dank hatte ich schon allen von der Schwangerschaft erzählt. Mein Kind wird niemals vergessen werden.

  4. Hallo,
    Schöner Artikel! Du hast völlig Recht! Jeder sollte selber entscheiden. Ich denke die Familie Silke es von Anfang an wissen, dann auch wenn was schief geht- sollten es alle wissen. Die Eltern sollten den Schmerz nicht verstecken, wenn sie das erleben müssen. Die Familie sollte dann Dasein können und auch Freunde können in dieser schweren Zeit helfen!
    Schön dass du es thematisiert hast!
    Alles Gute für dich und deine Familie, Patricia

  5. Hallo,
    Danke für deinen Bericht.

    Wir wollten bei unserem Kind eigentlich auch allen sofort erzählen, dass ich schwanger bin. Unsere Ärztin gab uns einen für mich guten Gedanken mit auf dem Weg.

    Sollte ich in den ersten 12 Wochen mein Baby verlieren und habe noch niemanden wirklich von der Schwangerschaft erzählt, habe ich die Entscheidung, wem ich von meinem Verlust erzähle und mit wem ich meine Trauer teile. Erzähle ich es in meiner Euphorie vielen Menschen, bestimme nicht ich, wann ich darauf angesprochen und wieder mit dem Gedanken konfrontiert werde. Auch dann, wenn es vielleicht mal eventuell eine Sekunde gäbe, wo ich einen anderen Gedanken gefasst habe, als an den Verlust zu denken.
    Manchen Menschen fällt es auch schwer mit einem Betroffenen normal umzugehen.

    Der Gedanke, dass man es auf Grund von einer gesellschaftlichen Zwangsregel nichts verraten sollte, ist mir persönlich noch nicht gekommen. Mir ging es bei der Entscheidung um mich, weniger um die anderen.

    Ich finde es schlimm, dass Eltern, die einen Verlust erleiden, um Akzeptanz kämpfen müssen! Ich wünsche Betroffenen viel Unterstützung und offene Ohren und Arme!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.