Sei Pippi, nicht Annika! Warum diese Aussage genau richtig so ist!

Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf.

Wow…und das ohne eine Suchmaschine. Pippi Langstrumpf – Ein Kinderbuch von der fantastischen Autorin Astrid Lindgren und meine Kindheit…


Ob auf Instagram oder inzwischen auf mehreren Blogs, gerade scheint man sich ganz schwer an dem Statement „Sei Pippi und nicht Annika“ aufzuhängen. Vielen stößt das sauer auf….

Ich habe mir lange Gedanken gemacht, ob ich meine Sicht der Dinge dazu ebenfalls gerne aufschreiben möchte, ob ich es stehen lassen soll, oder womöglich nur ein Kommentar unter den Blogs verfasse. Ich habe mich dazu entschieden meine Sicht der Dinge zu diesem Thema aufzuschreiben. Warum?

Weil es für mich in erster Linie nicht nur ein cooler Satz auf einem Shirt, einer Postkarte oder einem Wandtattoo ist, sondern tatsächlich mein Kindheit, meine Erinnerungen, eine Zeit die mich geprägt hat.

Astrid Lindgren und Pippi Langstrumpf – meine Kindheit! 

Ich habe die Bücher von Astrid Lindgren verschlungen. Pippi war meine Kindheit. Mir bleibt insofern also gar nichts anderes übrig, als mir Gedanken zu machen.

Gedanken über diesen Satz, eine Meinung zu bilden und darüber nachzudenken, ob die empörte Aufruhr für mich persönlich tatsächlich Sinn ergibt oder eben nicht.

Aber nun mal von Vorne…

Warum stößt es vielen sauer auf? Für alle die keine Lust haben bei einer Suchmaschine diesen Satz einzugeben und dann unzählige empörte Blogbeiträge dazu zu lesen, hier mal kurz das „Gegen“ zusammen gefasst:

Jemand der eher introvertiert, zurückhaltend, schüchtern, und eine gesunde Erziehung genießt wie Annika, darf genau so sein und muss eben nicht Pippi sein, extrovertiert, verrückt, unbändig, frech, laut, schrill. Es ist also ein Unding zu sagen, du sollst diese Person sein und nicht diese! Das ist also die Kernaussage und die Definition derer, die sich an diesem Satz “ Sei Pippi und nicht Annika“ stören. Der Satz wird also auch als Aufforderung gesehen, eine Person sein zu müssen. 

„Sei Pippi nicht Annika“ – Die Rollen des Buches richtig interpretieren! 

Ganz grob sind dies also die Aussagen sämtlicher Meinungen aus den verschiedenen Blogbeiträgen. 

Per se stimm ich da erstmal zu, denn jeder sollte genau so sein, wie er ist. DAS muss und sollte die Kernaussage des Ganzen sein.

Ich bin jedoch der Ansicht, dass mit diesem Aufhänger an diesem Satz mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Wie leider so oft in der viralen Welt. Ich interpretiere diesen Satz nämlich völlig anders und impliziere hierbei nicht, dass ich eine Pippi sein MUSS und KEINE Annika sein DARF.

Ist die Kernaussage des Satzes hier nicht eine völlig andere? Und ist es vor allem nicht maßlos übertrieben sich an einem solchen Satz gestört und verletzt zu fühlen?

Meiner Ansicht nach ist die Aussage des Satzes an das Kinderbuch und die Interpretation der Rolle gelehnt (was auch durchaus Sinn macht).

Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Buch nicht gestern geschrieben worden ist. Erschienen ist das Kinderbuch von Astrid Lindgren 1945. Eine Zeit in der Frauen ein völlig anderes Rollenbild hatten als Heute. Eine Zeit, in der eine großer Umschwung herrschte.

Nachdem man während des Krieges jede Hand benötigte, wurde plötzlich nach dem Krieg die Rolle als Frau am Herd gesehen und von Jahr zu Jahr verstärkt.

Anders zu sein, ist völlig in Ordnung! Die Kernaussage von Pippi Langstrumpf?

Betrachtet man das Kinderbuch im Groben entgeht einem nicht, dass die Persona absichtlich übertrieben dargestellt sind. Pippi hat Superkräfte, lebt alleine in einer Villa, mit Tieren die eher in den Zoo gehören als in ein Haus usw. .Dahingegen Annika und ihr Bruder ein gut behütetes Elternhaus haben, pünktlich zum Essen zurück sein müssen und immer gut angezogen sind.

Lindgren wollte mit beiden Rollen an die damalige Zeit anlehnen, eine Figur erschaffen, die so gar nicht in das damalige Frauenbild passte. Eine Persona mit Pippi zeigen, die Mut machen sollte, Mut dafür auch mal anders zu sein, Mut dafür auch mal auszubrechen, sich was zu trauen, stark zu sein außerhalb der Norm. Anders zu sein, aber trotzdem völlig in Ordnung.

Und kennen wir nicht Lindgren genau so? Fernab des Mainstreams, ich will nicht sagen aufmüpfig, aber auf jeden Fall eine Person die für ihre Meinung einsteht?! Es gehört in dieser Zeit also tatsächlich auch ein bisschen Mut als Autorin dazu, eine Persona in der Form darzustellen und gleichzeitig damit Kritik an der damaligen Norm zu äußern, oder nicht?

Astrid Lindgren und das Rollenbild der Frau von Damals!

Was oder wer ist also Annika? Annika ist demnach das typische Frauenbild in dieser Zeit, immer gut angezogen, freundlich, höflich, zurückhaltend. Es ist also das typische Mädchen-Klischee dieser Zeit.

Wenn wir uns also mit dem Buch, mit der Autorin und den Rollen sowie dem Hintergrund, wann dieses Buch entstanden ist, beschäftigen, dann müsste man diesen Satz alles andere als negativ sehen, im Gegenteil…denn dann heißt doch dieser Satz „Du darfst auch gerne außerhalb der Norm sein“ ….oder nicht?

Und abgesehen davon, dass jeder so sein sollte, wie er möchte, zeigt doch die Aussage, dass Menschen außerhalb der Norm Akzeptanz genießen sollten. Eine wichtige Kernaussage!

Nicht nur Damals, sondern auch Heute!

 

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