Bitte lasst mich um mein Sternenkind trauern!

Sternenekinder

Ein Gastbeitrag einer Sternenmami, die ihre Geschichte erzählt und wie hart es sein kann, wenn man um sein eigenes Kind trauern möchte…


Ich war 24 und alleinerziehende Mami als ich diesen einen Mann kennenlernte den ich für immer an meiner Seite haben wollte, und das beruhte auf Gegenseitigkeit. 2 Jahre waren vergangen und so nutzte ich meine Chance bei einem Kontrolltermin mit meinem Arzt über das Thema Schwangerschaft zu sprechen.

Meine Schockdiagnose

Nach der Untersuchung setzten wir uns an den Tisch und er teilte mir mit das ich wohl dieses PCO-Syndrom habe und ich nur zwei Möglichkeiten habe schwanger zu werden: Option 1 war ein operativer Eingriff, Option 2 war die Behandlung mit Hormonen, wobei diese maximal 6 Monate eingenommen werden sollten. 

Gut zwei Wochen nach der „Schockdiagnose“ hatte ich auch keine Zeit mehr mir den Kopf darüber zu zerbrechen, da ich mit Verdacht auf Gastritis zum Radiologen geschickt wurde. Der Radiologe machte einen Bauchultraschall und fragte mich dann allen Ernstes, ob ich etwa schwanger sei, denn er würde etwas sehen, das wie eine Fruchtblase aussehen würde. 
Auf dem Heimweg machte ich einen kurzen Zwischenstopp um einen Schwangerschaftstest zu besorgen – aber wie sollte das gehen? Ich und schwanger? Das ist doch nicht möglich, oder etwa…. doch? 

Ich und schwanger…verdammt, ja!

Ich machte noch einen Test – wieder positiv! Dann fuhren wir ins Krankenhaus. Ich weinte, ich hatte panische Angst

Sternenkinder

Ich sah den Herzschlag unseres absoluten Wunschkindes! Ich konnte mein Glück einfach nicht fassen! Kurz vor Weihnachten haben wir dann noch erfahren, dass wir am 16. Juni 2015 einen Jungen bekommen werden und wir hatten uns auch schnell auf den Namen geeinigt – Sebastian!

Bei einem Konrolltermin mussten wir einen Bauchultraschall machen, weil er so ungeschickt lag. Der Arzt fuhr ganz nervös auf dem Bauch hin und her und ich wusste sofort, irgendetwas stimmt hier nicht. Auf einmal herrschte eine beunruhigende Totenstille.
Dann brach dieser Satz aus ihm hervor den keine schwangere Frau jemals auf dieser Welt hören sollte – „Das Herz schlägt nicht mehr.“

Augenblicklich stürzten Bäche aus Tränen herab und ich fühlte mich, als würde die Welt untergehen! Ich bekam noch eine Überweisung für das Krankenhaus und so schickte er mich nach draußen. Ich fühlte mich so wahnsinnig leer und fragte mich, ob ich gerade einfach nur einen schlechten Traum habe. Kaum zur Tür raus, rief ich meinen Freund an. 

Sein Herz hatte einfach aufgehört zu schlagen!

Wir fuhren ins Krankenhaus, und ich hatte aber irgendwo noch die winzige Hoffnung dort zu hören, das sich der Arzt erneut getäuscht hätte. leider wurde diese Hoffnung sehr schnell zerschlagen – das Herz schlug tatsächlich nicht mehr, und das wohl schon seit einer längeren Zeit. Am darauffolgenden Tag sollte dann die Geburt eingeleitet werden.

Der 13. Jänner 2015 sollte also der Tag sein, an dem unser kleiner Sebastian still zur Welt kommen soll. Abends war es dann soweit, die Wehenmittel zeigten ihre Wirkung und unser kleiner Engel kam zur Welt – ohne Schrei, ohne Herzschlag. Wir betrachteten ihn, er was so winzig und schutzlos und doch so vollkommen mit seinen 15 Zentimetern.

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Mein Baby musste sterben, noch bevor es jemals das Licht der Welt erblicken durfte. Mit einem Schlag war mein Leben leer und sinnlos, ich fühlte mich absolut lustlos. Ich gab mir Mühe für meinen größeren Sohn zu funktionieren, aber das kostete wahnsinnig viel Kraft.

Ich beschäftigte mich sehr viel mit dem Thema Fehlgeburt. Dei Angst überkam mich, das dieser für mich perfekte Mann sich von mir abwenden könnte, weil ich ihm keinen Sohn schenken konnte. Weil ich es nicht geschafft habe, auf unser Kind zu achten. 

Langsam kämpfte ich mich ins Leben zurück und hatte das große Glück, dass ich eine Auszeit bekam. Ich durfte 3 Wochen weg von Zuhause, von den schlechten Gedanken, von all diesen Erinnerungsstücken, die mich an unseren kleinen Sternenprinz erinnerten. 3 Wochen für mich alleine, um mich neu zu sortieren und dann wieder voll ins Leben zu finden. Dann kam der Tag an dem ich wieder in mein Leben zurück kehrte, der 16. Juni 2015 – der eigentliche Geburtstermin für unseren Sohn.

Bitte lasst mich um mein Kind trauern!

Wenn mich die Trauer überkam, versuchte ich diese runter zu schlucken, wenn sie zu groß wurde, suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen und ließ ihr freien Lauf, um mich danach wieder sammeln zu können und weiter zu machen.

Es gab Menschen die kamen mit meiner Trauer nicht klar und kehrten mir den Rücken. Menschen die absolut nicht den Hauch einer Ahnung haben, was das für Betroffene bedeutet. Menschen, die dir sagen: „Ich verstehe deine Trauer, aber nun lass es doch auch endlich wieder mal gut sein. „

Unser Leben ging weiter, ohne diese abscheulichen Menschen und ohne unser Baby. Ich denke wir haben einen guten Weg gefunden und was das Thema Folgewunder betraf … Kaum war ich wieder richtig zurück im Leben (mit Höhen und Tiefen) durfte ich wieder einen positiven Test in Händen halten.

Die erste Untersuchung bei meiner neuen Gynäkologin war auch keine große Hilfe – es war nur eine (leere) Fruchtblase zu sehen. Somit hieß es abwarten und Tee trinken, zwei Wochen lang auf Nadeln sitzen und …. das Beste hoffen!

Dann kam der Tag von dem ich hoffte, er würde meinem Leben endlich die positive Wendung geben, die ich so dringend brauchte.. Und dann war ich stolze Besitzerin eines MuKi-Passes eines Kindes, das lebt!

Ich war stolz, glücklich und hätte die ganze Welt umarmen können… im nächsten Moment aber überkam mich auch schon wieder die Panik. Wie wird es diesmal ausgehen? 
Auch dieses Mal sollten wir einen Jungen bekommen – 8 Tage nach dem errechneten Termin! Selbst im Kreißsaal hatte ich noch panische Angst etwas könnte nicht stimmen, als ich nicht sofort einen Schrei zu hören bekam.

Bis heute bin ich mehr als ängstlich, vor allem nachts und man keinen Ton hört, kein Schnarchen, einfach nichts.

Sternenekinder

Aber ich bin mir auch zu 100% sicher, Sebastian – unser kleiner Engel – wird stets über seinen kleinen Bruder wachen und aufpassen das ihm nichts geschieht.

Meine Lieben da draussen, die vielleicht auch so etwas erlebt haben, vertraut darauf das alles gut werden kann – denn das kann es! Gebt die Hoffnung niemals auf und bleibt stark <3

 


Und weil dieses Thema kein Tabu Thema sein sollte, berichtet hier eine weitere Sternenmami für euch!

Gefällts dir? Teile den Beitrag gerne!

10 Kommentare

  1. Sehr berührend! Läßt bei mir wieder Gedanken an unsere Sternenkinder stärker werden, auch wenn das schon 24 und 16 Jahre her ist. Auch wenn es schon so lange her ist, frage ich mich immer wieder , wie diese Kinder wohl geworden wären….Wir durften das große Glück 2 mal erleben, nach den Verlusten ein Kind zubekommen. Nun haben wir diese 2 wunderbaren Kinder, die nicht da wären, wenn ihre Geschwister zur Welt gekommen wären. Aber die Schwangerschaften waren sehr belastet, weil man bei jeder Untersuchung wieder mit furchtbaren Nachrichten gerechnet hat. So haben wir uns von Untersuchung zu Untersuchung gehangelt, waren dann einige Zeit beruhigt, bis die nächste Untersuchung anstand….. Alles ist gut geworden. Aber ich kann bestätigen, dass man nach einer so schrecklichen Erfahrung verspannt ist und auf jeden Mux und Pieps des kleinen Menschen achtet. Alles Gute für Dich und Deine Familie

  2. Liebe Yvi,
    deine Geschichte berührt mich sehr! Ich kann so viele deiner Gefühle und deiner Gedanken teilen. Unser Sohn ist am 27.03.2014 still zur Welt gekommen. Bei dem Umtersuchungstermin habe ich sofort gesehen das sein Herz nicht mehr schlägt … es war ein Gefühl der Ohnmacht, der Schmerz hat mich gelähmt und wie du schon sagst, meine Welt ist in diesem Moment zusammengebrochen. Ab dem Tag an habe ich 6Wochen nur geweint und dann gab es da noch diese super hilfreichen Menschen die Sprüche gesagt haben wie „jetzt reis dich mal zusammen, war doch eh noch kein richtiges Kind!“ … ohne Worte! Es tat mir so gut mit anderen Betroffenen Sternenmamas/Papas zu schreiben denn sie verstehen mich und haben mir Hoffnung nicht aufzugeben.
    Kurze Zeit später war ich wieder schwanger und unsere Isabel ist kerngesund. Die Schwangerschaft war aber sehr belastend. Mir ging es wie Doro, man hangelt sich von Untersuchung zu untersuch. Und die Angst sie zuverdienen ist manchmal unerträglich.
    Letztes Jahr dürften wir uns wieder über ein positiven Schw.test freuen, dieses Wunschkind mussten wir jedoch wieder zu den Sternen ziehen lassen. Diesmal etwa früher im 4 Monat. Jetzt haben wir Angst es erneut zu versuchen! Aber 2 Kinder war immer unser Traum, wir sind hin und hergerissen.

    Ich freue mich sehr darüber dass ihr nach den tragischen Verlusten eurer Sternenkinder Mamas von gesunden, lebenden Kindern sein dürft und wünsche euch und euren Liebsten alles Gute!
    LG Lissy

  3. Pingback: Ich bin Mutter, auch wenn es mir mein Kind nie sagen wird |

  4. Stefanie

    Das berührt mich so sehr deine Worte zu lesen das ich nun unter Tränen leider feststellen muss das dies noch immer solch ein Tabu-Thema ist. Alle Welt berichtet über fröhliche Geburten aber kein Mensch befasst sich mit den Eltern die weniger Glück hatten – welch tiefer Schmerz in einem sitzt – welche Vorwürfe man sich selbst macht, hiermit wird man völlig sich selbst überlassen. Auch von den Ärzten helfen die Sprüche wie: „so wollte es die Natur“ oder „das trifft jede 2-3. Frau“ nicht sehr viel, eher im Gegenteil. Den man macht sich Gedanken darüber was den wäre wenn es die Natur einem NIE zulassen wird eine Mama zu werden…..auch wir mussten unserer größten Wunsch – unserer bis dahin größtes Geschenk – unsere schönsten Gedanken und diese schönen Erinnerungen an die kleinen flimmernden Herzschläge unseres Sternenengels schmerzlich gehen lassen. Für einiges auf dieser Erde gibt es keine Worte, so auch nicht für den Verlust und das erleben einer solchen Erfahrung.

    Vielleicht dürfen auch wir eines Tages Eltern werden.

    LG und viel Kraft,

    wünscht allen Steffi

    • Liebe Steffi,
      danke für deine offenen und ehrlichen Worte! Ich wünsche euch ganz viel Kraft dafür! Euer Sternchen beschützt euch und schaut euch jeden Tag zu 🙂

  5. hallo ihr lieben. ich lese eure geschichten und fühle eine art scham und verzweiflung. vor 4 wochen erfuhr ich dass ich schwanger sei. mein glück konnte ich nicht fassen. zwei wochen später sagen sie mir (bereits in.der 7 sww) es sei eine eileiter schwangerschaft. ich hatte eine not op. dieser eileiter wurde entfernt weil die erbse zu gross war. heute sind es zwei wochen her. und meine trauer wird nicht weniger. die meisten von.euch haben euer baby gesehen bzw es war älter als zwei monate als ihr es verloren habt. hab ich ein recht zu trauern? ich höre von menschen es war nichts, du muss nicht traurig sein. aber ich bin es. es hatte doch ein herz. in einen anderen forum meinte eine mutter, dass ich mich nicht vergleichen kann. ich habe kein sternenkind verloren. trotzdem habe ich einen grossen schmerz im herzen…

    • Hallo Liebes,

      erstmal möchte ich, dass du dich fest gedrückt fühlst!
      Dein Sternchen schaut dir nun von oben zu und ist bei dir.
      Und bitte..bitte..tu mir einen Gefallen höre nicht auf etwaige Kommentare!
      Es ist völlig egal, ob man sein Kind gesehen hat, oder nicht, wieviel es gewogen hat,
      wie groß es war oder in welcher Schwangerschaftswoche du den Verlust erlitten hast.
      Fakt ist, du hast dein Kind verloren – und darum geht es.
      Und natürlich hast du ein Recht zu trauern, und du sollst auch trauern. Das ist ein Prozess
      der dazu gehört und der wichtig für dich ist.
      Es wird nie mehr so sein wie es war, aber es wird irgendwann wieder einfacher.
      Lass deine Gefühle zu, nimm deine Emotionen an.
      Ich wünsche dir alles Liebe auf deinem weiteren Weg und ganz viel Kraft!

      Grüße
      Yvi

  6. Hallo, eigentlich kann ich mich nicht wirklich dazu zählen, aber trotzdem hat mich Deine Geschichte sehr berührt. Ich war endlich nach 9 langen Jahren und vielen Zweifeln ob ich überhaupt schwanger werden könnte, endlich schwanger .. leider nur 7 Wochen…. da ist das Wesen noch nicht wirklich ein Kind, nur ein Zellhaufen und trotzdem bin ich am Boden zerstört. Und kann mir nur schwer vorstellen wie es sein muss wenn das Kind schon viel weiter ist…Ich weiß nicht ob ich das recht habe überhaupt sagen zu dürfen dass ich ein Kind verloren habe. Es zerreißt mich innerlich und ich weiß nicht ob ich die Kraft haben werden wieder die Hoffnungen zu wecken schwanger werden zu wollen, ich bin schon über 40 und denke dass war meine einzige Chance, leider. Meiner Familie und auch die meines Mannes lächle ich tapfer zu wenn Sie mir sagen ich soll weiter probieren und tapfer sein, aber wenn ich allein bin breche ich zusammen und nichts geht mehr. Ich hoffe dass es irgendwann wieder normal wird, aber es wird nie wieder wie früher. Da bin ich mir sicher und ich könnte meinen Mann verstehen wenn er sich von mir abwenden würde ….jeder erträgt einen trauernden Menschen eine gewisse Zeit , den einen länger den anderen weniger lang.

    • Liebe Lisa,

      um ehrlich zu sein schockt mich gerade dein Text sehr. Warum solltest du nicht „dazu zählen?“ Ein
      Kind zu verlieren, ist nun mal ein Kind zu verlieren, egal wann. Für einen selbst ist es das schlimmste,
      was einem passieren kann!
      Also bitte, bitte rede dir nicht ein, dass du deine GEschichte nicht erzählen darfst, weil du nicht dazu gehörst!
      Ich wünsche dir alles Gute und ganz viel Kraft!

      Viele Grüße
      Yvi

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