Weltfrühchentag: Mein Heldenkind-mein Frühgeborenes-Baby!

Jedes Kind ist etwas Besonderes, und für jede Mutter ihr eigenes Heldenkind. Mein Kind ist ein früh geborenes Baby, ein Kämpfer und ein kleiner, großer Held!


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Ich sehe, wie du alles in dich aufsaugst, wie ein Schwamm. Wie du neugierig, mutig durch den Alltag stapfst. Und wie du gerade im Kindergarten angekommen bist, versuchst dich zurecht zu finden. Ich weiß, du wirst das schaffen. Weil du ein Kämpfer bist!

Aktuell packen mich wieder die Emotionen, denn nicht nur, weil am 17.11. Welt-Frühgeborenen-Tag, sondern auch weil der Räuber und ich gerade einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Denn seit ein paar Tagen versuchen wir uns in den Kindergarten ein zu gewöhnen. Und er macht es super!

Deshalb katapultiert es mich in dieser Zeit mit meinen Gedanken völlig emotional zurück, vor drei Jahren, als der Räuber nicht aus meinem Bauch wollte, aber musste.

Damals endete unsere gemeinsame Bauchbewohnerzeit leider sehr abrupt mit einer unschönen Schwangerschaftsvergiftung, die ich selbst nicht mehr unter Kontrolle hatte und die mein Blutdruck völlig unkontrolliert in die Höhe schießen ließ.

Der Welt-Frühgeborenen-Tag, ein besonderer Tag für uns! 

In der 30.ten Schwangerschaftswoche lag ich ängstlich, ahnungslos, zitternd im Kreißsaal und wusste nicht was auf mich zukommen würde. Alles musste in dieser späten Nacht recht schnell gehen, denn ich selbst fiel bereits in Ohnmacht, übergab mich mehrmals und minütlich ging es mit mir und meinem Körper und somit auch mit dem Räuber bergab. Innerhalb von Minuten bekam ich extreme Wassereinlagerungen, so dass ich mich nicht mehr bewegen konnte und meine Hände und Finger ließen sich nicht mehr schließen. Es musste gehandelt werden und so wurde ein Notfall-Kaiserschnitt durchgeführt.

Der Plan war natürlich ein anderer, aber bei welcher Schwangeren ist das nicht der Plan? Eine völlig unbeschwerte Schwangerschaft zu haben, 40 wunderbare Wochen zu erleben, sein Baby in vollen Zügen genießen zu können und sich gerne an die Zeit danach zu erinnern?

Wir endeten in der 30.ten Schwangerschaftswoche mit einem Notfall-Kaiserschnitt und einem frühgeborenen Baby. Denn es hieß binnen Minuten „herzlichen Glückwunsch, Sie sind Mutter.“

Ich hatte Angst, war irgendwie verloren, wusste nicht so recht wie. Ich hörte nicht mal mein Baby nach der Geburt schreien und ich sah ihn auch nicht, da er direkt angeschlossen und versorgt werden musste.

Da ich einen Kaiserschnitt bekam, konnte ich erstmal nicht aufstehen und laufen und das ganze drei Tage lang. Eine Zeit, in der ich Mutter geworden bin, aber mein Kind noch nicht sehen konnte. Dafür aber alle anderen, die komplette Station, das Pflegepersonal, und sein Papa.

Und plötzlich war ich Mama! 

Es war ein komisches Gefühl. Irgendwie war ich noch nicht richtig angekommen, fühlte mich nicht als Mutter. Das beängstigte mich in den ersten Tagen sehr. Denn schließlich mussten doch irgendwie Muttergefühle da sein, das ist doch normal. Und ich stellte mir die Frage, ob ich nicht normal bin, ob ich mein Kind jemals lieben könnte und wie ich es schaffen kann, eine Verbindung zu ihm zu finden.

Während alle auf der Station glücklich ihre Babys in den Beistellbetten neben sich hatten, stillten, und Mutter waren, saß ich daneben in meinem Bett. Ich konnte nicht laufen oder aufstehen, so sehr ich es wollte und pumpte Milch ab, für ein Kind….mein Kind, dass ich noch immer nicht gesehen hatte.

Das Gefühl kann man nicht in Worte fassen – es ist schrecklich und schrecklich beängstigend. Bei mir drehte sich alles im Kopf und die Gedanken kreisten. Ich fing an, mir Vorwürfe zu machen und mir die Schuld am abrupten Ende zu geben. Was natürlich bei einer Schwangerschaftsvergiftung völlig absurd ist. Das wusste ich aber zu diesem Zeitpunkt nicht, denn ich war verloren in mir selbst.

Ich hatte keine Muttergefühle!

Nach drei Tagen war es so weit, ich durfte zu meinem Baby...zu meinem Kind! Statt Freude, überwiegte Unsicherheit und Angst und ich kann mich noch ganz genau an diesen Moment erinnern. Es war eine Gefühlsexplosion.

Zitternd, ängstlich betrat ich den Raum mit drei Inkubatoren (Brutkästen) in denen drei Frühchen lagen, eines davon war mein Baby. Dann stand ich vor ihm. Er sah friedlich aus, leider sah ich nicht so viel von ihm, denn er war angeschlossen am Monitor. Überall piepte es. Da lag also mein Baby.

Ich war unsicher und hilflos, weil ich nicht wusste, ob ich ihn anfassen darf, wie ich ihn anfassen soll und ob ich ihn dabei in irgendeiner Hinsicht verletzen könnte.

Unser erster Kontakt war der Moment, in dem ich langsam die Brutkastenklappe öffnete, vorsichtig meinen Finger hineinsteckte und zitternd über seine winzig kleine Hand streichelte. Und so stand ich minutenlang da und starrte ihn an, mein Baby. Mit Tränen in den Augen und einem Hauch von einem Glücksgefühl, weiß ich heute noch wie ich ihm zu flüsterte: „Mein Heldenkind, ich bin es deine Mama“. Zum ersten Mal kam in mir ein warmes Gefühl auf.

In den Tagen darauf wurden wir beide in die Pflege, und Versorgung des Räubers mit einbezogen. Es kostete Überwindung und Mut aber es war wichtig für uns, denn nur so konnten wir eine Verbindung zu ihm schaffen und er zu uns.

Auch das Känguruhen genossen wir in Zügen, in dem wir für lange Zeit auf einem Liegestuhl unser Baby auf die Brust gelegt bekamen und so unser ganz eigenes Bonding erleben konnten. Mit der Verantwortung, Verpflegung und dem Känguruhen fing ich allmählich an Muttergefühle zu entwickeln und mich selbst auch als Mutter zu sehen.

Die Frühchen-Versorgung ist wichtig für die Bindung und den Kontakt! 

10 Wochen lang befanden wir uns auf der Intensivstation und Kinderklinik mit Höhen und Tiefen, aber wir haben es geschafft. Denn so ein Erlebnis ist nicht nur für die kleinen Helden anstrengend – auch für uns Eltern war das eine Zeit, in der wir an unsere Grenzen kamen.

10 Wochen lang fuhren wir jeden Tag 60km zur Klinik, wir vergaßen zu essen und zu duschen, weil wir da waren, ob zusammen oder abwechselnd, wir waren da! Ich hatte kein Wochenbett und unterdrückte die anfänglichen Kaiserschnitt-Schmerzen, stattdessen versuchte ich mein Kind kennenzulernen. Jeden Abend alleine zurückzufahren, dabei bangen und hoffen, dass kein Anruf aus der Klinik kommt, war die Hölle.

Damals fragte ich mich wofür das Ganze gut sein sollte. Heute weiß ich, es machte uns stärker, als je zuvor.

Wir haben es geschafft, und der Räuber stellt sich weiterhin seinen vielen Mutproben, die in seinem Leben noch auf ihn zukommen werden. Ich weiß, er wird sie großartig meistern und wenn er hinfällt, dann steht er wieder auf, denn er ist mein Heldenkind, mein frühgeborenes Baby.

 

Pampers unterstützt Frühchen und Eltern! 

Inzwischen unterstütze ich Pampers und deren Frühchen-Aktion, in Verbindung mit „Deutschland wird Kinderland“. Ich berichtete bereits über die Früchchenwindel P-3, die Pampers  im letzten Jahr neu auf den Markt gebracht hat, für Kinder mit einem Gewicht ab 800g.

Das ist super, denn ich kann mich noch daran entsinnen, dass wir unseren Kleinen mit viel zu großen Windeln versorgen mussten. Die Frühchenwindeln geben den kleinen Helden also den notwendigen Komfort und erleichtern nicht nur dem Pflegepersonal die Versorgung, sondern auch uns, als Eltern.

Übrigens setzt sich Pampers mit dem Sozialunternehmen wellcome für zu frühgeborene Babys ein und unterstützt die Plattform für Eltern finanziell. Denn auch nach der schweren Intensivstationszeit, ist kein Ende in Sicht und viele Eltern fühlen sich verloren und suchen Hilfe im Alltag. wellcome macht dies möglich und unterstützt Frühchenfamilien zu Beginn bei alltäglichen Aufgaben – eine wunderbare Sache!

Jede Hilfe ist wichtig und wird dringend benötigt! 

Bei der Unterstützung von frühgeborenen Kindern und deren Familien kann nicht genug gemacht werden, denn jede Hilfe wird benötigt, egal in welcher Form. Deshalb entschied ich mich selbst vor zwei Jahren die inzwischen größte Häkelspendenaktion für Frühchen in ganz Deutschland ins Leben zu rufen. Warum? Weil wir damals in unserer Klinik nichts hatten.

Alleine mit meiner Community schafften wir es im Jahr 2017 über 300 Häkel-Oktopus Tierchen an zwei Kliniken zu verteilen und in diesem haben wir bereits über 600 Tierchen zusammen bekommen. Die Oktopus- Häkelkraken simulieren mit ihren Tentakeln die Nabelschnur und beruhigen nachweislich via Monitor die Frühgeborenen.


Die Kooperation entstand mit Pampers, herzlichen Dank dafür!

 

1 Kommentare

  1. Kristina Eisner

    Vielen Lieben Dank für deinen Beitrag. Ich haben ihn mit Tränen durchgelesen und musste sehr an unsere Momente denken. Geburt 28+2 SSW.
    Auch der 17.11. war ein sehr emotionaler Tag für uns. Viele Erinnerungen kommen hoch und man realisiert erst nach und nach was man für einen kleinen Kämpfer hat. Was er für einen Start in das Leben hatte, was er alles durch machen musste und wie er sich im Endeffekt entwickelt hat. Ein Wunder voller Liebe ❤️

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